Die Kabel zwischen Hals und Schultern fühlen sich bei Bubi an, als kämen sie aus der metallverarbeitenden Industrie
Zuletzt war sein Leben von einer gewissen Untergangsfinsternis gekennzeichnet. Die Kabel zwischen Hals und Schultern fühlen sich bei Bubi an, als kämen sie aus der metallverarbeitenden Industrie. Dabei sitzt er den halben Tag am Computer. Dort muss er sich allerdings immer furchtbar aufregen. Während des stetigen Scannens der Welt und ihrer schlechten Nachrichten, ihrer "Dummheit und Verkommenheit", ist Bubi über die Jahre nicht etwa gelassener geworden. Die Welt ist und bleibt schlecht. Und Bubi läuft dagegen Sturm. Altersmilde wäre in seinem Fall höchstens die Folge einer "postheroischen Verfallsbiografie", so Bubi, sich schon wieder in Rage dozierend. Da aber Gott seine Kinder mit harten linken Haken in die Knie zwingen will, gilt Aufgeben nicht. Grad extra.
Seine gute Frau will Bubi nun in eine Schule der Besänftigung schicken. Der Abstand zwischen den Kabeln und einem Amoklauf im Magen-Darm-Trakt verringert sich. Und niemand hat weiter Lust auf Bubis Wutanfälle bezüglich Wall Street, Kärnten oder Rauchverbot. Bubi lässt sich jetzt esoterikfrei, also "ohne Patchouli-Gelaber", massieren. Das sichert nicht nur einen psychosozialen Arbeitsplatz mit großem Zukunftspotenzial. Bubi ist tatsächlich eine Spur ruhiger geworden. Vor einigen Tagen allerdings ist ihm nach Sandsack, Holzarbeit und Hass-Mails auch dieser neueste Beschwichtigungsversuch übel aufgestoßen. Bubis Schultern werden hart: "Sagt der Masseur zu mir: Entspann dich ein wenig. Schrei ich ihn an: Wenn ich mich entspannen könnte, dann wäre ich nicht hier, du Narr!" (Christian Schachinger/Der Standard/rondo/12/02/2010)