Saphir entdeckt!

28. Mai 2010, 17:07
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Conrad Seidl über neue Hopfensorten und die Brauer, die sie verwenden

Als Gerhard Schröder vor einigen Jahren in die beschauliche Braustadt Weitra kam, veränderte er die Sichtweise der Waldviertler auf das Bier. Schröder, nicht verwandt mit dem gleichnamigen Politiker aus dem Stefan-Raab-Hit Hol mir mal ne Flasche Bier, ist Braumeister bei der Brauerei Moritz Fiege in Bochum - und braute als Gast der Bierwerkstadt Weitra ein typisch norddeutsches Pils. Es wurde vor fünf Jahren als "Weitraer Vision" vermarktet: Die einen verliebten sich spontan in das hopfenbetonte Produkt, die anderen lehnten die Vision als zu bitter ab.

Dem Zwettler Braumeister Heinz Wasner - er ist für die Produktion der Braustätten in Zwettl und Weitra verantwortlich - ist die Sache nicht aus dem Kopf gegangen. Wenn man dem Bier das richtige Aroma geben könnte, dann würden wohl auch die Österreicher ein herbes Pils nach deutscher Brauart genießen. Und da kam ihm eine Entdeckung aus der Hallertau unter: In diesem bayerischen Hopfenanbaugebiet wurde vor einigen Jahren eine neue Hopfensorte gezüchtet, die unter dem Namen Saphir vermarktet wird.

Wiesenblumen und Zitrusnoten

Sie hat Eigenschaften, die ihr spontan Freunde in Übersee gewonnen haben: Das kräftige, von Wiesenblumen und Zitrusnoten geprägte Aroma erinnert ein wenig an die bei nordamerikanischen Kleinbrauereien beliebte Sorte Cascade. Dazu kommt, dass die sonst so zarte Pflanze eine beachtliche Robustheit gegen Schädlinge aufweist - und daher wenig Spritzmittel braucht, was die Hopfenbauern ebenso wie die umweltbewussten Biertrinker freut.

In Deutschland werden inzwischen 185 Hektar Saphir angebaut. Wenig im Vergleich zu den gängigen Sorten Perle (3000 Hektar) und Tradition (2500 Hektar) - aber umso besser geeignet, um differenzierte Biere zu brauen. Wasner hat ein Jahr lang experimentiert - und hat schließlich festgestellt, dass ein mit Saphir gebrautes Bier sehr hohe Hopfengaben verträgt: 38 Bittereinheiten (das sind 38 ppm des Bitterstoffs Alphasäure) hat das Zwettler Saphir: Das Ergebnis ist ein hell-goldgelbes, blumig-harzig duftendes Pils mit einem betont herben, zitrusaromatischen Antrunk und einem schlanken Trunk, der zu einem sehr trockenen Finish führt.

Noch hat es eine gewisse Alleinstellung, aber schon haben auch andere heimische Brauer (etwa auf Schloss Eggenberg) den Saphir entdeckt. (Conrad Seidl/Der Standard/rondo/28/05/2010)

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    Neue Hopfensorte unter dem Namen Saphir vermarktet.

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