Pretzhof im Pfitschertal

Essen ab Hof

8. Juli 2010, 17:09
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    foto: georg desrues

    Hoch über dem Pfitschertal steht der Pretzhof, laut Osteriaführer "Gambero Rosso" eine der bemerkenswertesten Wirtschaften Italiens.

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    Von Fleisch und Wurst über Käse und Obst bis zu Getreide und Gemüse kommt hier alles vom Hof - in herausragender Qualität.

Der Pretzhof des Bauern und Wirts Karl Mair im Südtiroler Pfitschertal gilt als eine der allerbesten Trattorien Italiens - Georg Desrues war dort und weiß jetzt, warum

Wie so oft in Südtirol wirkt auch beim Gasthaus Pretzhof auf ersten Blick alles sehr inländisch und vertraut: ein uralter Bergbauernhof, hoch oben am Hang gelegen, darunter erstreckt sich ein sanftes, saftig grünes Bergtal. Im Inneren eine Tiroler Gaststube mit viel Holz, Kachelofen und dem Herrgott im Winkel. Und auch Wirt Karl Mair ist ein waschechter, leicht bärbeißiger Tiroler; mit harter Aussprache, breiten Schultern und Händen, so groß wie Heugabeln.

Spätestens aber, wenn Mair zu Tisch kommt und keine großmächtige, kunstlederne Speisekarte bringt, sondern aufzählt, was es für "Antipasti" und "Primi" gibt, wird man gewahr, dass man in Italien sitzt. Speisekarte, so Mair, gebe es hier seit fünfundzwanzig Jahren keine, und zwar allein schon deswegen, weil er sich nach jeder Bestellung mit Frau Ulli - sie steht in der Küche - abspreche und je nach dem, was noch da ist, das Angebot verändere. Nur so sei es möglich, das ganze, auf dem Hof geschlachtete Tier zu verwerten.

Geschlachtet, geselcht und verwurstet

Denn auf dem Pretzhof wird selbst geschlachtet, geselcht und verwurstet. Der Weg vom Parkplatz zum Gasthaus führt an einem zweigeteilten Stall vorbei: Links schauen Kühe hervor, rechts grunzen Schweine - dazwischen liegt das Schlachthaus. Transport-Stress für die Tiere gibt es nicht. "Das hier ist ein echter Bauernhof", sagt der baumlange Wirt, "und zwar ein Gesamthof." Damit meint Mair, dass hier möglichst alles produziert wird, was für den Gastbetrieb notwendig ist: das Fleisch, die Milch, aber auch das Futter für die Tiere, das Obst und das Gemüse - und sogar der Strom.

"Wir wollen der Landwirtschaft Wertigkeit verleihen, indem wir sie herzeigen. Sie ist unser Hauptlieferant und das Gasthaus unser Hauptabnehmer", erklärt er die Dualität seines Berufs.

Als Antipasti gibt es Speck, Schinkenspeck, diverse Würste von Schwein, Schaf und Ziege und manchmal eben etwas wie "Spanferkel in Saor". "Das sind weniger edle Teile vom Schwein, die Ulli verwertet, indem sie in eine Marinade aus Essig, Zucker und Zwiebel gelegt werden. So wie es die Venezianer mit Sardinen machen", sagt Mair.

Auch der Käse wird hausgemacht, und zwar ausschließlich aus der Milch, die Mairs Kühe im Sommer auf der hauseigenen Hochalm geben. Sein Tiroler Grauvieh sei eine perfekt an die Bergwelt angepasste Rasse, mit feinfasrigem, geschmacksintensivem Fleisch. Dass man das Fleisch der Rasse in Südtirol immer seltener findet, ärgert ihn: "Das Land wurde an den Massentourismus verschleudert. Und die Bauern sind dabei auf der Strecke geblieben. Ich bin überzeugt, dass es unseren Bauern nur gutgehen kann, wenn die Wirte ordentlich arbeiten und lokale Produkte statt billiger Importware verarbeiten."

Sonst wäre es ja Kitsch

Als "Primi" gibt es Graukässoufflé mit Käsesauce, Buchweizen-Kräuterspätzle mit Ochsenragout und gebackene Bauernkrapfen mit Ziegenfrischkäse. Nur manchmal sind Schwoasnudeln vorrätig, die mit frischem Schweineblut gemacht werden. Rind- und Schweinefleisch für die Hauptspeisen kommt aus der Hausschlachtung, Schaf vom Nachbarn, Brom- und Himbeeren von Mairs Schwester, Gemüse und Salate vom Garten hinterm Haus. Und in der Saison gibt's Pilze und viel Wild. Denn: "Jagen tun hier alle", sagt Mair.

Auch das Bier liefert eine lokale Brauerei namens "Pustertaler Freiheit", die nur mit Getreide von Südtiroler Bauern braut. Dafür ist die Weinauswahl groß und bietet neben einheimischen auch österreichische und italienische Etiketten. Auf die vermeintliche Inkonsequenz angesprochen, meint Mair nur: "Die Qualität der Gäste steigt mit der Qualität der Weinkarte. Das ist eben so. Und außerdem machen wir immer nur das, was wir wollen. Sonst wäre es ja Kitsch." Und davon gebe es in Südtirol schon mehr als genug. (Georg Desrues/Der Standard/rondo/09/07/2010)

 

Pretzhof, Tulfer 259, 39040 Wiesen/Pfitsch, Südtirol/Italien, +39/0472/76 44 55, Mi-So 12-24Uhr

Kommentar posten
20 Postings
Pratersauna
00
13.7.2010, 00:08
Herbert Lorenz

Habe den Pretzhof bereits vor 15 Jahern besucht und war mittlerweile bereits 6 mal dort immer wieder ein tolles Erlebniss.Die Weinpreise sind Moderat und viel günstiger als in Wien.Mann sollte sich halt schon über Weine riochtig Informieren dann stimmt auch der Preis.

kolibri83
20
11.7.2010, 13:18

Ich war selbst schon öfter dort eingeladen und kann nur sagen, die Zusammensetzung der Speisen ist genauso wenig transparent, wie die sehr kreative Preisgestaltung. Achtung beim Wein! Besser vorher den Preis erfragen, sonst kanns leicht 150€ mehr kosten. Und übrigens, es heißt DIE mozzarella, ( ital. la mozzarella), genauso wie DER risotto und die melanzane =mehrzahl - nicht melanzani . ) auch wenn sich sogar angebliche ital. Locale in Wien an österreichische "Falschaussagen" anpassen. Beim Prezhof nachfragen, wers nicht glaubt

Schnabeltierfresser
00
10.7.2010, 00:38
Kässoufflé mit Käsesauce?

Ist das ernst?

ElBarto
00
11.7.2010, 11:58
...

...unglaublich gut...

clyde barrow
00
10.7.2010, 01:10
warum nicht?

außerdem ist ja graukäse nicht wirklich käse und wird meist mit butter drunter gegessen. warum also nicht käsesauce statt butter?

wrnr .
00
so solls sein

Schöner Bericht, danke. Merke ich mir gerne vor für den nächsten Südtirolurlaub.

Sollte beispielgebend sein: weil saisonal, regional bringt auch der Umwelt eine Menge.

Wenns mehr Pretzhöfe gibt, brauchen auch nicht alle dort hin (von weit her) zu fahren. Sucht die "guten" Höfe, esst dort, kauft dort. Verbindet es mit einem Fahrradausflug oder einer Wanderung. Geniessen nenn ich das.

http://www.biomaps.at/ (bei erweiterte Suchfunktionen "ab Hof" und Dienstleistungen -> Gastronmie müsste genau das ergeben.

Eintragen und berichten auch hier: http://city.utopia.de/de/katego... iohoefe-45

ElBarto
00
kann sagen...

...ich hab selten so gut gegessen wie im pretzhof!

Miss Deutung
00

Und wie ist es preislich? Eher tiroler Niveau oder italienisches?

ElBarto
00
11.7.2010, 02:05
sag ma so...

...ich musste nicht zahlen, aber billig ist was anderes, günstig ist es sicher....preis-leistung passt!

Poldi Fesch
00
da ist der Unterschied

aber eher marginal

gustav gans42
182

beim Bild der Ermordeten/Unbeerdigten kriegt man richtig Gusto:
auf Tomaten mit Mozzarella...

Juvenal
00
23.7.2010, 15:37
na geh, bitte!

widiwutsch
00
Einerseits: ja klar, Schlachtung hat etwas von einem Mord;

Andererseits: sind Sie konsequenter Vegetarier/Veganer?

C18H27NO3
00
ja, mit parmaschinken!

Toeris
00

Ach, die köstlichen Paradeiser die nie in einer Erde gewurzelt haben und ganz sicher keine Sonne gesehen haben und der Industrie-Mozarella der nach Plastik-Pappe schmeckt. Köstlich in der Tat.

doko
13
na dann passens beim mozzarella aber auf

das wird dafuer ein kuli-muhli umgebracht und das lab aus dessen magen fuer die gerinnung des kaeses verwendet. das herstellen des mozarellas funktioniert mit vegetarischen gerinnungsmittel naemlich nicht so gut...

tramezzino
01

am besten du ertränkst deinen kummer in klinksdrehendem soyajoghurt.

schottreinkerl
02
wann wirds endlich wieder martini?

die gans schnattert anscheinend schon in erwartung der maronifülle....

klingt nach vorbildlicher tierhaltung, ein wirt der sich mit nachhaltigkeit beschäftigt,und gerade hier zündelt ein grünkernmiraculix in verkniffener fleischeslust.

Miss Deutung
13

Diese Jungschweine haben ihr Leben im Dienste einer höheren Sache ausgehaucht: unseren Hunger zu stillen.

Lost In Contemplation
12
Noch besser:

die Viecherln hätten gar nicht gelebt würden sie nicht von unse gegessen.
Daher: nein zu Fleisch aus Tierindustrien und Ja zu Fleisch vom Bauern aus der Biolandzucht.
Ich will nicht Leid minimieren sondern Freude (auch der Tiere!) maximieren!

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