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Kreuzworträtseln ist altmodisch und ohne ersichtlichen Nutzen, könnte man meinen.
+++Pro
Von Karin Pollack
Wenn's denn im Leben darum ginge, cool zu sein, dann wäre der Text hier zu Ende. Kreuzworträtseln ist altmodisch und ohne ersichtlichen Nutzen, könnte man meinen, sogar die Preise für Lösungswörter sind meist so mies, dass niemand gewinnen will. Aber darum geht es im Grunde auch gar nicht. Es ist vielmehr die Lust an Buchstaben und deren Reihenfolge, es ist das schnelle Antworten-auf-Fragen-Finden, und das alles am besten ohne Nachdenkpausen. Und dann natürlich das Tüfteln. Im Gegensatz zu den anderen Herausforderungen des täglichen Lebens ist Kreuzworträtseln also ein überschaubares, übersichtliches und - tja, wie soll ich es anders sagen - deshalb eben ein sehr befriedigendes Projekt. Tröstlich auch, dass Studien wie die des französischen Instituts für Gesundheits- und Medizinforschung auch tatsächlich belegen, dass regelmäßige Kreuzworträtsler wesentlich seltener an Demenz erkranken als diejenigen, die stattdessen immer nur fernsehen. Des Rätsels Lösung: Kreuzworträtseln stärkt die kognitive Reserve. Schlecht?
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Contra---
Von Tanja Paar
Eine Stadt mit "K" am Bodensee, die Sommerweide des Fleckviehs und ein Fluss in Westafrika. Ach, ließe die Welt sich doch in kleine Quadrate fassen! Ein überschaubares Universum, in dem die Schnittmenge aus Horizontale und Vertikale sinnhafte Einheiten bildet, die formvollendet zur Deckung kommen, das wäre angenehm. Ja, das wünschen sie sich, jene kleinkarierten Spießer, die brav Buchstaben für Buchstaben in Kästchen malen - und sich dabei noch freuen, wenn sie Vorgedachtes nachdenken dürfen und zur selben, immergleichen richtigen Lösung kommen. Und dann winkt auch noch eine Belohnung. Aber die Welt ist anders! Nun könnte man sagen: Sei's drum, ist ja nur ein Kreuzworträtsel, ein kleiner Zeitvertreib, ein wenig Hirngymnastik, um geistig rege zu bleiben, quasi die Sit-ups fürs Oberstübchen. Aber nein! Ich sage euch: Die Unterwerfung unter die Kreuzworträtsellogik ist des Teufels, ein Anheimfallen an die Verwertungslogik, schlicht das Ende jeglicher Kreativität. Schlecht! (Der Standard/rondo/11/12/2009)
Die Suche in Taschentiefen oder Zimmerfluchten ersparen oder Understatement mit einem einzigen Klingelton
So ein charakterstarker Sattelschutz gibt uns den allerschönsten Schliff im Meer des seriösen Gleichklangs - Oder: der Schoner steht dem Wesen des Radfahrens entgegen
Die dumme Augustine trug sie und wurde umjubelt, aber der Modetrend gilt als Gegenteil von Freiheit
Maunchmoi is scho vü gscheida, ma bleibt bei dem wos ma dalernt hot oder Hochsprache ist Facebook-Sprache
Die gedruckte Zeitung darf nicht sterben - oder: Wenn gedruckte Gedanken zu Wischdiensten abkommandiert werden, sterben sie einen feuchten Tod
Einen Goldfisch damit nach Hause transportieren oder Liebe geht durch den Magen
Ein Zeichen einer erwarteten Gemütlichkeit oder so graziös wie Bambi auf dem zugefrorenen Teich
Ein gerade unübertreffliches Glücksrezept oder logistischer Stress durch neumodisches Brauchtum?
Weshalb das viel gepriesene "Runner's High" in der Stadt mitunter auf sich warten lässt und das duch-die-Stadt-joggen eine Sightseeing-Tour ersparen kann
"Damit sich nicht wieder irgendein Armleuchter in den Luster hängt" oder "Fröhlichkeit ganz ohne Alkohol ist immer etwas gezwungen"
Seine Entscheidung - "eine oda auße?" - jederzeit staufrei revidieren oder es ist nicht der Mensch, der den Rhythmus vorgibt
Her mit der heißen Ware, oder sind erotische Geschenke einfach nur peinlich?
"Welcher Superstar wird dich heiraten?" oder Danke, wir wollten es echt nicht so genau wissen
Wer die Lure aus dem Stockwerksautomaten am Platz genießt, versäumt nichts Spannendes - oder die Sitten im Büro sind immer nur so rau wie das Leben auf der Straße
"Das WC ist nicht Rückzugsraum, sondern reine Bedürfnisanstalt" oder: "Undenkbar, dieses Elend den Blicken einer weiblichen Laufkundschaft preiszugeben"
Heißer Tee, Suppe oder auch Punsch oder die Eismischerzunft soll endlich auf den Klimawandel reagieren
Rockgott versus Gott der Allmächtige - zumindest wenn es um die Frage nach hell oder dunkel geht
"Mindestens haltbar bis ..." - "Best before" ist schlicht irreführend übersetzt oder ein farbenprächtiger Abdruck einer Fontäne an der Toilettenwand
Weshalb der Alltag der KollegInnen schon interessant ist und portionierte Grußbekanntschaften einem weißen Wal das Leben schwer machen
In der Leichtigkeit muss man das Üppige wählen oder der Schaum, ein Traum
Gluck, gluck, und runter damit oder rot steht für Wärme, Leidenschaft und große Gefühle
Wer nicht mit Kanonen auf Brösel schießt, greift zum Bartwisch und dessen Zwilling, dem Schauferl oder ihr Traditionsritter von der traurigen Gestalt
"Du, in meinem Zelt ist eh Platz für zwei!" oder eine Mischung aus Schweiß und Uringeruch
Man kann sich, muss sich aber nicht festlich kleiden oder das Wohnzimmer ist und bleibt eine pinguinfreie Zone!
Ein Zeitvertreib, der sich seit fast 100 Jahren so großer Beliebtheit erfreut, kann doch wohl gar nicht so übel sein, oder? Kreuzworträtsel trainieren nicht nur das Gedächtnis, sondern erweitern auch den Sprachschatz, schulen die Konzentration und vermitteln unterschiedlichste Kenntnisse aus allen möglichen Lebensbereichen. Das kleine Teile davon als unnützes Wissen gelten, ist zwar nicht von der Hand zu weisen, aber verglichen mit den vielen Vorteilen irrelevant, meine ich. Die Kritiker sind oft Leute, die höchstens mal das Schwedenrätsel ihrer Tageszeitung machen und sich nie an schwierigere Rätseltypen wie z.B. Querdenker-Rätsel wagen. Das Rätselangebot ist jedoch sehr vielfältig, gerade im Internet!
Bsp.: http://www.raetselfieber.de
Das Contra trifft zu. Beobachte selbst immer wieder, wie teilweise sogar die schlichtesten Gemüter beim Kreuzworträtseln zu richtigen Gehirnakrobaten mutieren und selbst die abstrusesten Wörter scheinbar aus dem Handgelenk schütteln. Man ertappt sich sofort beim Gedanken, man hätte diese Zeitgenossen die längste Zeit weit unterschätzt.
Bis man sich dann einmal die Mühe macht und einige Zeit lang selbst diese Rätselchen löst. Da merkt man dann schnell, nach welch simplem Strickmuster die gearbeitet sind und wie sich vieles, v.a. die Systematik, aber auch viele Begriffe, immer und immer wieder wiederholen.
Für einen kurzen Zeitvertreib okay, aber als alltägliches "Gehirntraining" untauglich.
Wenn man zuhört, wie sich heutzutage ein Gutteil der Menschheit artikuliert, und das sogar im Fernsehen (siehe z.B. Sozial-Pornos), dann kann man diesen Menschen das zeitweilige Lösen von Kreuzworträtseln nur wärmstens empfehlen, um ihren Wortschatz zumindest ein wenig zu erweitern.
Und wer in diesen Rätseln irgendetwas vom "Teufel" sieht, sollte sich schleunigst einen guten Arzt suchen. Vielleicht ist es heilbar...
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