Selbst ist der Dung

20. Juni 2010, 17:30
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Der Beinwell, genauer gesagt dessen Jauche, ist des düngerbedürftigen Biogärtners Verbündeter, verrät Ute Woltron

Irgendwann erreicht der ambitionierte Gartenmensch den kathartischen Moment der Befreiung: wenn er beschließt, sich von der chemischen Industrie zu emanzipieren. Denn erstens haben unsere Großmütter selig auch Erdäpfel geerntet, ohne breitwürfig die Chemieerzeugnisse moralisch fragwürdiger multinationaler Aktiengesellschaften zur Anwendung zu bringen. Zweitens ist das Düngen eine ökologisch heikle Angelegenheit. Drittens sind Fertigdünger teuer. Viertens hat man gern den Überblick darüber, was denn in den Paradeisern drin ist, wenn sie aus dem Garten raus und in den Schlund hinein kommen.

So beginnt denn auch das erste Kapitel der Gartenalchemie: mit der Herstellung von Jauchen. Brennesseljauche erfreut sich hierzulande aufgrund der Häufigkeit dieser segensreichen Staude ohnehin großer Bekannt- und Beliebtheit. Doch noch empfehlenswerter ist es, ordentliche Buschen des Beinwell Symphytum officinale in die Jauchetonne zu stopfen und mit Wasser aufzufüllen. Richtwert: ein Kilo auf zehn Liter, da liegt man schon im satten Bereich.

Brennessel die elementare Düngerpflanze

Der Beinwell ist noch vor der Brennessel die elementare Düngerpflanze für alle, die biologisch oder zumindest in diese Richtung gärtnern wollen. Er ist an Eiweißen reich und vor allem an Kalium, denn seine Wurzeln schürfen tief und holen für andere unerreichbare und in den oberen Erdschichten bereits verbrauchte Mineralien und Stoffe aus den Vorratskammern des Bodens hervor.

Lassen Sie also ein Beinwell- Gebräu in möglichst großer Entfernung der sommerlich geöffneten Schlafzimmerfenster in einer Tonne rund drei Wochen vor sich hin gären, bis nichts mehr schäumt. Gelegentliches Rühren bei abgewandter Nase tut gut, jedenfalls der Jauche. Sodann mindestens eins zu zehn verdünnt lediglich auf den Erdboden rund um die Pflanze aufbringen. Im Idealfall erfolgt diese Düngung vor oder während eines reinigenden Sommergusses, wenn der Regenpfeifer singt. Letzteres ist freilich nur atmosphärisch von Vorteil, für den düngenden Effekt jedoch belanglos.

Sie können Beinwellblätter auch als Mulch aufbringen, als Kompostbeförderer verwenden - oder daraus für ihre müden Knochen und Schrunden Salben kochen. Wie das geht, darüber befragen Sie aber lieber Ihren Arzt oder Apotheker. Für alles bin ich auch nicht zuständig. (Ute Woltron/Der Standard/rondo/18/06/2010)

Tipp

Wo der Beinwell wächst, ist schnell erklärt: am besten in Ihrem Garten. Ziehen Sie ihn an feuchter, schattiger Stelle, dann können Sie ihn bis zu dreimal jährlich ernten. Er schaut auch sehr schön aus, blüht in Blau-Lila-Tönen und wird bis zu einem Meter hoch. Pflanzen sind in Grünmärkten erhältlich. Sollten Sie sich mit dem schändlichen Plan tragen, ihn der Natur entreißen zu wollen, dann schneiden Sie ihn wenigstens ab, auf dass er nachwachsen kann. Der Beinwell ist mehrjährig und ein Tiefwurzler, er hält das schon aus. Wenn Ihr Garten zu trocken ist, graben sie eine perforierte Folie ein, um ein künstliches Feuchtgebiet zu schaffen.

  • Blaue Blüten, die dem Boden Gutes tun: der Beinwell.
    foto: wikimedia

    Blaue Blüten, die dem Boden Gutes tun: der Beinwell.

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