Im Kampf gegen Körperbehaarung sind Laser die besten Waffen - Die neue Generation sind Blitzgeräte für zu Hause - Das Ideal von Glattheit rückt ein Stück näher
In Fitnessstudios wird Körperkult zelebriert, in den Duschen und Umkleidekabinen gibt man sich nackt. Nur sehr, sehr diskrete Charaktere riskieren überhaupt keine Blicke. Andere registrieren Trends. Körperbehaarung zum Beispiel ist ein ganz wichtiger Hinweis. Je älter, umso behaarter, lautet die Faustregel. Haarlose Beine und Achseln sind schon länger ein Muss in Sachen Gepflegtheit, das Ideal von Glattheit hat nun aber auch die Intimzonen des menschlichen Körpers erreicht. An einer Online-Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstituts Market zur Körperpflege lässt sich dieser Trend gut ablesen: 54 Prozent aller Frauen halten die regelmäßige Enthaarung der Achseln für unverzichtbar, für 43 Prozent gilt das auch für die Beine, und ebenso viele stylen die Haare in der Intimzone, Enthaarung ist da eine Facette. In der Altersklasse der bis 29-Jährigen ist Enthaarung zu fast 100 Prozent unverzichtbar, während bei Frauen ab 50 nur mehr jede dritte Frau die Enthaarungsprozeduren mitmacht.
Apropos Prozedur: Körperenthaarung ist zeitintensiv, und Haarzellen lassen sich nur sehr schwer nachhaltig bekämpfen. Wer Alternativen zu Rasieren, Enthaarungscremen und Epiliergeräten sucht, landet ziemlich schnell bei Laserbehandlungen beim Dermatologen. "Wir haben 1996 entdeckt, dass hochpulsi- ges Licht nicht nur gegen erweiterte Äderchen wirkt, sondern auch Haare langfristig entfernt", erinnert sich der Linzer Hautarzt Matthias Sandhofer, dem schon damals die Menschen, die ihre Haare loswerden wollten, die Tür einrannten.
Viele Leben und Wachstumsphasen
Rein medizinisch funktioniert das Lasern der Körperbehaarung nach einem einfachen Prinzip: Das Licht wird von der Pigmentfarbe Melanin im Haar absorbiert, dadurch erwärmt und geschädigt. Als Folge davon fällt das Haar aus. Das Problem: Haare haben viele Leben und Wachstumsphasen, deshalb braucht es fünf bis zehn Sitzungen (à zwischen 70 und 190 Euro), bis die Haare tatsächlich verschwinden. "Die US-Gesundheitsbehörde FDA verbietet den Terminus der ,permanenten Enthaarung', weil sich Haarzellen wieder erholen und nach zwei Jahren zwar schwächer als ursprünglich, aber doch wieder nachwachsen", erklärt Dermatologin Eva-Maria Kokoschka. Schuld daran sind die Stammzellen in der mittleren Hautschicht, die durch das Licht wenig beeinflusst werden.
"Die Haare auf Unterschenkeln und in der Intimzone gehen gut weg, der Laser ist eine saubere Methode und verhindert das Einwachsen und Entzündungen", erklärt Dermatologe Sandhofer und bestätigt, wie stark der Markt für Laser in den letzten Jahren gewachsen ist. Aus seiner Sicht sei die Light-Sheer-Lasertechnologie der Gold-Standard unter den Epiliergeräten, doch er beobachtet auch, dass die Hersteller "gerade den Markt für Heimblitzgeräte entdecken".
Die Ankündigungen der Blitzlampen für den Hausgebrauch wie derzeit iLight von Remington klingen vielversprechend: Wie mit einem Rasierer lassen sich Körperzonen vom Haarwuchs für bis zu drei Monate befreien, nur im Gesicht ist der Einsatz verboten.
Dermatologen sehen diese Entwicklung allerdings kritisch. "Wenn die Haut sonnengebräunt ist, darf nicht gelasert werden", warnt Hautärztin Sibylle Wichlas vom Frauengesundheitszentrum Woman & Health. "Das Licht der Heimlaser ist nicht stark genug, aber langfristig kann es vielleicht die Pigmentstruktur der Haut stören oder auch Muttermale beeinflussen", warnt Sandhofer, der zumindest eine regelmäßige Kontrolle beim Hautarzt für "Heimenthaarer" empfiehlt. Eva-Maria Kokoschka sieht in den Blitzgeräten für zu Hause noch eine andere Gefahr: Trifft das Licht aus der Lampe aus Versehen ins Auge, schädigt es die Netzhaut, "deshalb dürfen die Geräte auch nicht im Gesicht angewendet werden", erklärt sie. Die Hersteller selbst vertrauen allerdings auf die richtige Handhabung durch die Anwender, die den Zeitvorteil zu anderen Methoden nutzen.
Partnerwahl
Bleibt die Frage, ob Körperhaare eigentlich eine Funktion haben. "Zum einen sind sie bei der Temperaturregelung involviert, zum anderen sind sie an der Verbreitung von Duftstoffen, den Pheromonen, beteiligt, was bei der Partnerwahl eine Rolle spielt", erklärt Hautärztin Wichlas. Aus medizinischer Sicht seien sie aber überhaupt nicht notwendig, und man komme sehr gut ohne sie aus, betont sie.
Ein glatter Körper ist nicht nur in ästhetischer Hinsicht, sondern auch subjektiv ein gutes Gefühl, sagen die Apologeten des haarfreien Körperkults, der sich übrigens zunehmend auch bei Männern abzeichnet. In der Market-Umfrage gaben 23 Prozent der Befragten an, sie würden etwas gegen Haare an unerwünschten Stellen tun. Konkret gemeint sind Nase, Brust und Rückenhaare, 13 Prozent der jüngeren Männergeneration wollen auch keine Haare in der Intimzone. (Karin Pollack/Der Standard/rondo/26/03/2010)