Die Malediven, Balsam für Alltagsgenervte
Exakt im Jahr 1981 war es, als der Schlagersänger Peter Cornelius uns österreichischen Musikkonsumenten unvermutet verriet, er sei reif, reif, reif für die Insel, überreif. Eine zivilisationsgeschichtlich interessanter Rückblick. 1981, das war ein Jahr, da die nervensägendsten Features unseres heutigen beruflichen Alltagslebens, namentlich die E-Mail, noch weit davon entfernt waren, erfunden zu werden. Logische Zusatzfrage: Wie reif für die Insel müssen wir erst heute, im Jahr 2010 sein, wo täglich zwei Dutzend hämisch ihrer Antwort harrende Elektropost-Nachrichten eher die Regel sind als die Ausnahme?
Antwort: Überreif ist gar kein Ausdruck. In der weltweiten Konkurrenzsituation zwischen Inseldestinationen für Supergenervte nehmen die Malediven tendenziell eher eine betuchte Klientel ins Visier. Ihren Bürgern schreibt die politische Führung des muslimischen Inselstaats eine rigide Lebensführung (kein Alkoholkonsum etc.) vor - auf den "Gästeinseln", die vor allem für die ausländische Kundschaft reserviert sind, sind diese Gesetze generös außer Kraft gesetzt.
Wer finanzielle Kosten nicht scheut, kann die zweimal fünfstündige Reise in die maledivische Hauptstadt Male (Stop-over in Dubai) von Wien aus überaus bequem in der Business-Class der "Emirates" hinter sich bringen: Mit dem ausladenden Film- und Spielprogramm an Bord ließen sich mehrere Erdumrundungen unterhaltsam absolvieren.
Das absolute Nichtstun
Von Male aus fährt bzw. fliegt man mit dem Lufttaxi zunächst auf das Inselressort Diva, das als prototypischer Schauplatz unbeschwerten insularen Daseins gelten kann. Lediglich 1,8 Kilometer lang und überwiegend sehr schmal zugeschnitten, empfiehlt sich Diva "für das absolute Nichtstun".
Tatsächlich existieren nur sehr wenige zivilisatorische Ablenkungen, die den Gast an der Verfolgung dieses Ziels hindern könnten: Auf Diva gibt es Meer, Sand, grüne Tropenvegetation, Strandvillen und "Wasservillen", nach dem Muster der prähistorischen Pfahlbauten ins Meer gepflockte und besonders gerne von japanischen Touristen auserkorene Urlaubsbehausungen, allerdings mit allen Komfortleistungen, derer die Technik der Gegenwart fähig ist. Selbst Internet und E-Mail funktionieren vollkommen problemlos, leider.
Was es auf Diva nicht gibt, sind: Kinos, Opernhäuser, Großdiscotheken oder Autoverkehr (ein willkommener Wohlfühl-Balsam, wenn man sich gleich am ersten Tag gewahr wird, wie konstant uns Zivilisationsmenschen das ständige motorisierte Rumoren sonst in den Ohren liegt). Sofern man sich überhaupt bewegt, bewegt man sich zu Fuß oder allenfalls mit dem Fahrrad. Die gängigen Lustbarkeiten für Diva-Besucher sind Tauchen, Schnorcheln, Massagen im Beauty-Spa, Restaurantbesuche, Tennis (im tropischen Klima ein Sport für Masochisten) und natürlich Am-Strand-Abhängen, Ende nie. Alle Klischees vom "weißen Strand" und vom "türkisen Meer" werden hier fast schon gnadenlos wahr.
Die in unterschiedlich hohen Graden luxuriösen Strandvillen, welche von einem unauffälligen, aber effektiven Personal in Schuss gehalten werden, sind so weit voneinander entfernt, dass sich die Illusion, hier gleichsam als zivilisationsferner, einsamer Robinson-Nachfahr vor Ort zu sein, ohne große Schwierigkeiten kultivieren lässt. Für Schriftsteller und andere Künstler, die ihre Kreativpotenziale ungestört von äußeren Einflüssen entfalten wollen, jedenfalls eine ideale Umgebung. Und, wie schon angedeutet, für alle Schnorchler, Taucher, Meeresbiologen und alle jene, die reif für die Insel sind, reif, reif, überreif.
Kunterbunte Flora und Fauna
Das Meer ist, wie man in Wien so zu sagen pflegt, bacherlwarm und glasklar, und es gibt großzügig den Blick auf die kunterbunte Flora und Fauna auf seinem Grunde preis. In ihrer Selbstdarstellung erheben die Malediven gerne den Anspruch auf ökologische Vorbildhaftigkeit - wir hoffen mit ihnen, dass es diesen Anspruch auch einlöst. Einem Land, das durch das Ansteigen des Meeresspiegels in seiner schieren Existenz gefährdet wäre, wird man zumindest ein gesteigertes Umweltbewusstsein nicht ohne weiteres absprechen können.
Unser Reiseziel Nummer zwei ist das Inselresort Kanuhura, wie Diva ebenfalls im oberen Preissegment und allein schon dadurch fernab jeder schnöden Ballermann-Konkurrenz angesiedelt. Malediven-Reisende vergnügen sich gern damit, Inseln zu vergleichen: Kanuhura wirkt an der Seite von Diva eher ein wenig rundlich und gedrungener, gewiss aber nicht weniger luxuriös, und einige Mitglieder unserer Gruppe erlagen sogleich dem Charme des riesigen, elegant in die Insellandschaft gebauten Swimmingpools. Steht einem Besucher von Kanuhura der Sinn danach, so kann er sich alle möglichen beschwerlichen Alltagsverrichtungen von einem persönlichen Butler abnehmen lassen, um beide Hände fürs Nichtstun frei zu haben.
Oder um den Blick von der Beach-Villa aus meerwärts, von der Nähe in die Ferne gestaffelt, ohne Vorbehalt zu genießen: Liegestuhl, Sonnenschirm, links und rechts das eine oder andere tropische Gewächs, der sacht abfallende Sandstrand, das von einem linden Wind sacht gekräuselte Meer, das nahtlos in den hellblauen Himmel übergeht. Ob Peter Cornelius damals, 1981, auf die Malediven gefahren ist? Keine Ahnung. Überreif, wie er war, hätte er kaum eine bessere Destination finden können. (Christoph Winder/Der Standard/rondo/16/04/2010)
Anreise & Unterkunft
Flüge mit Emirates (Aufpreis Business-Klasse EURO 2470,- p. p.)
Naiade Diva Maldives*****. Deluxe / 6x Frühstück und Transfers mit Seaplane ab EURO 2015,- p. p.
Kanuhura******DZ / Beachvilla / 6x Frühstück und Transfers mit Seaplane ab EURO 2245,- p. p.
Veranstalter: Ruefa Reisen.