Bring's selbst mit

18. Juni 2010, 11:29
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Fremde Sitten halten Einzug, freut sich Luzia Schrampf

Die drei Buchstaben B, Y und O sind mit Kreide an die Tafelwand des "Badeschiffs" gemalt. Das Schiff wurde erst kürzlich von den früheren Betreibern des Expedits in Wien zusammen mit Christian Petz (ehemals Chefkoch im Coburg) übernommen und wartet mit so einigen Überraschungen auf. BYO wird im englischsprachigen Raum mit "Bring your own" aufgelöst, fallweise erweitert auf BYOB, bring your own beer (Bier) oder beverage (Getränk) oder booze ("Trankl"). Für Wien ist es neu: Gäste sind eingeladen, eigene Weine mitzubringen, die gegen eine "Korkgebühr" standesgemäß serviert werden.

Bring your own ist vor allem in Australien sehr weit verbreitet, da nicht alle Lokale die Lizenz haben, Alkohol auszuschenken (was vor allem eine Geldfrage ist). Es findet sich aber genauso in Irland wie auch in London, für das es eigene BYO-Guides gibt. Melbourne - eine berühmte Foodie-Stadt auf dem australischen Kontinent mit hoher Dichte an guten Lokalen und BYOs mit auffallend vielen Liquor Stores und Wine Shops innerhalb von 30 Metern ab Restauranttüre - und Neuseeland sollen die Ersten gewesen sein, in denen es sich seit den 1960ern durchgesetzt hat. Seit den 1950ern bereits gilt die Formel ausschließlich fürs Trinken alkoholischer Getränke. Davor, so ab 1800, soll es schlicht eine Aufforderung zum Picknick gewesen sein, die "bring your own basket" hieß. Dieser Theorie hängt übrigens auch das Modern Drunkard Magazine an, ein seit 1996 in Denver, Colorado, erscheinendes Kompendium, das sich mit allen Aspekten des Trinker-Lifestyles befasst, so auch mit Geschichte. Im Österreich der 1960er-Jahre gab es Ähnliches, nur andersrum: Als die Heurigen noch ohne die Beifügung "Nobel-" oder "Stadt-" auskamen, nahm man gern eigenes Essen mit, das dann zum heurigen Wein verputzt wurde.

Auf dem Badeschiff gibt es auch eine überschaubare, wohl ausgewählte und fair kalkulierte Getränkekarte (was übrigens leider nicht österreichischer Gastro-Standard ist). Und wer sich an der Korkgebühr von 14 Euro stößt, sei daran erinnert, dass hier Logistik in Form polierter Gläser und Serviceleistungen in Form des Kühlens, Vorbereitens, Servierens etc. zur Verfügung gestellt werden. Auf zum Pool! (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo/18/06/2010)

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    Gäste sind eingeladen, eigene Weine mitzubringen, die gegen eine "Korkgebühr" standesgemäß serviert werden.

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