Hilferuf

4. Juni 2010, 17:39
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Weinkarten dürfen intelligent sein, meint Luzia Schrampf

Will man einem Gast vermitteln, dass in einem Restaurant aber so was von Wert auf Weinkultur gelegt wird, überreicht man ihm eine Weinkarte, die die Stärke eines Telefonbuchs hat und das Gewicht eines Bandes der Encyclopaedia Britannica. Leider fließt oft mehr Gestaltungskreativität in die äußere Form des Buches als in den Inhalt. Standard ist die Aufarbeitung nach Regionen, gereifte Weine sind hinten angeführt, als ob man davor warnen möchte. Und hat sich ein Wein erledigt, wird dies gern mit einem launigen "Ausgsoffa" markiert.

Verschwiegen wird leider meist, wie der Wein eigentlich schmeckt, der natürlich nicht selten wegen der Verbindung von sympathisch klingendem Namen und charmantem Preis ausgewählt wird. Zuweilen gibt es Gründe, keinen Sommelier kommen zu lassen. Und nicht immer sind Menschen in der Runde, die reine Auflistung von Weinnamen problemlos decodieren können. Intelligente Weinkarten sind rar, in denen Weine zum Beispiel nach Weintypen zusammengefasst werden und sogar mit Hinweisen zu passenden Speisen versehen sind: "Restsüß - hervorragend zu deftig Gewürztem" würde völlig ausreichen. (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo/04/06/2010)

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    Will man einem Gast vermitteln, dass in einem Restaurant aber so was von Wert auf Weinkultur gelegt wird, überreicht man ihm eine Weinkarte.

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