Vom Haus links her riecht es nach Grillparty mit Flammenopfer - Die Kinder schreien nach Schokoeis - Der dicke slowenische Kampfhund zieht seinen Besitzer vorbei
Die Sonne lacht. Der Himmel ist himmelblau. Zikaden zirpen. Das Meer gluckst leutselig um die Uferfelsen. Herrenlose Katzen schreien nach Anfütterung. Die Kinder schreien nach Wasserbomben. Die Frau schreit: "Sicher nicht. Heute ist in der Küche definitiv jemand anderer dran." Kumuluswolken ziehen verschreckt nach Süden. Der Sohn aus dem Nachbarhaus rechts versucht Teufelsquarten auf seiner japanischen Elektrogitarre nachzuspielen. Es gelingt zwar nicht, klingt aber trotzdem hart. Vom Haus links her riecht es nach Grillparty mit Flammenopfer. Die Kinder schreien nach Schokoeis. Der dicke slowenische Kampfhund zieht seinen Besitzer vorbei.
In der Nacht haben grölende Betrunkene einen Fünf-Euro-Campingsessel gestohlen.
Das Meer gluckst, die Zikaden zirpen. Draußen im Panorama wird jetzt Wasserski gefahren.
Die Frau schreit, dass sie sich einen Seeigel eingetreten hat und der Fuß wahrscheinlich sterben muss. Dieses Unglück wäre ihr in der Küche nicht passiert. Vor dem Haus röhren dicke deutsche Harley-Fahrer Richtung Bar Neptun.
Drüben in der Marina plärrt der Eiswagen die blechern fröhliche Eiswagenmelodie. Die Kinder schreien: "Schokoeis!" Die Frau schreit: "Wo bleibt jetzt die Pinzette für die Seeigelstachel?!"
Der Dichterfürst und Franz sitzen in dieser Idylle und starren in die Abendsonne.
Als ein Wassermoped nah am Ufer Achterschleifen zu sägen beginnt, sagt der Dichterfürst zu Franz: "So, es reicht. Jetzt schieße ich den Trottel da draußen von seiner Kraxen herunter." (Christian Schachinger, Rondo, DER STANDARD, 16.07.2010)