Suchtgefahr besteht beim Produkt der Woche - Ohne Konservierungsstoffe, nur aus Schwein, Salz, Pfeffer, Zeit und guter Luft ist es gemacht
Sandro Luglio hat ein römisches Profil, man darf ihn sich als Verschnitt aus Marcello Mastroianni und Gianni Agnelli vorstellen. Er hat jahrzehntelang in der italienischen Gastronomie gearbeitet, auf Sizilien, in Bologna, auf den Äolischen Inseln und anderswo. Spät hat ihn die Liebe nach Wien verschlagen - aber nicht zu spät, um in der Burggasse ein winziges Lokal aufzumachen, wo er nun ausschließlich handwerklich hergestellte Delikatessen aus seiner Heimat Kampanien verkauft, allesamt selbst importiert:
Sehr gutes Olivenöl vom Gut seines Cousins, das im Geschäft aus dem Großgebinde in Flaschen gefüllt wird. Oder die unvergleichliche handgemachte Pasta von Gerardo di Nola, die man nur einmal kosten muss, um fortan keine andere mehr zu wollen. Den Kaffee von Salimbene, der auch ausgeschenkt wird. Vor allem aber allerhand Wurstwaren und Käse aus dem Nationalpark Cilento bei Salerno, die sich, ausnahmslos, durch speziellen Wohlgeschmack auszeichnen.
Die hier abgebildete Soppressata di Gioi aber spielt noch einmal in einer ganz eigenen Liga. Weinen könnte man vor Glück, wenn man die kostet. Ist natürlich ein Slow-Food-Presidio-Produkt, wird ausschließlich aus den mageren Teilen des Prosciutto gefertigt - bis der Wurstmeister ganz zum Schluss doch noch ein Stückl gereiften Lardo mit hineingibt, sonst wär's ja nix. Ohne Konservierungsstoffe, nur aus Schwein, Salz, Pfeffer, Zeit und guter Luft gemacht. Suchtgefahr! (corti/Der Standard/rondo/23/04/2010)