Den Burschen war es damit vergönnt, speziell auf Rock-'n'-Roll-Kirtagen im ländlichen Raum mit einer ruppigen Kombination aus Weltekel und alarmistischem Lärm zu punkten
Früher hat der Bauchi mit Franz eine Band gehabt. Stilistisch bewegte man sich auf den Spuren Kurt Cobains, inhalierte aber Hopfen statt Heroin. Den Burschen war es damit vergönnt, speziell auf Rock-'n'-Roll-Kirtagen im ländlichen Raum mit einer ruppigen Kombination aus Weltekel und alarmistischem Lärm zu punkten. Die schönsten Erinnerungen hegt man heute nicht an damalige Auftritte. Meist lachen Bauchi und Franz über Aktionen, die man dem Nachwuchs lieber nicht erzählt. Erstens, es gibt Alkoholvergiftung. Zweitens, man soll auf der Autobahn nicht aus dem fahrenden Auto pinkeln. Drittens, wenn man in einen Bühnenscheinwerfer tritt, weil dieser zu hell ist, könnte der Strom mächtig böse werden.
Als dann der Techno bis in die Bierzelte vordrang, sahen Bauchi und Franz allerdings sehr schnell sehr alt aus. Niemand wollte länger gut abgefüllte Buben sehen, wie diese sich über billige Klampfen krümmen und dabei ihre Hosen zerreißen. Bauchi wurde solid und übernahm den elterlichen Hof. Franz ging in die Stadt und wurde für immer jung. Spätestens seit die Kaulquappen wieder zu Kurt beten, sieht man die zwei nun öfters auf Konzerten von US-Altersgenossen die Köpfe zusammenstecken. "Die Band" früher sei doch gar nicht so schlecht gewesen. Auf die Gitarren müsse man nur neue Saiten aufziehen. Und jetzt im Alter könne man es doch ungleich vernünftiger angehen. Das mit der Stallarbeit soll die Mamsch machen. Scheißkühe. Nur mit dem Schlagzeuger gibt es ein Problem. Er war damals beim Pinkeln der Fahrer. Und er fand das gar nicht so lustig. (Christian Schachinger/Der Standard/rondo/19/03/2010)