Sie haben es lustig

19. Dezember 2009, 18:00
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Fräulein Jagger, Miss Kravitz oder die Schwestern Geldof: Die jungen Töchter prominenter Eltern sind die Stilikonen unserer Zeit - Fragt sich nur: Warum? Wir haben fünf Thesen

These 1: Sie sind schöner als wir.

Diese These ist genauso wahr wie falsch. Als Clara Bow 1927 im Hollywood-Stummfilm It spielte, war das Wort vom It-Girl geboren. Es bezeichnete eine "besonders attraktive Frau bzw. eine mit einer besonderen Geistesgröße." Diese Definition der Zeitgenossen deutet bereits darauf hin, dass Schönheit allein nur die halbe Miete ist, um als "best girlie in town" zu gelten. Wer seinen Mund nicht aufkriegt, hat schlechte Karten im Spiel um Aufmerksamkeit. Seitdem dieses medial unendlich vervielfacht wird, können Rotznasen, deren optische Präsenz eingeschränkt ist, einiges wettmachen. Siehe Kelly Osbourne. Ihr Witz und ihr Vogel halfen ihr bei der Durchsetzung der eigenen Marke weit stärker als fünf weitere Schokoladediäten. Das Gegenbeispiel ist Georgia Jagger. Die 17-Jährige mit dem Gesicht ihrer Modelmutter (Jerry Hall), den Lippen ihres Vaters (Mick Jagger) und der schönsten Zahnlücke seit Jane Birkin hat - soweit bisher bekannt - keine über die Attraktivität ihres Körpers hinausgehenden Talente. Jene setzt sie dafür sehr gezielt und zum Ärger ihres Vaters ein. Er hätte das bekanntlich nie gemacht. Demnächst gibt Fräulein Jagger übrigens die Werbeträgerin für Versace.

These 2: Sie sind berühmt, weil sie Töchter von Promis sind.

An dieser These könnte etwas dran sein. Wer hätte einer Zoe Kravitz je eine Filmrolle angeboten, wäre sie nicht die Tochter von Lenny und Lisa Bonet? Andererseits hätte sie nicht eine zweite und eine dritte bekommen, wäre sie darin besonders schlecht gewesen. Durch und durch paternalistisch agiert eine andere Sippe: die Roitfelds. Die Frau Mama ist die Chefredakteurin der französischen Vogue und schafft es in dieser Funktion, die Gesichter ihrer Lieben in jeder Ausgabe mindestens fünfmal unterzubringen. Am stärksten profitiert hat davon Töchterchen Julia. Sie lieh Black Orchid, dem ersten Parfum von Mutters Busenfreund Tom Ford, ihr Gesicht. In der vergangenen Saison kam eine einträgliche Jil-Sander-Kampagne dazu, in der nächsten wird sie gemeinsam mit Daisy Lowe für Esprit posieren. Diese ist auch eine Tochter, und zwar von Musiker Gavin Rossdale. Ihre Karriere als Model begann mit zwei. Den Job hat sie sicher ganz ohne fremde Hilfe bekommen.

These 3: Sie können nichts.

Diese These ist genauso falsch wie die Meinung, dass Paris Hilton ein dummes Püppchen ist. Um ein solches zu spielen und damit Millionen zu scheffeln, muss man die Gesetze des Marktes sehr genau studiert haben. Paris hat das hohle Blondchen zu einer Marke geformt, genauso wie ihr englisches Pendant Peaches Geldof aus dem Image des bösen Schulmädchens eine Goldgrube gemacht hat. Dafür legte sie sich mächtig ins Zeug. Während andere mit 15 in ihr Tagebuch kritzeln, schrieb sie eine regelmäßige Kolumne für Elle Girl. Später kamen Fernsehsendungen dazu, sie modelte und ließ sich als Marilyn Monroe fotografieren. Damit schoss sie übers Ziel, genauso wie in den unzähligen Clubs, aus denen sie frühmorgens torkelte. Peaches Geldof verwandelte sich in den harten Jahren ihrer Jugend zu einem perfekten Sinnbild einer von der Schriftstellerin Kathrin Röggla einmal so schön als Erbengeneration benannten Generation: exzessiv, oberflächlich und verdammt clever. Das muss diesem Mädchen erst einmal jemand nachmachen.

These 4: Sie sind die jüngsten Stilikonen der Geschichte.

Diese These ist richtig. Als Twiggy Frisurenmodell bei Vidal Sassoon wurde, war sie gerade einmal 15. In den 60ern wurde der Fetisch Jugend entdeckt, wirklich auf die Spitze getrieben wird er aber erst heute. Die Entsprechung von Models, die ihre Pubertät noch vor sich haben, sind Prominententöchter, die ihre Schuluniformen ablegen, um nackt fotografiert zu werden. Marktforscher haben dafür eine einfache Erklärung: Die Generation der unter 20-Jährigen besaß noch nie so viel Geld wie heute. Auch sie brauchen Vorbilder, und seien es welche aus der Kategorie Luder (weit oben auf der Beliebtheitsskala steht derzeit Peaches jüngere Schwester Pixie) oder Klosterschülerin. Aus Letzterer befreit sich derzeit Bruce und Demis Tochter Rumer Willis, die in der Teenie-Serie 90210 die Rolle einer (süßen) Lesbe spielt. Erwachsenwerden kann schwierig sein.

These 5: Sie sind austauschbar.

Keine Frage, so ist es. Der Durchlauferhitzer der Medien benötigt laufend neue Gesichter. Jene von Prominententöchtern haben den großen Vorteil, dass ihre Nachnamen bekannt und ihre Vita einigermaßen illuster ist. Bis ein No-Name-Mädchen diesen Status erreichen würde, vergingen Jahre. Diese Zeit hat in der Unterhaltungs- und Modeindustrie niemand. Durch die neuen Distributions- und Verkaufskanäle im Internet ist es in dieser Sparte zu einer extremen Verjüngung der Konsumenten gekommen. Sie wollen Idole in ihrer Altersklasse sehen. Wer da mitspielt, kann es zu größerer Prominenz als die Eltern bringen. Peaches Geldof ist wahrscheinlich längst bekannter als der alte Bob. Wer es allerdings vermasselt, fliegt raus. (Stephan Hilpold/Der Standard/rondo/18/12/2009)

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    Als Georgia Jagger mit 17 für Hudson modelte, zog sie sich halbnackt aus. Das war ihrem Vater nicht recht. Solche Probleme haben Zoe Kravitz (Bild) und ihre Eltern nicht.

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    Im Gegensatz zur Familie Geldof: Die Betragensnoten von Peaches und Pixie (rechts) lassen ziemlich zu wünschen übrig.

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    Mit ihrem Label Stiletto Killers ging Kelly Osbourne (Bild) baden. Den Stil vieler Mädchen prägt sie mit ihrem punkigen Schulmädchenlook trotzdem.

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    Gavin Rossdales Tochter Daisy setzt gleich ganz auf Mode. Sie ist eines der vielversprechendsten englischen Models.

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