Lude mit Pellets

28. Mai 2010, 17:03
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An und für sich führt der Dichterfürst draußen auf dem Land das beschauliche Leben eines Mannes mit Pelletheizung und Fleecejacke

An und für sich führt der Dichterfürst draußen auf dem Land das beschauliche Leben eines Mannes mit Pelletheizung und Fleecejacke. Bei Auftritten in der Stadt neigt der gute Mann allerdings in jüngster Zeit dazu, sich im Stile eines albanischen Zuhälters zu gebärden. Schwarz-glänzender Anzug, das seidig-kreischende Hemd weit offen sowie eine goldene Kuhkette stehen als Symbol für eine Dringlichkeit und Gefährlichkeit, die ihm in Wald und Flur längst abhanden gekommen sind. Dazu führt er im Bekanntenkreis einen ihn derart interessant machen sollenden Rotlichtspruch, dass nicht nur sämtliche gerade nicht gebundene Frauen sich verzückt vor ihm grausen, sondern sogar die sich von ihm auf dem nächtlichen Nachhauseweg betreten zeigenden Pflastersteine zu weinen beginnen. Der Dichterfürst ist in der Auszeit von sich selbst ein harter Hund.

Abgesehen von kleinalltäglichen Problemen wie jenem, schon jetzt im Frühjahr dafür Sorge zu tragen, zu welchem Bestpreis man sich für den kommenden Winter mit Pellets eindecken soll, oder dem Kampf gegen die spanische Nacktschnecke im Garten zieht der Dichterfürst dieses juvenile Geprotze mit erstaunlicher Konsequenz durch. Das führt zwar mitunter zu unschönen Szenen im Nachtleben. Am Wochenende in ländlicher Abgeschiedenheit kann der Dichterfürst dann allerdings zum Gaudium der Solarheizungsbesitzer aus der Nachbarschaft vom Krieg in den Städten erzählen. Die Stadtinger unten in Wien hätten doch alle einen festen Klopfer, so der Dichterfürst angeschlagen. (Christian Schachinger/Der Standard/rondo/28/05/2010)

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    Kampf gegen die spanische Nacktschnecke im Garten...

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