Bubi gibt Gas

16. Mai 2010, 16:41
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Thomas Bernhard ist als Autor ideal für 16-jährige Punks - Bei 40-jährigen Leuten aus dem urbanen Sitzjobmilieu kann einem das schwer auf die Nerven gehen

Wenn einem jemand erzählt, dass Thomas Bernhard ihm der liebste Autor sei, wird man einerseits hell- hörig. Beim Bubi ist es andererseits so, dass man dem Druck der Erwartungshaltung durchaus bereit ist standzuhalten. Von wegen einer von uns, Schimpfkanonade, sagen, wie es ist.

Wir werden also Zeuge einer Lebenslektüre, von der man sich eigentlich erhofft hätte, dass sie sich im Alter doch einmal legen würde. Aber nichts. Gerade im literarischen Umgang mit der politischen Realität erweist sich Bubi als unbelehrbar. Hexenjagd um die Hofburg, naturgemäß die allerwiderwärtigsten - und weiß der Teufel, was - Zustände in diesem durch und durch verrotteten Naziland. Diese Platte. Wer es immer noch nicht weiß: Thomas Bernhard ist als Autor ideal für 16-jährige Punks. Bei 40-jährigen Leuten aus dem urbanen Sitzjobmilieu kann einem das schwer auf die Nerven gehen.

Schlecht auch, dass dem Bubi der Nachbar auf dem Land neulich erzählt hat, dass er den Wahlbeisitz zur Bundespräsidentenwahl im Dorf abgelehnt habe, weil dort ein jeder von der Kommission bis Mittag schon 15 Bier getrunken hätte - und er nun wirklich zu alt dafür wäre. Das, so Bubi pikiert, sei ja wieder einmal typisch für einen Landstrich, in dem sich seit den Babenbergern politisch nur wenig getan hätte. Bubi fordert jetzt eine Bürgerliste zugezogener Wiener. Sie soll Roter Stern Waldviertel heißen "und den Koffern unten in St. Pölten ordentlich Gas geben". Als Diktator wäre Bubi eine große Nummer. (Christian Schachinger, Rondo, DER STANDARDD, 14.05.2010)

  • Wenn einem jemand erzählt, dass Thomas Bernhard ihm der liebste Autor 
sei, wird man einerseits hell- hörig.
    foto: matthias cremer

    Wenn einem jemand erzählt, dass Thomas Bernhard ihm der liebste Autor sei, wird man einerseits hell- hörig.

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