Es gibt drei Säulen im Kampf gegen Fettpölster: gesunde Ernährung, Sport und Kosmetik
Cellulite ist hartnäckig - Nur mit Spezialmethoden kommt man gegen die Dellen an.
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Frauen in Europa sind mit sich selbst unzufrieden. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Marktforschungsinstitut Ipsos durchgeführte Studie, die die Selbstwahrnehmung von Frauen abfragte. 80 Prozent der europäischen Frauen haben schon einmal eine Diät gemacht, Frauen denken mindestens einmal am Tag über ihre Figur nach, und jede Zweite ist damit unzufrieden.
Auch die Problemzonen haben die Marktforscher identifiziert: 63 Prozent der Befragten gaben an, zu viel Speck auf den Hüften zu haben, 84 Prozent empfanden ihre Oberschenkel als zu dick, und 67 Prozent wünschten, sie hätten weniger Po. Für Vichy, den Auftraggeber dieser Studie, sind solche Ergebnisse ein klarer Auftrag zu handeln. Die Message ist herstellerübergreifend bei Cellulite-Produkten einhellig: Allen Unzufriedenen kann im Kampf gegen die Fettpölsterchen geholfen werden. Neben Sport und gesunder Ernährung - den wichtigsten Säulen - können Körpercremen Feinarbeit leisten.
Die Schwierigkeit dabei liegt in der Anatomie des menschlichen Körpers begründet. Denn eigentlich hängt alles von der Qualität des Bindegewebes ab, also jener Schicht zwischen Muskeln und Haut, die in locker aufgebauten Zellen eine Art Pufferfunktion nach außen übernimmt.
Adipozyten
In dieser Zwischenschicht sind neben Wasser vor allem auch die Fettzellen angesiedelt. Adipozyten heißen sie im medizinischen Fachbegriff, und perfid an ihnen ist, dass sie sich um das 60-fache ihrer Größe aufblähen können. Der Körper braucht Fett als Energielieferant, doch zu viel davon ist für die europäischen Frauen von heute keinesfalls ein Zeichen von Schönheit (wie einst die Venus von Willendorf), sondern im Gegenteil. Man kann sich die Fettdepots auch als eine Art Steppdecke vorstellen, und worum es nun geht, ist, die einzelnen Abschnitte wieder "zu entleeren". Sport hilft.
"Fett wird mit kontinuierlichem Training in Muskelmasse umgewandelt", sagt Fitnessexperte Christian Beer, der in seinem Studio Trainingskonzepte auf kurze und griffige Formeln bringt. Wer seinen Körper formen will, müsse regelmäßiges Krafttraining machen, wer sein Herz stärken will, sollte auch Ausdauersport wie etwa Laufen dazu kombinieren, und bei all dem sei eine richtige Ernährung aber das Um und Auf. Doch Christian Beer gibt unumwunden zu: Gegen Cellulite-bedingte Dellen ist Sport nur bedingt ein probates Mittel.
Stefan Kienzl, Geschäftsführer von bodyconsultants, weiß auch, warum: "Das Problem sind nicht die Muskeln, sondern das Gewebe darüber, das von Sport relativ unbeeindruckt bleibt." In Kienzls Wiener Institut (www.bodyconsultants.at) wird deshalb mit speziellen Lipomassagegeräten gearbeitet, LPG Cellu M6 Endermolab heißt die Methode, die 1986 in Frankreich zur Behandlung von Brandwunden entwickelt wurde. Das Gewebe wird mit einem Sog angesaugt, dann mit speziellen Rollen durchgeknetet. Der Effekt: Die Rezeptoren an den Fettzellen werden gestresst, was dazu führt, dass sie sich entleeren; zusätzlich wird Gewebe besser mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt und die Kollagenqualität der Fasern, die die Fettzellen zusammenhalten, wird verbessert. Nach durchschnittlich drei Sitzungen (à 60 Euro) seien Resultate sichtbar. Die Haut ist glatt.
Fettzellen zum Platzen bringen
Und genau das ist auch das Ziel der vielen Cellulitecremen. Durch spezielle Wirkstoffe will man die Fettzellen im Bindegewebe zum Platzen bringen, etwa mit Lotusextrakten (Nivea, Vichy), Gingko, Koffein und Yerba Mate (Biotherm, L'Oréal) oder Retinol (Roc), die als Creme, Serum oder Gel verpackt und als Vorbereitung für den Sommer vermarktet werden. Zu Recht übrigens: Denn Shorts, Bermudas und Miniröcke sollten wirklich nur Cellulite-Unbelastete tragen.
Die gute Nachricht für alle, die in dieser Hinsicht von der Natur benachteiligt sind: "Fett ist gesundheitlich betrachtet mitverantwortlich für ein gesundes Immunsystem", sagt Johannes Klein vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, der als Beiersdorf-Berater bei den Entwicklungen von Nivea dabei war. Für ihn ist die Waist-to-hip-Ratio (WHR) entscheidend. Der Taillenbogen sollte bei Frauen zwischen 80 und 88 Zentimeter betragen. Im Vergleich zur Hüfte sollte der Quotient aus beiden Werten unter 0,8 liegen. Die große Frage bleibt, ob Europas Frauen diesen Wert an sich selbst als schön empfinden. Meinungsforscher werden das sicher eines Tages beantworten. (Karin Pollack/Der Standard/rondo/23/04/2010)