Da schau her

2. Mai 2010, 19:14
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Die Wege zum himmlischen Humus im eigenen Garten sind mannigfaltig und gelegentlich überraschend unergründlich, meint Ute Woltron

Der tschechische Schriftsteller Karel Èapek (1890 bis 1938) hat es in seinem wunderbaren und jedem gärtnernden Menschen ganz unbedingt empfohlenen Buch Das Jahr des Gärtners auf den Punkt gebracht:

Das A & O jedes Gartens ist die Beschaffenheit des Bodens. Damit beginnt und endet alles.

Deshalb, so Èapek, könne man sich vorstellen, wie es dem Gärtner erginge, der den Garten Eden betritt: "Käme er in den Garten des Paradieses, würde er berauscht den Atem einziehen und flüstern: "Herrgott, ist das ein Humus!" Ich glaube, er dächte nicht daran, vom Baume der Erkenntnis zu naschen; er würde eher zusehen, wie er unserm Herrgott einen Schubkarren voll paradiesischer Erde entführen könnte. Oder er würde bemerken, dass rund um den Baum der Erkenntnis der Boden nicht aufgelockert ist, und wahrscheinlich eifrig zu graben beginnen, ohne zu ahnen, was über seinem Kopfe baumelt, "Adam, wo bist du?", würde der Herrgott rufen. "Ja, ich komme gleich", würde der Gärtner antworten, "ich kann jetzt nicht", und er würde weiterhin in der Baumscheibe herumarbeiten."

Ganz ähnlich ergeht es mir mit meiner Nachbarin, wenn ich, ihren fast schon paradiesisch zu nennenden Garten betretend, nach dem traditionellen nachbarlichen Kaffee rufe. "Moment, ich komm gleich, ich muss nur noch hier die Ligularien eingießen, und - ach ja - dort den Efeu zupfen." Auch sie ist in ihrem Garten gewissermaßen stets mit erhobenem Hintern anzutreffen - und wie Èapeks Gärtner wühlt sie in wundervollem Humus.

Raubtierfamilienpackungsgroßer Sack Katzenstreu

Mit welch überraschenden Hilfsmitteln sie den herstellt, das offenbarte sich unlängst, als ich mich wieder einmal mehrere Viertelstunden lang um den nachbarlichen Kaffee anstellte.

Ich durfte sie - "Moment! Ich komm gleich! - währenddessen dabei beobachten, wie sie einen raubtierfamilienpackungsgroßen Sack Katzenstreu auf ihre sehnigen Schultern warf, neben ein Rabatt beförderte und dort den Inhalt in großzügigen Mengen zu verteilen begann.

"Dass du so dermaßen tierlieb bist, wusste ich bis dato gar nicht", bemerkte ich eingedenk der zahllosen wohlgenährten Miezekatzen der Nachbarschaft. "Unsinn", meinte sie und erklärte, dass manche Katzenstreu aus Bentonit bestünde, und der sei eine der besten Arzneien bei zu dichtem, zu trockenem, zu wenig wasserspeicherwilligem Boden.

Tatsächlich befindet sich in den meisten Bodenaktivatoren ebenfalls Bentonit, und ein Selbstversuch im eigenen Gemüsegarten ergab bisher verheißungsvolle Resultate. Das mit der Bentonit-Katzenstreu behandelte Beet hielt die Feuchtigkeit deutlich länger als die anderen.

Dass Torfmull nicht die Lösung sein kann, predigt eindringlich der Umweltschutz. Bentonit hingegen ist ein Tongestein, das, vereinfacht formuliert, extrem hohe Wasserspeichertalente aufweist.

In der Tat ist nach dreiwöchiger Experimentierphase das bentonitbehandelte Beet eindeutig feuchter, lockerer, in der Konsistenz sympathischer. Man darf jetzt allerdings hoffen, dass die Miezekatzen der Umgebung das nicht alle spitz kriegen. Denn diese Art der Düngung ginge dann nun doch zu weit. (Ute Woltron/Der Standard/rondo/30/04/2010)

 

Tipp
Bodenaktivatoren sind keine schlechte Idee, wenn man, wie gesagt, mit seiner Krume aus verschiedenen Gründen unzufrieden ist. Den reinen Bentonit gibt es natürlich nicht nur in Katzenstreumengen, sondern von zahlreichen Anbietern auch in größeren Volumina. Es empfiehlt sich der Blick ins Internet. Äußerst anzuraten, wie gesagt, auch die literarische Hinterfütterung durch Karel Èapeks Das Jahr des Gärtners, zum 120. Geburtstag dieses tschechischen Nationalheiligen der Literatur dankenswerterweise neu übersetzt und liebevoll aufgelegt vom Verlag Schöffling & Co und um 14,95 wohlfeile Euro im Buchhandel erhältlich.

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    Wenn bloß die Miezekatzen nicht mitkriegen, dass das Beet mit Katzenstreu behandelt ist.

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