Mein Schiff wird kommen

2. Mai 2010, 17:00
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Die "MS Mein Schiff" ist ein trendiges, schwimmendes Wellness-Hotel mit lauten und ruhigen Plätzchen - Colette Schmidt stach mit ihr in See und würde es wieder tun

"Eine Kreuzfahrt?" Mitleidige Blicke und die Nachfrage, ob man "denn schon so weit sei - altersmäßig", treffen einen, wenn man erzählt, dass man demnächst eine Schiffsreise antreten werde. Und selbst hat man auch leise Zweifel: Werde ich der einzige Mensch an Bord sein, der - abgesehen von der Crew - noch zur arbeitenden Bevölkerung gehört? Und: Wird das fad, immer nur Wasser? Beide Fragen können nach einer knapp einwöchigen Mittelmeerkreuzfahrt auf der "MS Mein Schiff", dem ersten Schiff der Tui Cruises, mit Nein beantwortet werden.

Ja, sie sind schon in der Überzahl, die "Bestagers", wie man die Gäste im Pensionsalter hier liebevoll nennt. Man trifft sie auf allen 14 Decks. Das Konzept, ein Schiff für alle Altersgruppen in See stechen zu lassen, schlägt sich dennoch - nicht nur - im Design der unzähligen Bars und Restaurants und in den Kabinen nieder, an denen ein Team von amerikanischen Architekten mit dem Hotelarchitekten Ralf Claussen arbeitete. Um 50 Millionen Euro peppte man einen zehn Jahre alten amerikanischen Luxusliner auf, bevor er als "Mein Schiff" vor einem Jahr das erste Mal auslief. Auch hunderte zusätzliche Balkone wurden angebracht.

2000 Passagiere

Der großzügige Kinderbetreuungsbereich mit eigenem Pool samt großer Dino-Rutsche, der nicht am selben Deck ist wie die anderen Schwimmbecken und Whirlpools, ist vor allem zu Ferienzeiten gut besucht. Und das Schiff, das für rund 2000 Passagiere Platz hat, ist auch groß genug, damit sich Ruhesuchende mit Jungfamilien nicht ins Gehege kommen. Einerseits gibt es Wii-Stationen, die nicht nur Jugendliche belegen, und Wireless LAN in fast allen öffentlichen Bereichen, andererseits gibt auch jene Decks, wo statt der kindersicheren Plexiglaswände noch eine alte Reling Mensch und Wasser trennt. Hier kann man sich mit einer Partie Shuffleboard bis zum Beginn des Bingoabends bei Laune halten. Hier findet man ruhige Plätzchen, wo Oskar Werner und Simone Signoret über ihre letzte Fahrt am Narrenschiff plaudernd um die Ecke biegen könnten.

Wer weder Kinderlachen noch Bingorufe hören will, zieht sich auf ein 1700 Quadratmeter großes Fitness- und Wellnessareal mit der weltweit größten finnischen Sauna mit Meerblick zurück. Abends können abgearbeitete Kalorien bei einem Steak im "Surf & Turf" oder bei Sushi in der "Blauen Welt Bar" sofort zurückgewonnen werden. Satte 85 Tonnen Lebensmittel werden für die siebentägige Reise an Bord verarbeitet.

Dann fährt man weiter durch die Nacht, und das Meer wird niemals langweilig. Wie auch, wenn morgens immer eine andere Stadt unter dem Balkon liegt? In unserem Fall: Neapel, Palermo und Palma - und dank des Eyjafjallajökull auch noch Genua. Die Passagiere nahmen die Reise-Verlängerung auffallend gelassen hin. (Colette Schmidt/Der Standard/rondo/30/04/2010)

Anreise & Route

Von Österreich gibt es Zubringerflüge von Wien nach Palma de Mallorca. Von dort legt die "Mein Schiff" bis Oktober noch viermal ab. Die Routen führen nach La Goulette, Palermo, Neapel, Civitavecchia (Rom), Ajaccio/Korsika, Villefranche (Nizza), Barcelona und enden in Palma. Infos unter www.tuicruises.at

 

  • Amerikanische Architekten und ein deutscher Hotelarchitekt verwandelten einen einst opulenten US-Luxuscruiser in ein Schiff, auf dem sich auch Junge wohlfühlen.
    foto: tui

    Amerikanische Architekten und ein deutscher Hotelarchitekt verwandelten einen einst opulenten US-Luxuscruiser in ein Schiff, auf dem sich auch Junge wohlfühlen.

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    foto: tui
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