In der 1516 Brewing Company kostete Conrad Seidl das erste Fruchtbier der Saison
Mit Fruchtbieren ist das so eine Sache: Die einen meinen, das seien gar keine richtigen Biere. Die anderen meinen: Selbst wenn es richtige Biere sein sollten, dann haben wir ja längst Biermischgetränke - im deutschen Sprachraum den Radler, im englischen den Shandy und im französischen den Panaché.
Nun ist ein Fruchtbier etwas anderes als ein Biermischgetränk - in Fruchtbieren wird die Frucht (als Saft oder Mus) während der Gärung zugesetzt. Was aus dem Fruchtzucker entsteht, ist in technischem Sinne Wein, weil es sich um gegorenen pflanzlichen Zucker handelt. Weil aber der Großteil des Alkohols aus Bier - der technischen Definition gemäß ein aus verzuckerter Stärke gegorenes Getränk - besteht, sind Fruchtbiere eben überwiegend Bier und werden auch zu Recht als solches bezeichnet.
Man weiß, dass es heute vor allem in Belgien Fruchtbiere gibt - meistens werden einem Lambic-Bier Weichseln zugesetzt, was dann ein klassisches Kriek ergibt. Aber es gibt auch exotische Versionen mit Moltebeeren aus Lappland. Weniger bekannt ist, dass solche Fruchtbiere früher auch in Deutschland gängig waren (etwa die Kirsch-Mumme aus Braunschweig) und dass sie von Kleinbrauereien in den USA sehr erfolgreich wiederentdeckt wurden.
Ale spiced with blackberries
In der 1516 Brewing Company gegenüber vom Wiener Haus der Musik hat nun Koloman Strohmeier die amerikanische Idee aufgegriffen. Auf der Karte steht seit dem Wochenende ein "Ale spiced with blackberries" - und es wird augenzwinkernd darauf hingewiesen, dass das es beim Blackberry nicht um das Mobiltelefon gleichen Namens geht.
Sondern um gefrorene Brombeeren, die fein vermahlen wurden und dann einem Ale zur Nachgärung zugesetzt wurden. Der Fruchtzucker gibt der obegärigen Hefe (in diesem Fall war es eine Stouthefe) neue Nahrung, es kommt zum sogenannten "Aufkräusen" - eine Nachgärung, bei der die Fruchtaromen sehr gut ins Bier eingebunden werden.
Das Ergebnis ist ein kupferfarbenes Ale mit einem sehr fruchtigen Duft und einem erfrischend-säuerlichen Antrunk - die Süße der Brombeeren ist ja zu Alkohol (Gesamtalkoholgehalt etwa 5,4 Prozent) vergoren worden, die Fruchtigkeit ist aber erhalten geblieben. Das "Brombeer" genannte Ale ist gerade vollmundig, aber nicht süß - und nur erhältlich, solange der Vorrat reicht. (Conrad Seidl/Der Standard/rondo/02/04/2010)