Ab und zu bekommt Conrad Seidl ein schlechtes Bier - Eine Beschwerde bringt Trost
Nein, nicht alles Dosenbier ist schlecht. Eigentlich gäbe es sogar eine Reihe von technologischen Argumenten, die für das Dosenbier sprechen: Immerhin bietet die Dose einen perfekten Lichtschutz für das enthaltene Bier. Wenn Dosenbier (wie bei vielen Abfüllern üblich) auch noch pasteurisiert ist, mangelt es ihm vielleicht an Frische - dafür hat es durchwegs einen stabileren Schaum als Flaschenbiere aus dem gleichen Sud.
Gegen Dosenbier mögen ästhetische und ökologische Gründe sprechen - aber wenn man etwa im Zug unterwegs ist, hat man ohnehin keine Wahl. Also habe ich jenes Markenbier gekauft, das das mobile Bordservice bei sich hatte, habe es geöffnet, eingeschenkt und gestaunt: So trüb hatte ich dieses Bier nicht in Erinnerung. Und der Geruch war definitiv anders als gewohnt. Der Geschmack erst recht. Also notierte ich die Chargennummer und beschrieb die Probe dem Importeur: "Sehr deutliche Trübung mit einigen Flankerln. Rasch verschwindender Schaum, sehr helle Farbe. Fruchtig-säuerlicher Geruch. Voller Geschmack, süßlich und gleichzeitig säuerlich. Ich hätte dieses Bier in einer Blindverkostung als ein belgisches Sour Ale oder Saison eingestuft, nicht aber als Lagerbier. All das weist auf eine Milchsäureinfektion, eventuell auch auf fremde Hefen hin."
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Tatsächlich bestätigte das Brauereilabor, dass von der von mir beschriebenen Charge (deren angegebenes Haltbarkeitsdatum weit im kommenden Jahr liegt) Proben untersucht wurden und einige tatsächlich eine Streu-Kontamination mit Milchsäurebakterien aufgewiesen haben, die unter ungünstigen Bedingungen das Bier sauer werden lassen. Man sei zerknirscht, habe den Auslöser der Verunreinigung aber inzwischen entdeckt: Einige Drucktankdichtungen wären die Ursache gewesen - diese wären inzwischen ausgetauscht worden. So etwas komme sozusagen in den besten Familien vor. Aber gerne würde man mir zum Trost ein Sixpack und ein kleines Geschenk anbieten.
Das könne ich auch gerne schreiben, schließlich erfahre man nur durch Kunden, dass problematische Biere auf dem Markt aufgetaucht sind - aber bitte mit dem Hinweis, dass man Beschwerden nur nachgehen kann, wenn man entweder das beanstandete Bier oder wenigstens die Chargennummer zur Kontrolle liefern kann. (Conrad Seidl/Der Standard/rondo/13/11/2009)