Zwickzwack!

28. März 2010, 17:39
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Den Versuch, Sie davon zu überzeugen, das perfekte Bäumeschneiden wirklich zu erlernen, unternimmt hoffnungsvoll Ute Woltron

Selbstverständlich ist es unmöglich, die weitverzweigte Wissenschaft des Obstbaumschnitts auf dem engen Rabatt des Grünzeugs auch nur annähernd zur Entfaltung zu bringen.

Die Hauptbotschaft für all jene, die Obstbäume schneiden wollen, kann daher lediglich lauten: Wenn Sie nicht sowieso schon ein Profi sind, finden Sie unbedingt jemanden, der es schon ist und Sie einweiht. Besuchen Sie einen Kurs. Besorgen Sie sich zumindest gute Literatur. Und schreiten Sie erst dann zur Tat, wenn Sie wissen, was Sie tun.

Denn gar nichts tun und die Bäume gewissermaßen in ihre jeweiligen Himmel wachsen zu lassen, ist genauso übel wie eine gut gemeinte, aber falsche Intensivpflege und Dauerbeschnippselung. Das gilt jedenfalls für alle, die langfristig gesunde Bäume und gute Ernte haben wollen.

Und wozu sonst hätten Sie Äpfel und Birnen gepflanzt?

Die absolute Schnellsiederanleitung lautet: junge Bäume so schneiden, dass sich ein starkes Kronengerüst entwickelt, das nicht unter den später zu erwartenden Obstmassen birst. Die Regel, man müsse einen Hut durch die Krone werfen können, hat schon was: Eine lockere, nicht zugewucherte Baumkrone wird besser durchlüftet, verpilzt entsprechend weniger leicht, kriegt mehr Licht und damit mehr Energie und mehr Kraft für Baum und Ernte.

Kernobst wird anders geschnitten als Steinobst. Sollte Ihnen bereits dieser Unterschied nicht geläufig sein, lesen Sie bitte keinesfalls weiter, sondern setzen Sie sich in der Sekunde mit der nächstgelegenen Baumschule in Verbindung.

Ewig blutende, harzende Wunden

Steinobst ist empfindlicher. Die zu entfernenden Äste sollten nie direkt am Stamm geschnitten werden, da sich die Wundfläche dort nicht gut schließt. Man schneidet vielmehr in zwei Stufen: Je nach Aststärke verbleiben ungefähr 15 bis 30 Zentimeter des Astes am Stamm, und zwar für ein Jahr, um dem Baum Zeit zu geben, die Saftströme umzulenken. Schneidet man sofort direkt, hat man, wie bei vielen Kirschbäumen zu beobachten, ewig blutende, harzende Wunden.

Bäume wie Pfirsiche und Weichseln tragen vor allem am einjährigen Holz. Gerade sie müssen regelmäßig ordentlich geschnitten werden, sollen sie nicht frühzeitig veraltern und das Fruchten gerade einmal den höchstgelegenen und ein paar äußeren Trieben überlassen.

Wenn der Baum einmal erzogen ist, was nach ungefähr acht Jahren abgeschlossen sein sollte, muss er trotzdem weitergeschnitten werden, um veraltetes Fruchtholz zu vermeiden.

Und schon sind wir am Ende, fixnocheinmal. Lesen Sie bitte noch einmal den zweiten Absatz. Da steht alles drinnen. (Ute Woltron/Der Standard/rondo/26/03/2010)

Tipp

Noch nicht erwähnt wurde, dass die Schnitte glatt sein müssen, Sie also sehr scharfe Sägen brauchen, dass die Wunden hauchdünn mit Baumwundbalsam zu überpinseln sind und Sie dringend die Unterschiede der verschiedenen Knospen lernen müssen, dass die meisten Bäume nach Rekorderntejahren sogenannte Rastjahre einlegen, was ebenfalls durch gezieltes Schneiden vermieden werden kann, dass seltsam gekurvte "Sauschwanzltriebe" von Blattläusen verursacht werden, dass Bäume auf starke Rückschnitte in ertraglosen Jahren anders reagieren als in fetten und noch so vieles mehr. Wie gesagt - Absatz zwei dringend zu beachten.

  • Nur Profis wissen, wann und wo man die Schere richtig ansetzt.
    foto: photodisc

    Nur Profis wissen, wann und wo man die Schere richtig ansetzt.

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