Bio-Kollektionen

Die Grünmacher

8. April 2010, 16:25
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    foto: achim hatzius

    Aus Blaumännern werden Sakkos: So schaut die Recyclingmode des Berliners Daniel Kroh aus.

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    foto: mona lorenz

    Sonja Wöhrenschimmel ist Frau Jona&son.

Die Mode hat sich ein grünes Mäntelchen umgelegt: Selbst Marken wie C&A oder H&M setzen mittlerweile auf Bio-Kollektionen - Ein Plädoyer für Ökomode von Sonja Wöhrenschimmel alias Frau Jona&son

Nachhaltig ist in. Wir kaufen Biomode und bauen Gemüse an. Glaubt man den Medien. In Wirklichkeit ist die Sparte "grüne Mode", wie sie gerne genannt wird, verschwindend klein. Gerade einmal 0,1 Prozent der gesamten Baumwolle am Weltmarkt und etwa ein Prozent der angebotenen Bekleidung sind biologisch. Diese kleine Zahl ist pro Jahr drei Milliarden Euro wert. Immerhin.

So weit, so klein. Warum ist grüne Mode immer noch eine Randerscheinung? "Sie ist nicht "stylish" genug", lästern die einen. Das stimmt zum Teil. Nicht immer geht ökologisches Bewusstsein mit Designkompetenz einher. Viele etablierte Modelabels interessieren sich nicht für ökologische und sozial faire Produktion. Während Menschen, welche die Welt mit Ökomode verändern wollen, oft wenig Ahnung von Design haben.

Andere lästern nicht, sondern tun was. Machen feine Mode, schreiben darüber, verkaufen oder sind richtig groß. Die Bandbreite von ökologisch produzierter Bekleidung steht der konventionellen um nichts nach. Sie fängt bei den obligaten bedruckten T-Shirts an und hört bei Luxusmode auf. Dazwischen tummeln sich Schuhe und Sportswear ebenso wie knallbunte Unterwäsche für knackige Hintern.

Altkleidung oder Restposten

Nischen tun sich auf. Recycling. Junge Labels arbeiten gerne mit Altkleidung oder Restposten. Das hat auch finanzielle Gründe. Es gibt ökologisch produzierte Stoffe, doch sind diese teurer als konventionelle Meterware. Bei Mindestabnahmemengen von 200 Metern und mehr steigen die meisten kleinen Labels aus. Recycling ist aus verschiedenen Gründen bei kreativen Köpfen sehr beliebt. Dinge werden zusammengefügt, die ursprünglich nicht zusammengehörten. Und die Umwelt wird dabei geschont.

Mit faszinierenden Ergebnissen. Die Wienerin Karin Maislinger hat sich dem Verarbeiten von Fahrradschläuchen verschrieben. Das Resultat sind perfekt gearbeitete Umhängetaschen, die unter dem Namen kontiki weggehen wie die warmen Semmeln. ALILA haucht alten Seidenkimonos aus Japan neues Leben ein. Sie trennt sie auf und schneidert schlicht-schöne Kleider daraus. Milch stellt Hosen auf den Kopf und lässt Kleider entstehen. Anita Steinwidder fügt dem Thema Recycling noch einen Schuss Konzeptkunst hinzu. Ihre tragbaren "Objekt-Kleider" faszinieren durch ihre Farbschattierungen. Ebenso überraschend sind die Stücke des Berliners Daniel Kroh: Da werden Blaumänner zum Sakko - Farbspritzer und Abnutzungserscheinungen inklusive. Diese Designer haben es geschafft, den eher altbackenen Begriff "Recyclingmode" zukunftsfähig zu machen.

Bio und Fair. Zum Thema Biobaumwolle kommt man an Göttin des Glücks nicht vorbei. Das Wiener Label ist in Mauritius im Rahmen des EZA-Programms aktiv. Die Göttin gehört zu den etablierten Fair-Trade-Biomode-Labels in Österreich, ihre Kleidung erfreut sich großer Beliebtheit.

Greenwashing

Richtig groß. An dieser Stelle wird es Zeit, auch an die richtig großen Firmen zu denken, die auf ihre Weise zu einer Begrünung des Modeuniversums beitragen. C&A, H&M & Co. Ob sie nur "Greenwashing" betreiben oder es ernst meinen mit ihren Bio-Kollektionen, sei dahingestellt. Fakt ist, dass C&A im Jahr 2009 etwa 18 Millionen Teile aus Biobaumwolle verkauft hat. Wenn H&M seine neue ökologische "Garden Collection" bewirbt, mag das nur ein Bruchteil am gesamten Angebot der Firma sein. Die Menge macht es aber. Hier geht es um tausende Meter Ökostoff, die verarbeitet werden - und von Millionen Kundinnen auf der ganzen Welt gekauft werden. Mit solchen Firmen wird ökologisch produzierte Mode massentauglich und bereitet den Boden für progressivere Strömungen. Den jungen Wilden obliegt es dann, diese in Stoff umzusetzen und hochwertiges Design anzubieten. Moderne Kleidung für die Seele - in Ökofair.

Darüber schreiben. Ökomode wird in den Medien gerne präsentiert. Dabei geht es oft nur um die gute Geschichte, die bald darauf von einer neuen "Story" abgelöst wird. Wer sich informieren will, sollte sich an die engagierte Internetszene halten. Blogs sind das Zauberwort. Kirsten Brodde gilt als die Vorreiterin der grünen Modeszene Deutschlands. Sie betreibt den Blog Grüne Mode und hat das lesenswerte Buch Saubere Sachen geschrieben. Von der Produktion unserer Kleidung bis hin zu Shopping-Tipps ist das Buch randvoll mit Wissenswertem.

Modemessen

Verkaufen. Neben Mode-Machen und Darüber-Schreiben führt erst der Verkauf zum Erfolg. In Wien seien zwei Geschäfte erwähnt. Green Ground von Kathrin Haumer besteht seit knapp zwei Jahren (Servitengasse 11, 1090). Die Besitzerin freut sich über wachsendes Interesse am Thema Ökomode und gute Umsätze. Ihr Fazit: Der Style muss stimmen und die Qualität. "Die Leute merken, dass sich Biobaumwolle besser anfühlt, und kommen gerne wieder." Ein weiteres Geschäft mit viel Stilgefühl ist Ebenberg. Mikroskopisch klein und gut gefüllt mit Schätzen aus der grünen Modeszene Europas. Zu finden im 7. Bezirk in der Neubaugasse 4. "Ökomode ist mehr als ein paar bedruckte T-Shirts mit Weltverbesserer-Sprüchen darauf", so die Betreiberin, Laura Ebenberger.

Eine weitere Möglichkeit, an ökofaire Kleidungsstücke zu kommen, sind Modemessen. Die gibt es auch in Österreich. Der Modepalast im MAK setzt heuer vom 23. bis 25. April verstärkt auf Öko, bietet eine Reihe von interessanten Modelabels an. Die WearFair, DIE Modemesse für ökofaire Kleidung in Österreich, findet im Oktober in Linz statt - und bietet neben grünem Modedesign aus ganz Europa auch eine Plattform für Diskussionen, Vorträge und Interaktion.

Entwerfen, Schreiben, Verkaufen und Kaufen - es sind die vielen kleinen Schritte, die das Modeuniversum begrünen. (Sonja Wöhrenschimmel/Der Standard/rondo/09/04/2010)

Sonja Wöhrenschimmels Blog findet sich unter www.fraujonason.blogspot.com

Sonja Wöhrenschimmel ist Frau Jona&son. Die 36-jährige Oberösterreicherin beobachtet auf ihrem gleichnamigen Internetblog, was sich in der Ökomode so tut - national und international.

www.jooloomooloo.com .
01
12.4.2010, 10:33
ökofaire Zwirngespinnste

Auf www.jooloomooloo.com gibt ökofaire Kindermode für die Kleinsten. Liebe Sonja, versprochen demnächst in Farbe ;-)

dareiner
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22.4.2010, 15:15
MODEPALAST VIDEOINTERVIEW

der link zum videointerview mit dem modepalast:

http://www.youtube.com/watch?v=_0V94uxj6BI

nocomment1
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und hunderte Gütesiegel wie bei den Lebensmitteln…

…wirds auch bald geben, bis keiner mehr weiß was wo wirklich drin steckt.
also doch lieber beim kleineren kaufen. war neulich selbst überrascht, wie anders sich mein erstes bio-baumwoll-tshirt anfühlt....

grenzgaenger
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ökosneakers

neu auch am markt: fair trade sneakers mit biozertifizierter baumwolle und fsc zertifiziertem latex.
sollten ab nächster woche bei veganova erhältlich sein-leider noch nicht auf der homepage.
www.veganova.at

sonja wöhrenschimmel
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welche marke ist das?

sag, welche marke sind denn diese ökosneakers?

GuterStoffTom
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Und guten Stoff gibts natürlich auch

http://GuterStoff.com
;)

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