Malediven

Ein Eldorado des Nichtstuns

15. April 2010, 16:45
  • Artikelbild
    foto: apa/ed wray

    Nichts als Horizont.

  • Artikelbild
    foto: christian fischer

    Und Wasser.

Die Malediven, Balsam für Alltagsgenervte

Exakt im Jahr 1981 war es, als der Schlagersänger Peter Cornelius uns österreichischen Musikkonsumenten unvermutet verriet, er sei reif, reif, reif für die Insel, überreif. Eine zivilisationsgeschichtlich interessanter Rückblick. 1981, das war ein Jahr, da die nervensägendsten Features unseres heutigen beruflichen Alltagslebens, namentlich die E-Mail, noch weit davon entfernt waren, erfunden zu werden. Logische Zusatzfrage: Wie reif für die Insel müssen wir erst heute, im Jahr 2010 sein, wo täglich zwei Dutzend hämisch ihrer Antwort harrende Elektropost-Nachrichten eher die Regel sind als die Ausnahme?

Antwort: Überreif ist gar kein Ausdruck. In der weltweiten Konkurrenzsituation zwischen Inseldestinationen für Supergenervte nehmen die Malediven tendenziell eher eine betuchte Klientel ins Visier. Ihren Bürgern schreibt die politische Führung des muslimischen Inselstaats eine rigide Lebensführung (kein Alkoholkonsum etc.) vor - auf den "Gästeinseln", die vor allem für die ausländische Kundschaft reserviert sind, sind diese Gesetze generös außer Kraft gesetzt.

Wer finanzielle Kosten nicht scheut, kann die zweimal fünfstündige Reise in die maledivische Hauptstadt Male (Stop-over in Dubai) von Wien aus überaus bequem in der Business-Class der "Emirates" hinter sich bringen: Mit dem ausladenden Film- und Spielprogramm an Bord ließen sich mehrere Erdumrundungen unterhaltsam absolvieren.

Das absolute Nichtstun

Von Male aus fährt bzw. fliegt man mit dem Lufttaxi zunächst auf das Inselressort Diva, das als prototypischer Schauplatz unbeschwerten insularen Daseins gelten kann. Lediglich 1,8 Kilometer lang und überwiegend sehr schmal zugeschnitten, empfiehlt sich Diva "für das absolute Nichtstun".

Tatsächlich existieren nur sehr wenige zivilisatorische Ablenkungen, die den Gast an der Verfolgung dieses Ziels hindern könnten: Auf Diva gibt es Meer, Sand, grüne Tropenvegetation, Strandvillen und "Wasservillen", nach dem Muster der prähistorischen Pfahlbauten ins Meer gepflockte und besonders gerne von japanischen Touristen auserkorene Urlaubsbehausungen, allerdings mit allen Komfortleistungen, derer die Technik der Gegenwart fähig ist. Selbst Internet und E-Mail funktionieren vollkommen problemlos, leider.

Was es auf Diva nicht gibt, sind: Kinos, Opernhäuser, Großdiscotheken oder Autoverkehr (ein willkommener Wohlfühl-Balsam, wenn man sich gleich am ersten Tag gewahr wird, wie konstant uns Zivilisationsmenschen das ständige motorisierte Rumoren sonst in den Ohren liegt). Sofern man sich überhaupt bewegt, bewegt man sich zu Fuß oder allenfalls mit dem Fahrrad. Die gängigen Lustbarkeiten für Diva-Besucher sind Tauchen, Schnorcheln, Massagen im Beauty-Spa, Restaurantbesuche, Tennis (im tropischen Klima ein Sport für Masochisten) und natürlich Am-Strand-Abhängen, Ende nie. Alle Klischees vom "weißen Strand" und vom "türkisen Meer" werden hier fast schon gnadenlos wahr.

Die in unterschiedlich hohen Graden luxuriösen Strandvillen, welche von einem unauffälligen, aber effektiven Personal in Schuss gehalten werden, sind so weit voneinander entfernt, dass sich die Illusion, hier gleichsam als zivilisationsferner, einsamer Robinson-Nachfahr vor Ort zu sein, ohne große Schwierigkeiten kultivieren lässt. Für Schriftsteller und andere Künstler, die ihre Kreativpotenziale ungestört von äußeren Einflüssen entfalten wollen, jedenfalls eine ideale Umgebung. Und, wie schon angedeutet, für alle Schnorchler, Taucher, Meeresbiologen und alle jene, die reif für die Insel sind, reif, reif, überreif.

Kunterbunte Flora und Fauna

Das Meer ist, wie man in Wien so zu sagen pflegt, bacherlwarm und glasklar, und es gibt großzügig den Blick auf die kunterbunte Flora und Fauna auf seinem Grunde preis. In ihrer Selbstdarstellung erheben die Malediven gerne den Anspruch auf ökologische Vorbildhaftigkeit - wir hoffen mit ihnen, dass es diesen Anspruch auch einlöst. Einem Land, das durch das Ansteigen des Meeresspiegels in seiner schieren Existenz gefährdet wäre, wird man zumindest ein gesteigertes Umweltbewusstsein nicht ohne weiteres absprechen können.

Unser Reiseziel Nummer zwei ist das Inselresort Kanuhura, wie Diva ebenfalls im oberen Preissegment und allein schon dadurch fernab jeder schnöden Ballermann-Konkurrenz angesiedelt. Malediven-Reisende vergnügen sich gern damit, Inseln zu vergleichen: Kanuhura wirkt an der Seite von Diva eher ein wenig rundlich und gedrungener, gewiss aber nicht weniger luxuriös, und einige Mitglieder unserer Gruppe erlagen sogleich dem Charme des riesigen, elegant in die Insellandschaft gebauten Swimmingpools. Steht einem Besucher von Kanuhura der Sinn danach, so kann er sich alle möglichen beschwerlichen Alltagsverrichtungen von einem persönlichen Butler abnehmen lassen, um beide Hände fürs Nichtstun frei zu haben.

Oder um den Blick von der Beach-Villa aus meerwärts, von der Nähe in die Ferne gestaffelt, ohne Vorbehalt zu genießen: Liegestuhl, Sonnenschirm, links und rechts das eine oder andere tropische Gewächs, der sacht abfallende Sandstrand, das von einem linden Wind sacht gekräuselte Meer, das nahtlos in den hellblauen Himmel übergeht. Ob Peter Cornelius damals, 1981, auf die Malediven gefahren ist? Keine Ahnung. Überreif, wie er war, hätte er kaum eine bessere Destination finden können. (Christoph Winder/Der Standard/rondo/16/04/2010)

Anreise & Unterkunft
Flüge mit Emirates (Aufpreis Business-Klasse EURO 2470,- p. p.)
Naiade Diva Maldives*****. Deluxe / 6x Frühstück und Transfers mit Seaplane ab EURO 2015,- p. p.
Kanuhura******DZ / Beachvilla / 6x Frühstück und Transfers mit Seaplane ab EURO 2245,- p. p.
Veranstalter: Ruefa Reisen.

Kommentar posten
21 Postings
Gabriele Müller1
 
00
29.7.2010, 10:23
Malediven- Ziel für Honeymooner, Taucher, Relaxer

Ich war auf Sun Island und Holiday Island im Ari Atoll und Paradise Island im Nord Male Atoll. Die Malediven sind kein Polizeistaat, ohne Restriktionen, Probleme!

Sie sind sicher nicht überbewertet, denn die Kosten für Trinkwassergewinnung, Müll- und Abwasserbeseitigung, Nahrungsimporte sind wegen der Inseln sehr hoch. Unterhaltung und Schutz vor Springfluten, laufende Modernierung wegen der hohen Luftfeuchtigkeit, Bezahlung der Angestellten- alles kostet.
Die Nebensaison ist halb so teuer.
Statt teurer Emirates sind SriLankan, Oman Air u. a. Alternativen.
Günstiger wird eine Kombireise Malediven Sri Lanka, z. B. nur 4 Nächte Malediven, siehe http://www.kombireise.eu.
Langweilig ist es eventuell nur auf ganz kleinen Inseln.

die tina
01
20.4.2010, 12:07
perfekte erholungsdestination (alleine)

war im märz auf medhufushi island. alleine wohlgemerkt - wunderbar erholsam. kopf frei, fische schauen. relaxen. beste massagen ever. nix für pärchen die sich nicht einig sind - haben alle wild gestritten :-) ist eine insel der seligen.

lalle laller
00
16.4.2010, 10:10
email

"1981, das war ein Jahr, da die nervensägendsten Features unseres heutigen beruflichen Alltagslebens, namentlich die E-Mail, noch weit davon entfernt waren, erfunden zu werden. "

die erste email wurde schon lange vor 1981 versendet und somit auch erfunden ;)

nodiesop
00
16.4.2010, 15:11
vor allem weil das nervensägendsten Features unseres heutigen beruflichen Alltagslebens

wohl mehr der steigende Druck ist immer mehr Arbeit mit immer weniger Menschen zu erledigen...

prinzipiell ein verständlicher Trend - nur ist dieser Trend durch die Globalisierung mit einem Turbo versehen worden, der immer mehr Menschen ins Burn-Out treibt...

ironischerweise die Menschen, die früher Kandidaten für diese Krankheit waren, die Manager, nicht mehr, weil die mit fast schon gigantischen Gehaltssteigerungen zu kämpfen haben und sich jeden nur erdenklichen Luxus leisten können um dem entgegen zu wirken...

nur die tatsächlichen Leistungsträger - die Arbeiter und Angestellten - bekommen seit Jahrzehnten nicht mal die Inflation abgegolten und haben damit de facto immer mehr mit Gehaltskürzungen zu kämpfen...

Peter Eisendraht
00
16.4.2010, 09:45
ich will genau jetzt dahin!!!

nodiesop
00
16.4.2010, 15:13
ein Freund war dort

ist ja ganz nett - für einen Ausflug, aber auf Dauer zu langweilig...

die Preise sind horrend, wenn man etwas kaufen muß, was man vergessen hat...

beispielsweise wird von einem Tag auf den anderen die Badehose wegen der hohen Luftfeuchtigkeit nicht trocken... müssen sie sich nun eine neue kaufen, dann dürfen sie für das schlichteste Modell (einfärbig, nix besonderes dran) gleich mal $ 100 berappen...

ich halte es für überbewertet...

Brain Lino
00
26.7.2010, 15:22
war selbst auf den malediven (ari atoll)

kann das von ihnen beschriebene - $ 100.- für eine badehose, wird net trocken - aber nicht bestätigen...
am besten selbst mal hinfliegen, sich ein bild machen und net anderen alles glauben ;)

kurumba p
00
10.6.2010, 21:22
preis des fluges

preise des fluges: wer nicht darüber nachdenkt mit emirates business zu fliegen, dem ist es auch egal wenn der urlaub doppelt so viel kostet...

Peter Eisendraht
00
19.4.2010, 20:06
ich war ja schon 2 mal

drittes mal - gerne

fuchstritt
00
16.4.2010, 09:25

polizeistaat,das ist klar. dennoch: ich will dahin jetzt gleich sofort biiiiitte!!!!!

Peter Klopf
41
15.4.2010, 22:33
nodiesop
00
16.4.2010, 15:15
als Tourist kann man sich nicht um alles kümmern

man will sich ja erholen...

und es ist meines Wissens nach ja ein muslimisches Land... da nimmt man schon Restriktionen in Kauf...

nina yankow
00
17.4.2010, 23:29

man könnte aber auch auf die seychellen.

Maggot Brain
00
16.4.2010, 11:57

"The neutrality of this article needs to be checked."

Peter Eisendraht
00
16.4.2010, 09:45
doch doch

Herr Dr. Von und Zu
00
16.4.2010, 08:15
das trifft so ziemlich auf jedes überseeparadies zu

max 1231
 
12
15.4.2010, 19:59
sie können das drehen und wenden wie sie wollen

in muslim beach destinations gibts immer irgendein problem und keiner fährt in den urlaub um probleme zu suchen !

sylvia29
00
mein einziges

problem als urlauber an stränden in malaysia und indonesien war eine ausgefallene plombe - böse muslime!

Manfred Wagner
12
15.4.2010, 22:26

überaus wertvoller, geistreicher und aussagekräftiger kommentar, vielen dank! sie sollten sich vielleicht als reiseschriftsteller versuchen, bei dieser weltgewandtheit...

Interloper
01
16.4.2010, 10:06
überholter wikipedia bericht

Das was in dem report drinnensteht ist seit den letzten wahlen 2008 überholt. Gayoom wurde abgewählt und ein ehemaliger oppositionspolitiker (Nasheed)(mehr oder weniger aus dem gefängnis heraus) gewählt, der seither das land öffnet, der vetternwirtschaft so gut es geht den kampf angesagt und überhaupt zu einer generellen liberalisierung geführt hat, dies wurde mir auch von maledivischen bekannten glaubhaft versichert. es ist also nicht alles schlecht....

kurumba p
00
10.6.2010, 21:20
wiki- werbe bericht

habe dort GELEBT und weiß was sich abspielt- die malediven, inklusive diva, geben extrem viel für werbung aus!!

die malediven sind und bleiben ein traum- jedoch muss man wissen, dass man wirklich auf eine INSEL fährt- und da gibts NIX!grad das was auf der insel geboten wird-sonst kann man net irgendwo hin fahren und mal schnell was kaufen oder weggehen...

es ist ein 3tes weltland und das ändert sich net, nur weil ein neuer Präsident an der Macht ist- vetterwirtschaft gibts trotzdem, china kauft "land"- und man kann zusehen, wie die inseln kleiner werden.

die preise sind auf den touri inseln horrend-aber dort kauft auch kein malediver oder sri lanki oder inder ein...

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.