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Die Hosta: Nicht abbildbar ist hier der Wohlgeruch
Tipp
Da Sie jetzt wahrscheinlich sofort Ihre Tröge mit duftenden Hostas bestücken wollen, lassen wir Sie an unserer Internet-recherche teilhaben. Zwei Quellen wurden aufgetan: Der niederösterreichische Auswahlriese Praskac (www.praskac.at) hat mit Honeybells, Royal Standard und So Sweet drei duftende Klassiker im Programm. Der oberösterreichische Staudenmagier Sarastro (www.sarastro-stauden.com) hat dazu auch noch Fragrant Blue, Fragrant Bouquet sowie Fragrant Gold zu bieten. Noch ein Vorteil der Duftigen: Sie treiben, im Gegensatz zu den anderen, den ganzen Sommer über neue Blätter. So gesehen sind sie auch hagel- und schneckensicherer.
Bevor Sie fragen, worum es sich hierbei jetzt wieder handelt, lassen Sie sich eine kleine Geschichte erzählen:
Vor so mancher Gartensaison durchwandelte ich eines Sommers die Wiener Innenstadt auf Pfaden, die ich tausend Mal gegangen war. Doch mit der Wiener Innenstadt verhält es sich wie mit dem Magischen Theater des Steppenwolf: Mitunter werden Portale, die tausend Mal verborgen waren, plötzlich sichtbar, und in welch geheimnisvolle Innenwelten sie führen, entdeckt nur, wer sich vom rechten Pfad abbringen lässt.
Dieses gefährlich verbotene Abweichen brachte mir zweierlei ein: ein jahrelanges Suchen und Hoffen. Aber das kam erst später. Vorerst offenbarte es mir einen bezaubernden kleinen Hof, in dessen Mitte in einem steinernen Grand eine fantastisch schöne Pflanze wuchs. Die hatte perfekte, wie aus Porzellan geformte Blätter, und sie blühte weiß und lilienartig.
Das Beste an diesem magischen Arrangement war aber der Duft. Aus den großen Blütenkelchen duftete es so herrlich, dass der gesamte kleine Hof davon erfüllt war und der rechte Pfad da draußen in eine unwirkliche Ferne rückte, in eine Sphäre, in die man eigentlich nicht mehr zurückkehren wollte. Damit begann die Suche.
Dass diese Pflanze eine Hosta war, ließ sich leicht ausforschen. Denn keine andere Blattpflanze kommt ihr gleich. Ich kaufte also hoffnungsfroh sogleich eine ganze Auswahl von ihnen und räumte den im Herbst gelieferten Wurzelstöcken die schattigen, feuchten Gefilde meines Gartens ein. Denn dort fühlen sie sich wohl.
Im folgenden Frühjahr begannen sie Blüten zu treiben, und natürlich wartete ich darauf, dass die sich öffnen und mit ihrem Duft meinen Garten in jene unwirkliche Ferne rücken und ihr magisches Theater beginnen würden. Doch umsonst. Nicht der geringste Hauch eines Duftes wollte ihnen je entströmen. Als Gartenanfängerin kaufte ich einfach auf gut Glück immer wieder die verschiedensten Hostas - stets in der Hoffnung, die duftende Ausnahme möge köstlicherweise irgendwann doch dabei sein.
War sie aber nie, weil nämlich folgendes der Fall ist: Von den hunderten Hosta-Sorten duften nur ganz wenige. Sie stammen alle von einer einzigen, der Hosta plantaginea, ab. Nur 27 duftende Sorten weltweit sind käuflich zu haben, der Rest wird unter Sammlern gehandelt. Die duftenden Hostas blühen zudem ab August, und nicht im Frühsommer, wie alle anderen.
Also muss es Hochsommer gewesen sein, damals in der Wiener Innenstadt. Der Hof, der hat sich, wie es sich für magische Räume gehört, gleich wieder verborgen. Tausend Mal seither gesucht. Nie wieder gefunden. (Ute Woltron, DER STANDARD, RONDO, 11.06.2010)
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