Bier im Gerede

Vom Holzfass

30. April 2010, 12:29
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    foto: pixelio.de/rainer sturm

    Gibt es nicht doch Biere, wo das Holz selber einen Einfluss hat?

"War früher das Bier aus dem Holzfass nicht besser?", wird Conrad Seidl oft gefragt

Ältere Biertrinker bekommen feuchte Augen, wenn sie davon erzählen, wie früher die massiven Holzfässer von den Lkws (oder gar noch von Pferdewagen) abgeladen wurden. Man ließ sie zunächst auf ein großes mit Jute überzogenes Kissen plumpsen und dann an einer Kette über eine schiefe Ebene in den Bierkeller rumpeln. Dort gab es noch ein paar Tage zum Ruhen (das Bier war durch diese Behandlung ja kräftig durchgeschüttelt worden), dann wurden die Fässer in den Gastraum gehievt und angestochen.

Herrlich sei das gewesen, so ein Bier aus dem Holzfass! Und das ist es noch: Man kann solches Bier zum Beispiel im Stehausschank des Bratwurst-Glöckel in München (von der örtlichen Augustiner Brauerei) genießen. Oder im Müllner Bräustübl in Salzburg (in diesem Fall von der Augustiner Brauerei Kloster Mülln in Salzburg). Die beiden Augustiner Brauereien sind zwar nicht die einzigen, die in Holzfässer füllen, aber sie sind besonders konsequent in der Bewahrung der Holzfass-Tradition.

Andererseits geht es dabei in hohem Maß um Imagepflege - und viel weniger um Bierpflege. Denn anders als viele Biertrinker glauben, geht es bei den Holzfass-Ritualen keineswegs um das hölzerne Fass. Dessen technologische Bedeutung ist nämlich durchaus zwiespältig: Auf der einen Seite steht der isolierende Effekt des Holzes: Das einmal gekühlte Bier (Nostalgiker erinnern sich an die Kühlung mit Stangeneis, die allerdings physikalisch auch keine andere Kälte bringt) bleibt im Fass längere Zeit bei gleichmäßiger Temperatur.

Erkauft wird das mit einem Hygieneproblem: Holzfässer sind innen mit Pech (einem Produkt aus Kiefernharz) ausgekleidet. Das Bier kommt in solchen Fässern also überhaupt nicht mit dem Holz in Berührung - sonst würde auch ein erheblicher Teil der Kohlensäure durch das Holz diffundieren, Fassholz ist ja nicht gasdicht. Wenn also jemand vom Holzgeschmack in diesen Bieren berichtet, dann hat er eher eine Erinnerung an einen Fehler im Pech: Tatsächlich konnte dieses Risse bekommen, in denen sich dann bierschädliche Bakterien gesammelt haben, die dem Bier einen eigenartigen, säuerlichen Kellergeschmack verpasst haben.

Gibt es nicht doch Biere, wo das Holz selber einen Einfluss hat? Doch, die gibt es neuerdings. Aber da geht es um andere Fässer - und um andere Biere. (Conrad Seidl/Der Standard/rondo/30/04/2010)

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12 Postings
mxcod
00
26.6.2010, 19:30

Bier aus dem Holzfass schmeckt grundsätzlich anders da es schon mal weniger Kohlensäurse hat und haben darf da das Holzfass dieses nicht aushält.
Und Bier im Holzfass ist nach Öffnung sofort zu konsumieren - hält nicht so lang.

Ich bin wenigstens froh das Hr. Seidl das Kloster Mülln gefunden hat.
Nächste Woche gönn ich's mir wieder :-)

standardleser15
08
30.4.2010, 14:01

"Gibt es nicht doch Biere, wo das Holz selber einen Einfluss hat? Doch, die gibt es neuerdings. Aber da geht es um andere Fässer - und um andere Biere. "
Jetzt wo es interessant wird hören sie auf ? Zu Strafe sollten sie die Fortsetzung jedem Standardleser bei einem von Ihnen bezahltem Bier erzählen müssen ; )

Chris_SM
04

Schließe mich an. Als Nr 17 oder so...

Dieses Ende ist ja wirklich hundsgemein. Bei Filmen nennt man sowas Cliffhanger. Man möchte das Publikum neugierig entlassen, auf das sie ja die nächste Folge oder den nächsten Film(man denke an Kill Bill 1+2) anschauen. Seidls Vorgehen ist also nur dann sinnvoll, wenn er in der nächsten Kolumne mehr über diese speziellen Biere erzählt. ICH WARTE SCHON DARAUF.

P.S.
Hmm gibt es vielleicht sowas wie "Barrique-Biere"??

Bierpapst
14
Barrique Biere

Bingo, die gibt es.
Derzeit weltweit die am schnellsten wachsende Gruppe. Österreich hängt etwas hintennach, aber es gibt das immer wieder.
Derzeit zB. in der 1516 Brewing Co - ein in einem Bourbon-Fass nachgereiftes rotes Zwickl. Verrate ich momentan nur hier. Ich gerate sonst in den Verdacht, ausschließlich über 1516 zu schreiben.

Yes we try
00
16.5.2010, 01:51
?

Geht in einem Bourbonfass nicht auch die Kohlensäure verloren?

Bierpapst
00
16.5.2010, 02:28

Ja, sicher. Bei einer Reifung im ungepichten Holzfass (egal ob vorher Wein oder Spirituosen waren oder ob es ganz frisch ist) entweicht ein Großteil der Kohlensäure. Man darf nicht erwarten, dass das Bier vom Mundgefühl einem gewohnen Bier ähnlich wäre.

Yes we try
00
16.5.2010, 02:47
?

Schmeckt das dann nicht "schaaaal"?

Bierpapst
00
16.5.2010, 22:20

Natürlich hat das Bier dann wesentlich weniger CO2 - etwa so viel, wie es ohne Druck zu halten imstande ist. Das entspricht dann dem, was ein typisches "ungespundetes" fränkisches Kellerbier oder ein englisches Real Ale hat. Genug, um erfrischend zu sein, aber zu wenig, um einen prickelnden Effekt zu haben. Für unsereinen jedenfalls ungewohnt.

mxcod
00
26.6.2010, 19:32

ich möchte mal wissen wer das Märchen in die Welt gesetzt hat das Kohlensäure erfrischen ist....
Bei Bier geht es um den Geschmack und der ist bei Holzfassbieren immer besser...
(wer würde sich schon die Arbeit machen Mistbier in Holzfässer zu füllen ?...)

Chris_SM
00
11.5.2010, 17:00
@Bierpapst

Danke für die Aufklärung. Ein Grund mehr, nach langer Zeit mal wieder die Brewing Company zu besuchen.

clyde barrow
03
pausa café's P.I.L.S.

reift 10 wochen in barriques.

Thun23
 
02
30.4.2010, 20:16
Ich wär dann gern Nummer 16 bittesehr

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