Raus aus dem Keller!

27. Mai 2010, 16:56
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Luzia Schrampf hat sechs Winzer, von denen man noch viel hören wird, nach dem Zweitbesten in ihrem Leben befragt

Die Hingabe und Freude, die in einem guten Wein stecken, kann man schmecken - Arbeit, Freizeit und Privatleben greifen dabei bald einmal eng ineinander - aber manchmal braucht man auch Ablenkung von der größten aller Leidenschaften. Luzia Schrampf hat sechs Winzer, von denen man noch viel hören wird, nach dem Zweitbesten in ihrem Leben befragt

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Marion Ebner

Die ehemalige Leiterin der Wein & Co-Filiale in der Wiener Jasomirgottstraße macht mit ihrem Mann Manfred Ebenauer Wein in Poysdorf und hält sich dabei in vielem nicht an das, was in der Gegend üblich ist. Und das schmeckt man eben. www.ebner-ebenauer.at

Das Beste an meinem Beruf als Winzerin ist, dass ich sehr frei bin, selbst entscheiden kann, natürlich dafür geradestehen muss. Aber ich kann machen und tun und denken und sagen, was ich will. Zeit für die genussvollen Kleinigkeiten des Lebens zu haben ist das Zweitbeste. Und die ist seit meiner Selbstständigkeit kaum mehr vorhanden. Zeit, um mit Mann und Freunden zusammenzusein, um gemeinsam zu kochen, zu essen und zu trinken oder um auszuschlafen. Eine Zeit ohne Handy oder um mit unserem Babyhund spazieren zu gehen. Mocca heißt er, aber nicht wegen der Farbe seines Fells, sondern weil er am allerersten Tag, als er hier war, meinen Kaffee ausgeschlabbert hat, als ich eine Sekunde lang nicht aufpasste.

Daniel Bauer

Der Winzer vom Weingut Bauer-Pöltl aus Unterpetersdorf im Mittelburgenland hat in einer Gegend, in der man ganz gern auf Power-Weine setzt, mit eleganten Blaufränkischen und feinen Pinot noirs aufgezeigt. Und das über mehrere, auch schwierige Jahre. www.bauerpoeltl.at

Die Arbeit wird manchmal sehr intensiv, und dann brauche ich etwas, an dem ich mich wieder aufrichten kann. Im Zusammensein mit meiner Freundin Kathi gelingt mir das am besten. Sie hilft mir, den Tunnelblick aufzugeben und das Leben auch von anderen Seiten zu sehen. Wir sehen die Dinge ähnlich und machen sehr viel gemeinsam: Kino, viel Sport. Und weil der Weinbauer auch einmal etwas essen muss, kochen wir oft gemeinsam - auch wenn es vielleicht mehr ein Experimentieren ist. Recht viel Ahnung haben wir beide nicht. Aber wir lernen dazu. Und mittlerweile schmeckt's uns immer öfter.

Katharina Tinnacher

Die Tochter eines der renommiertesten Winzer der Steiermark ist seit drei Monaten Diplomingenieurin der angewandten Pflanzenwissenschaften, was bestens zu ihrem Bakkalaureat in Weinbau und Önologie passt. Sie ist spezialisiert auf die Interaktion von Rebe, Boden und Klima. "Ich bin halt vom Papa erzogen worden. Und für ihn war der Weingarten immer das Wichtigste." Der Stil der Weine des Hauses ist steirisch im allerbesten Sinn. www.tinnacher.at

Seit drei Monaten bin ich wieder fix am Weingut, ich möchte aber noch die eine oder andere Ernte im Ausland machen, um weiterzulernen. Das Zweitwichtigste ist für mich, dass Zeit für Genuss bleibt. Dazu gehören - neben Zeit für meinen Freund Martin - Freunde, gute Gespräche, Kulinarisches und auch Lesen. Und das kann ich richtig zelebrieren. Mein Lieblingsbuch ist ein Unikat, das Martin für mich hat schreiben lassen. Aber ich mag auch Romane, zum Beispiel von Gerhard Roth, Klassisches oder auch Krimis. Die gehen auch zwischendurch, wenn ich keine Zeit habe, einen Text genau zu reflektieren.

Hannes Schuster

Der Winzer aus St. Margarethen hat eine besondere Hand für Terroir-Weine und zeigte auch in der Kooperation "M. Jagini" mit Roland Velich auf. Sein erster Wein im Jahrgang 2001 war ein St. Laurent. Und davon wird es in Zukunft auch mehr geben. Auch wenn es um Freizeit geht, ist es unmöglich, ihn vom Wein wegzubringen. Also haben wir nachgegeben. www.rosi-schuster.at

Weintrinken ist das Zweitschönste im Leben. Das läuft unter dem Stern der Weiterbildung. Wenn mir jemand einen Wein empfiehlt, der handwerklich sein soll, dem man anschmeckt, wo er herkommt, dann schau mir das genau an. Was von der Weiterbildung übrig bleibt, wird dann zum Mittagessen getrunken. Der letzte Wein, der mir sehr gut gefallen hat, war Hermitage von Gérard und Jean-Louis Chave, nördlicher Rhône, Jahrgang 2007, glaub ich. Solche Winzer sind ideologische Vorbilder. Ich hab einige alte St.-Laurent-Anlagen an verschiedenen Orten. Die werden jetzt ein paar Jahre hintereinander separat ausgebaut. Dann sehe ich, was sie wirklich können.

Leo Uibel

Mehr als zwei Drittel der Uibel'schen Rebflächen gehören dem Grünen Veltliner. Und mit dem spielt sich Leo Uibel, seit er vor drei Jahren die Verantwortung übernommen hat. Ergebnis sind vier Typen des köstlichen Saftes, die nicht auf der simplen Schiene angesiedelt sind und sich Zeit nehmen, bis sie so weit sind. www.uibel.at

Die Swatch-Sammlung stammt aus der So-alt-bin-ich-schon-Ära. Ich habe diese Uhren seit Ewigkeiten, trage sie bei der Arbeit, einfach immer, und sie haben viel überlebt. Und wenn nicht, gibt's Ersatz aus der Sammlung. Außerdem reise ich sehr gern. Auf eigene Faust und besonders gern dorthin, wo's nicht gerade empfohlen wird, hinzufahren. Die Reisen haben nur mit Wein zu tun, wenn ich dabei drüber stolpere: Zum Beispiel ganz wild in Nordvietnam auf 2500 Meter Seehöhe sehe ich Reiswein angeschrieben. Die haben mir eine klare Flüssigkeit eingeschenkt, dann hab ich gemerkt, dass es ein Viertel Schnaps ist. Heuer fahr ich mit Frau und Kind in die Alpen. Wenn Kinder klein sind, müssen die eigenen Interessen adaptiert werden. Aber ein netter Bergsee außerhalb der Touristenzentren entkoppelt auch sehr gut.

Jutta Ambrositsch

Die Jungwinzerin und Heurigenwirtin in Wien ist die Neue bei "Elf Frauen und ihre Weine", da Rosi Schuster, die an ihren Sohn Hannes übergeben hat, wegfiel, was die gelernte Grafikerin als "große Ehre und noch größere Freude" bezeichnet. www.jutta-ambrositsch.at

Kunst wie Film, Musik, Bücher ist mir wichtig und wie sie einen bewegt und berührt. Stefan Sagmeister liefert das Motto: "To touch somebody's heart", ist ein schlauer Sager. Das kann auch Musik oder ein Film. Man geht als ein Mensch in einen Film hinein und kommt als anderer wieder raus. Und das ist schön. Bruce Nauman begeistert mich. Hier schließt sich auch der Kreis zum Weinmachen. Wein berührt und bewegt. Durch den Naturzugang ist man sehr nahe an der Kunst dran. (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo/28/05/2010)

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    Mit Hingabe und Freude.

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