Über Apps reden

17. Juni 2010, 17:32
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Pro: "Apps! Apps! Apps!" von Roman David-Freihsl - Contra: "Guter alter Bierdeckel" von Michael Hausenblas

+++Pro
Von Roman David-Freihsl

Die Reaktion ist stets die Gleiche: Ertönt in der Fernsehwerbung dieses "Apps! Apps! Apps!", regt sich spontan das unwiderstehliche Bedürfnis, zum Tanz zu bitten. Zum Watschentanz! Wer immer diese Wortvergewaltigungsabkürzung erfunden hat, er hätte sich diese Ausnahme von der geschworenen Gewaltfreiheit redlich verdient. Das schöne dran ist aber, dass man sich über nichts besser das Maul zerreißt, als über das, was man abgrundtief hasst. Über "Apps" lässt sich nicht nur reden, sondern auch vortrefflich bis zum Japsen schimpfen und fluchen bis zum Hyperventilieren. Und dann steht man mit dem Kollegen S. am Gang vorm Klo und zeigt einander die neuen Errungenschaften im iPhone (vom Kollegen C. auch liebevoll "Eier-PC" genannt): das Bierkrügel, für's virtuelle Piperln. Die Gitarre, welche man am Display befingern kann. Dieses Laserschwert, das obiwankenobisch aufbrummt, wenn man's schwenkt. Bar jeglicher Sinnhaftigkeit - herrlich! Und man vergisst darob glatt, dass genau das ja die verhassten "Apps" sind.

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Contra---
Von Michael Hausenblas

Muss man wirklich darüber reden, warum die Schlafkurve der Kollegin gegen vier Uhr morgens wie das Matterhorn gen Himmel schießt, nachdem sie beim Einschlummern Regenwaldgeräuschen lauschte (Sleep Cycle, iSleepy)? Will man nach dem Tschoch eines Arbeitstags im Gastgarten seines Vertrauens wirklich wissen, aus welchem Jahr der dort befindliche Brunnen stammt, nachdem es einem die vergangenen 20 Jahre einerlei war (Wikihood)? Ist es nicht "verapplend", darüber informiert zu werden, dass am Neusiedler See der Wind mit geschmeidigen drei Windstärken bläst, während im Büro der Ventilator ächzt (Wind Speed)? Hilft es tatsächlich gegen Demenz, das Töchterchen beim iPhone- Memory herauszufordern? Noch dazu, wenn der Nachbartisch böse Nasenlöcher macht, nachdem sich das Walrosspärchen laut grunzend gefunden hat (AniMatch)? Warum muss man zuhören, wenn einem das Rauschen des Baches in Bad Gastein vorgespielt wird? Baut denn niemand mehr Häuschen aus Bierdeckeln? Oder gibt es dafür auch schon eine App? (Der Standard/rondo/18/06/2010)

  • Baut denn niemand mehr Häuschen aus Bierdeckeln? Oder gibt es dafür auch
 schon eine App?
    foto: der standard

    Baut denn niemand mehr Häuschen aus Bierdeckeln? Oder gibt es dafür auch schon eine App?

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