Knack dir eine Krabbe

21. März 2010, 22:27
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Knapp vorbei am Nordkap reiste Tanja Paar mit den Hurtigruten - und tröstete sich mit Huskytouren, Schneemobilfahrten und dem Genuss von Kamtschatkakrabben

"Aufgrund der aktuellen Wetterbedingungen muss der Ausflug ans Nordkap heute entfallen." Als die lapidare Ansage aus dem Lautsprecher schallt, sind nur wenige Passagiere an Deck des Hurtigrutenschiffes "MS Richard With". Gewiss, die See ist unruhig an diesem Märztag, und es weht eine steife Brise, aber damit hatte dann doch keiner gerechnet. Vom Hafen Honnigsvåg aus sollte es mit Bussen die letzten Kilometer zum nördlichsten Punkt Europas gehen, für die meisten Norwegen-Reisenden der glanzvolle Höhepunkt einer elftägigen Kreuzfahrt, die sie von Bergen bis ganz nah an die russische Grenze, nach Kirkenes, führt.

Erstaunlicherweise geht auch drinnen, auf dem Panoramadeck, kein Aufschrei durch die Menge, obwohl einige extra aus Australien oder den USA angereist sind, um das eine, langersehnte Foto am Nordkap zu knipsen. Der Großteil der an die 500 Passagiere kommt aus Deutschland, aber auch viele Einheimische sind an Bord des Linienschiffs, das traditionell die Post brachte und noch heute Mensch wie Fracht an die zum Teil nur vom Meer aus zu erreichenden Orte tief im Norden transportiert. "Das Besondere an den Hurtigruten ist", erklärt Kapitän Knut Storø auf der Brücke, "dass die Passagiere das wirkliche Leben in Norwegen mitbekommen. Die großen Kreuzfahrtschiffe können diese Strecke durch die Fjorde gar nicht fahren."

Husky-Tour im Villmarkssenter

In den meisten Häfen sind zumindest kurze Landgänge möglich, und man kann sich die roten, gelben oder blauen Holzhäuser ansehen, in denen die Menschen hier der polaren Nacht trotzen, die teilweise mehrere Monate dauert. Der Schnee ist strahlend weiß, die Straßen sind nicht gestreut, und das Hauptfortbewegungsmittel sind Tretschlitten, auf denen Kind oder Einkauf bequem vor sich her geschoben werden. In den größeren Ortschaften gibt es längere Ausflüge, in Tromsø zum Beispiel zu einer Husky-Tour im Villmarkssenter. István Drahos ist von Ungarn nach Norwegen gezogen, um sein Hobby zum Beruf zu machen. Drei- bis fünfmal am Tag lädt der Musher zwei Touristen auf den Hundeschlitten und gibt ihnen bei einer kleinen Runde einen ersten Eindruck von der Faszination dieser Fortbewegung in der eisigen Winterlandschaft. "Diese Hunde sind Alaska-Huskys", erklärt er den in Thermoanzüge und Rentierfelle eingepackten Gästen, während man auf einer gespurten Route durch die unbewaldete Weite saust. In wenigen Tagen wird er mit seinem eigenen Gespann am Finnmarksløpet, dem nördlichsten Long-Distance-Rennen der Welt teilnehmen. Da geht es über 1000 Kilometer, ungespurt, versteht sich. Ein paar Häfen weiter, in Kirkenes, werden ebenfalls Hundeschlittenfahrten angeboten. Hier, an der letzten Station der Hurtigrutenlinie, leben fast 4000 Einwohner und ebenso viele Rentiere. "Und es gibt an die 3000 Schneemobile", erzählt Kåre Tannvik, der Besitzer des örtlichen Schneehotels. Neben dem Thrill, bei minus vier Grad im Thermoschlafsack zu nächtigen, kann man sich hier an Schneeschuhwanderungen, der Geduldsprobe Eisfischen oder einer Fahrt mit einem der 3000 Schneemobile versuchen. Während Kåre natürlich bestens mit seinem Höllenfahrzeug vertraut ist - die bis zu 150 PS starken Schneemobile sind eines der Lieblingsspielzeuge der norwegischen Landjugend -, beäugen die Novizen die zweisitzigen Gefährte mit einigem Respekt. "Gas geben, lenken, bremsen, das ist alles", beruhigt der Guide und verteilt die Helme.

Berüchtigte Kamtschatkakrabben

Nach einer Sicherheitseinweisung geht es schon los zu einem der typischen norwegischen Wochenendhäuschen, wo mit Wasser aus der Quelle auf dem Holzofen die berüchtigten Kamtschatkakrabben zubereitet werden. Die Tiere, die, aus Russland importiert, in den 70er-Jahren in der Barentssee bald zur Plage wurden - sie gediehen prächtig, vermehrten sich rapide und wurden bis zu zwei Meter lang und 15 Kilo schwer - sind eine beliebte und teure Delikatesse. "Heute regeln klare Fangquoten den Bestand", erklärt Kåre.

Nach Einbruch der Dunkelheit wird das exotische Mahl durch eine Rentierwurst im Lavvozelt ergänzt. Josef Rieser, mit samischem Namen Pierg Kirstte Zoessett, erzählt den Gästen die Geschichte der Unterdrückung der nomadisch lebenden Minderheit und jene vom Joik, einem Gesang, der lange verboten war und gleich einem Porträt Mensch und Natur beschreibt. "Der Wind hat einen Joik, die Felsen haben einen Joik, und ich habe einen Joik", erklärt er, bevor er den gutturalen Gesang anstimmt. Beim Schein des offenen Feuers machen auch die Besucher einen Versuch im Joiken, bevor sie sich eine Zigarettenpause gönnen. Das Lavvozelt ist schließlich der einzige Innenraum, in dem in Norwegen geraucht werden darf. (Tanja Paar/Der Standard/rondo/19/03/2010)

Anreise & Unterkunft
Mit der SAS nach Oslo, dann z. B. weiter nach Bodø zur Einschiffung. Infos zum Schiff: hurtigruten.de;

Partner in Österreich: Seetour Austria: seetour@ruefa.at

Husky-Touren: villmarkssenter.no; Infos zum Nordkap: nordkapp.no; Schneehotel, Schneemobil-Safari, Schneeschuhwanderungen in Kirkenes: radius-kirkenes.com

  • In den meisten Häfen sind zumindest kurze Landgänge möglich, und man kann sich die roten, gelben oder blauen Holzhäuser ansehen, in denen die Menschen hier der polaren Nacht trotzen, die teilweise mehrere Monate dauert.
    foto: der standard

    In den meisten Häfen sind zumindest kurze Landgänge möglich, und man kann sich die roten, gelben oder blauen Holzhäuser ansehen, in denen die Menschen hier der polaren Nacht trotzen, die teilweise mehrere Monate dauert.

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