Bier im Gerede

Kellerbier

24. Jänner 2010 17:33
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    Foto: ap/uwe lein

    Ist es nicht üblich, jedes unfiltrierte Bier als Kellerbier zu bezeichnen?

Conrad Seidl über verwirrende Bezeichnungen für unfiltrierte Biere

Dieser Tage erreichte mich eine E-Mail von Ashish Jasuja aus Indien. Er hatte in Franken das "Kellerbier" kennengelernt und wollte nun wissen, wie der Stil den eigentlich definiert wäre.

Gute Frage. Ist es nicht üblich, jedes unfiltrierte Bier als Kellerbier zu bezeichnen? Ja, zumindest am brauereieigenen Ausschank wird unfiltriertes Bier aus dem Gärkeller häufig nicht als Zwickel, sondern als Kellerbier bezeichnet.

Andererseits gibt es auch mehrere in Fass und Flasche abgefüllte Kellerbiere, wobei das Kellerbier vom Georgenbräu in Buttenheim als Referenz gilt. Gleichzeitig ist das Bier vom Georgenbräu auch ein "Ungespundetes", also ein ohne Druck im Lagertank nachgereiftes Bier, das wenig Kohlensäure enthält.

Und es ist ein naturtrübes, also ungefiltertes Bier. Ist nun "naturtrübes" Bier dasselbe Bier, das man nach Filtration auch blank kaufen kann? Das ist häufig so - aber nicht alle Zwickel- oder Kellerbiere werden auch filtriert angeboten. (Der Standard/rondo/22/01/2010)

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11 Postings
Bierpapst
26.01.2010 15:15
Kübelbier, Kellerbier, Zwickel usw.

Danke für die vielen Ergänzungen - und die aufgeworfenen Fragen. Es konnte nicht alles in der Printausgabe diskutiert werden.
1.) Richtig ist, dass in einigen österreichischen Zwicklbieren Weizenmalz verwendet wird. Weizen sorgt wegen seines hohen Eiweissgehalts für konstante Trübung. (Und läßt die Biere "weicher" schmecken, was man vor allem beim Schwechater Zwickl merkt - deshalb verträgt es auch eine hohe Hopfengabe problemlos.)
2.) Weizenmalz darf in Deutschland nicht für untergärige Biere verwendet werden (aktuelle Fassung des Reinheitsgebots). Dennoch gibt es dort Biere, die Zwickl oder Zwickel heißen und nicht als Kellerbier verkauft werden.
3.) Jedes unfiltrierte Bier kann wohl als Kellerbier verkauft werden. Aber die Erwartung, dass ein fränkisches Kellerbier ungespundet ist, und ein Ung'spundet's auch unfiltriert ist, trifft ziemlich genau.
4.) Kübelbier ist das Kellerbier von der Hofstettner Brauerei in St. Martin. Dort wurde es nämlich in einem Kübel aus dem Lagerkeller heraufgetragen. Ich weiß aber von keiner anderen Brauerei, die die Bezeichnung verwendet - ich hoffe, die Familie Krammer hat sie geschützt.
5.) Schwarzbier ist mal ein Theme für eine andere Kolumne.
6.) Und nun muss ich das meinem indischen Freund alles auf englisch erklären...

Ludovico Settembrini
24.02.2010 00:38

sehr geehrter herr bierpapst,

ich wuerde gerne wissen warum der gesetzgeber in deutschland die verwendung von weizenmalz fuer untergaerige biere untersagt?

cheers,
vickerl

Chris_SM
27.01.2010 21:22

Dank an den Bierpapst für die aufschlussreiche und ausführliche Antwort.

Ich muss gestehen, dass ich von der Hofstettner Brauerei zuvor noch nie etwas gehört habe.
Nun kenne ich immerhin deren Homepage, die meine Neugier auf ihr Sortiment, nicht nur ihr Kübelbier geweckt hat. Ich denke, ich werde mir bald ein Kübelbier besorgen.

Em sembla que ara em toca a mi.
27.01.2010 18:02
Danke!

Prima Informationen.

Chris_SM
25.01.2010 08:14
Es ist alles sehr kompliziert

Die Zwickelbiere von Schwechater und Stiegl(beide äußerst empfehlenswert) erhalten ihren typischen Geschmack nicht nur durch mangelnde Filtration sondern auch durch die Verwendung von Weizenmalz.
Im 7* und wohl auch in manch anderen Braugasthöfen sind alle Biere unfiltriert werden aber trotzdem nicht als Zwickel bezeichnet.
Dies gilt auch für "hefetrübe" Weizenbiere.
Zwickel ist eine typisch ö. Bezeichnung, ist nun Kellerbier die typisch süddeutsche Bezeichnung dafür?
Ich glaube aber, dass Mohrenbräu ein "Kellerbier" im
Sortiment hat.
Da soll sich einer auskennen...

P.S.
Kann mir wer erklären, was Schwarzbiere sind?
Ist das ein eigener Biertyp? Und was macht dann diesen aus?

James T. Kirk
25.01.2010 13:08
Seit Neuestem

..hat fast jede Vlbger Brauerei ein Kellerbier in Flaschen im Programmm: Frastanzer hat angefangen, Mohrenbräu (Dornbirn) folgte, Fohrenburger (Bludenz) hat jetzt, glaub' ich, auch eines...aber in vielerlei Hinsicht folgen unsere Gsiberger ja eher den deutschen Gepflogenheiten - s.a. laufen = gehen im Ländle zB.

GevatterTod
25.01.2010 02:18
fraenkisches Kellerbier

heisst IMHO nach bayrischem Gesetz:
ungespundetes Kellerbier.
D.h. es wird im offenen Fass oder Bottich vergaert und nicht unter Kohlensaeuredruck gelagert.

Schnapphahn
25.01.2010 06:57
Hauptsach dös schmeckt :)

Wobei es obä ka gschmäckla hom derf.

Kapitalismus Luege
24.01.2010 18:33
Kübelbier

würde ich dazu sagen.

Chris_SM
25.01.2010 17:48

Was ist jetzt wieder Kübelbier?
Etwa ein Bier, das man kübelweise drinken kann?

hawkwind -
26.01.2010 12:47
Ausprobieren !

Koste es einfach, es lohnt sich. Gibt´s u.a. im Bettelstudent in Wien (zumindest habe ich es vor Jahren dort getrunken). Kriegt man aber auch beim Merkur zu kaufen. (Verdammt, ich mache nicht gerne unbezahlte Werbung.)

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