Es ist besser, den wilden Mann zu markieren, als auch nur ansatzweise versöhnlich zu werden
Man muss, wie es neulich einer auf den Punkt brachte, in der Kunst wie im Leben die Vorurteilsstruktur des Publikums bedienen. Nur so hat man Erfolg. Das bedeutet im Alter eines: bloß nie zu sänfteln beginnen - selbst wenn es schwerfällt. Es ist besser, den wilden Mann zu markieren, als auch nur ansatzweise versöhnlich zu werden.
Mitte der 1990er-Jahre steckte Franz zum Beispiel in Plastikanzügen von Helmut Lang. Er schwitzte sich die Seele und die Freizeitchemie aus dem Leib, sah aber verdammt cool darin aus. Es folgte eine längere Phase der Läuterung. Sie war unter anderem auch auf ein Erlebnis zurückzuführen, das damit zu tun hatte, dass Franz einmal am Freitag Abend in Wien seine Wohnung verließ, um ein Rave im Gasometer zu besuchen. Montag früh erkannte er in einem luziden Moment, dass er nicht wusste, wo er sich befand. Er lag in Budapest ohne Schuhe in einem Park. Und er beschloss, sein Leben grundsätzlich zu überdenken. Das führte zu einer Therapie, einer jahrelangen sittlichen Festigung und zurückgezogen auf dem Land unternommenen Aktivitäten. Diese sind mit Gartenarbeit, langen Spaziergängen und unbeantworteten Telefonanrufen hinreichend beschrieben.
Neulich während eines Retro-Raves traf Franz die alten Kollegen wieder. Bis auf ihn waren alle alt geworden. Das alte Feuer war allerdings bald wieder am Lodern. Im Gegensatz zu den Freunden hielt sich Franz chemisch zurück. Deshalb war er schon Samstagmittag wieder zu Hause. Was er erzählte, klang wie ein Nachhall aus jenen Tagen, als uns Fliegeralarmsirenen zum Tanz lockten. (Christian Schachinger, Rondo, DER STANDARD, 02.04.2010)