Franz hat neulich beim Umschlichten seines Lebens Videokassetten mit belastendem Material gefunden
Entsorgen kommt von Sorgen. Es geht um Altlasten. Diese bereiten Kummer. Franz hat neulich beim Umschlichten seines Lebens Videokassetten mit belastendem Material gefunden. Es geht im Wesentlichen darum, dass Franz vor 20 Jahren als Tourmanager einer international bekannten Interessengemeinschaft der Freunde der Lebensfreude mit einem ökonomischen Standbein im Fach musikalisches Beuschelreißen "Aufzeichnungen" mit Kamera tätigte.
Das sollte einerseits späteren Generationen dokumentieren, wie wild es schon bei den Alten zuging. Andererseits macht Franz sich jetzt Sorgen, dass hundert Stunden Ausschweifung einmal tatsächlich das Licht der Öffentlichkeit erblicken könnten. Und, nein, es ginge in diesen Filmen über das Leben fern der Heimat in Backstage- und Hotelräumen nicht um Missbrauch in westlichen Rudimentärgemeinschaften anerkannter Gesellschaftsdrogen und deren baldige Wiederverabschiedung über andere Wege als jenen des Verdauungsapparats. Frage nicht. Hier habe damals der Werteverfall an sich ernsthafte junge Fürsprecher gefunden. Von wegen Liebe des Lebens - und zu Hause warten Frau und Kind.
Nachdem er die Filme jahrelang bei einem Freund zwischengelagert hatte, sitzt Franz nun zu Hause in seinem Arbeitszimmer inmitten von Kisten der Scham. "Hoffentlich", so Franz, "kommt die Frau nicht auf die Idee, dass sie sich jetzt nach all den Jahren für mein Berufsleben zu interessieren beginnt." Wer Franz kennt, weiß, warum alle ihm die Daumen drücken. (Christian Schachinger, Rondo, DER STANDARD, 30.04.2010)