Zutrauen und zugreifen!

  • Meisterkoch Xiao Liu Sheng (mit lackierter Ente) und sein Sohn Xiao Peng in der winzigen Küche ihres Restaurants in der Wiener City.
    foto: gerhard wasserbauer

    Meisterkoch Xiao Liu Sheng (mit lackierter Ente) und sein Sohn Xiao Peng in der winzigen Küche ihres Restaurants in der Wiener City.

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    foto: gerhard wasserbauer

Diese Aufforderung ist der Speisekarte eines China-Imbisses am Karlsplatz vorangestellt - Man sollte sie beherzigen

Draußen tobt die Verkehrshölle Karlsplatz, drinnen steht Xiao Liu Sheng in der offenen Küche und lackiert Enten. Einige hängen manchmal sogar im Fenster - auch wenn er sich da hüten muss: In Wien gelten abseits von Schnitzel-Outlets bekanntlich strengere Hygieneregeln als in führenden westeuropäischen Metropolen. Vielleicht ist die hiesige Lokalszene ja auch deshalb eher dürftig, weil die ganz radikal genussfeindlichen "Vurschriften" nur dann entspannt gesehen werden dürfen, wenn man (siehe manch Delikatessenstandl am Naschmarkt) die richtig wichtigen Männer der Stadt als Gäste hat.

Insofern steht zu hoffen, dass sich Letztere schleunigst von der erhabenen Qualität der Enten von Herrn Xiao überzeugen - die Lackschichten werden nämlich nur dann so unwiderstehlich lecker, wenn sie zwischen den Durchgängen immer wieder an der Luft antrocknen dürfen. Zur Info: Auf der Karte sind die in multiplen Arbeitsgängen zur verblüffend zarten, vor Saft und Aroma strotzenden Herrlichkeit geführten Vögel als Grillente vermerkt.

Jade auf Shrimpsbällen

Auch sonst bietet der bescheidene Imbiss durchaus außerordentliche Genüsse der hierorts kaum bekannten Kanton-Küche - und zwar zu Preisen, die sich geradezu vernachlässigbar ausnehmen: Die in knusprig frittierte Tofu-Blätter gerollte Garnelenfarce ist gekonnt abgeschmeckt. Gebratener und in Gewürze eingelegter Pomfret-Fisch fällt locker und saftig von der Gräte, die Sauce schillert förmlich vor exotischen Gewürzen - au ja!

Ganz herausragend auch die Salzwassergarnelen mit Wasserkastanien und Erbsenschoten, die als "Jade auf Shrimpsbällen" in der Karte stehen, süß und zart und knackig schmecken und vom rauchigen Atem des Woks umhüllt sind. Ganz und gar wunderbar ist schließlich der Melanzani-Eintopf, eigentlich in hauchfeinem Backteig knusprig zart frittierte Melanzani-Stücke in einer fantastisch würzigen Sauce, deren Reste man glatt vom Teller schlecken möchte. Eine Entdeckung! (Severin Corti/Der Standard/rondo/05/02/2010)

Sunshine Restaurant & Bar
Friedrichstraße 8 (Karlsplatz)
1010 Wien
Tel.: 01/890 97 09
tgl. 11-22 Uhr
VS EURO 1,90-3,90, HS EURO 5,80-10

Fotos: Gerhard Wasserbauer

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