Gartenlust

Und ein bisschen frivol

9. April 2010, 13:05
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    foto: pixelio.de/günther schad

    Der Akanthus ist die magische, riesenhafte Prachtpflanze der Griechen, beheimatet im östlichen Südeuropa bis Dalmatien.

Rosen und Lilien waren die Lieblingsblumen der Griechen, doch den Akanthus meißelten sie in Stein, sagt Ute Woltron

Obacht - jetzt folgt ein einzelner Satz, der hat's in sich. Gebrauchsanleitung: Langsam wie kostbaren Honigseim durch die Leserkehle rinnen und still ein wenig einwirken lassen.

Also: "Die ionische Säule mit ihren Hohlkehlen und Eierstäben, Palmetten und Zwickelblumen und all den anderen Zierden und Raffinements wirkt neben der dorischen, deren strenger Lakonismus nur das Notwendigste sagt, dies aber mit unvergleichlicher Wucht und Präzision, wie die erlesen toilettierten Parthenoi neben den nackten Apollines: feminin und mondän, redselig und schmuckfreudig, grazil und geistreich und ein bisschen frivol."

Das ist einmal eine Architekturkritik, was? Egon Friedell war Kulturphilosoph - er hatte Nebenqualitäten im kleinen Finger, um die andere hauptberuflich ihr Leben lang in hilflosem Bemühen ringen.

Seine Kulturgeschichte Griechenlands erschien 1938. Da hatte sich Friedell bereits freiwillig auf Charons Fähre begeben, in jenem Moment, als die SA anläutete, um ihn aus seiner Wiener Wohnung abzutransportieren. Wie hätte dieser wunderbare Schreiber und Kopf wohl die Weiterentwicklung der ionischen zur korinthischen Säule formuliert? Wie hätte ein genialer Wort- und Gedankenjongleur wie Friedell über jene prächtige Pflanze geschrieben, die diese wiederum zum Vorbild hatte?

Über all dies darf mit der gebotenen Trauer sinnieren, wer sechs kleine Anzuchttöpfe andächtig begießt, betrachtet, anbetet - und das natürlich mehrfach täglich - in welchen die Akanthusbabys dem heute wie damals lebenspendenden Sonnenlicht entgegendrängen.

Schmuckfreudig und grazil

Aus sechs großen glänzenden Samen, mitgenommen im vergangenen Jahr von irgendwo, waren die Pflanzen überraschend schnell gesprossen. Schmuckfreudig und grazil, sozusagen. Das heurige Jahr werden sie noch in Töpfen verbringen. Den nächsten Sommer dürfen sie auf ausgewählten Plätzen ihre Pfeilwurzeln schlagen und lange Jahre, hoffentlich, dort verbleiben.

Der Akanthus ist die magische, riesenhafte Prachtpflanze der Griechen, beheimatet im östlichen Südeuropa bis Dalmatien. Hierzulande, wenn man ihn im Winter ein wenig schützt, kann er ebenfalls zu einem der ersten atemraubenden Blickfänge für Gärten werden, die ihm genügend Platz einräumen können.

Denn der Akanthus wird groß. Je nach Sorte wird er gut einen Meter hoch und mindestens ebenso breit, er braucht allerdings ein paar Jahre bis zur endgültigen Entfaltung. Die hierzulande üblichen Sorten sind Acanthus mollis (bis 150 cm) mit vergleichs- weise weichem Laub sowie Acanthus spinosus (nur 40 cm) in der stacheligeren Variante.

Egal welche Sorte: Die Blätter des Akanthus sind architektonische Skulpturen, in deren geometrischen Fältelungen man sich studierend verlieren kann, und seine nicht selten meterhohen lila-rosa Lippenblüten ein opulenter Bienen- und Augenschmaus. (Ute Woltron/Der Standard/rondo/09/04/2010)

Tipp

Der Akanthus will fruchtbaren, eher trockenen als feuchten Boden. Er gedeiht am besten in voller Sonne, verträgt aber auch Halbschatten. Johannes Kreuzer beschreibt ihn in seinem im Übrigen überaus nützlichen vielbändigen Gartenlexikon (Thalacker Medien) als "schöne Liebhaberpflanze" und empfiehlt ihn als "dekorative Schmuckstaude in Einzelstellung oder an Wänden und Gehölzrändern". In Rabatten heißt er kaum was, dafür wird er zu groß. Ab einem gewissen Alter lässt sich ein großer Akanthusaufgrund seiner Pfahlverwurzelung nur noch sehr ungern versetzen, also von Beginn an gut über-legen, wo der Gute seinen Platz bekommen soll.

para-Celsus
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16.4.2010, 15:12
Bei Griechen "akanthos"

bei Römern "acanthus"

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