Wenn Sie schon immer wissen wollten, warum die einen erröten, die anderen vergilben, können wir helfen, sagt Ute Woltron
Alles beginnt damit, dass Bäume und Sträucher nach den fetten Monaten des Frühlings und des Sommers im Herbst ihre wichtigsten Mitarbeiter nicht mehr brauchen. Also: Weg mit ihnen!
Die Blätter können gehen. Vorher dürfen sie sich noch schnell verfärben, woran wir uns ergötzen können. Berühmte Farbenspiele führt beispielsweise die große Familie des Ahorn auf. Von Dottergelb bis Purpurrot - alles da bei den verschiedenen Ahörnern. Oder heißt es doch Ahorne? Oder Ahorns? Egal, Sie wissen, wen wir meinen.
Die Aufforderung dazu erhalten die Blätter vom Baum oder vom Strauch - und nicht etwa von der äußeren Kälte. Der schickt eine Substanz mit Namen Absciscinsäure durch das System, welchselbige die Blattspalten schließt und den Befehl erteilt, die in den Blättern befindlichen wertvollen und in besseren Zeiten wiederverwertbaren Substanzen wie Chlorophyll im Headquarter, also in Stamm und Ästen, in Sicherheit zu bringen.
Chlorophyll und Karotinoide
So ungefähr funktioniert das. Erst wenn die Blattmitarbeiter leer und ausgesaugt sind, verschicken weitere Chemikalien den blauen Brief, und die Blätter fallen schließlich ab. Warum werden sie zuvor aber gelb und rot? Alles nur Chemie: Die Gelbfärbung entsteht durch die Auslagerung des Chlorophylls, das die ohnehin vorhandenen Karotinoide und anderes zuvor überlagerte. Die Rotfärbung resultiert aus chemischen Prozessen, die einsetzen, sobald Teile der Blattzellen platzen, damit eine Säure freigeben und mittels geheimnisvoller chemischer Vorgänge die Rottöne produzieren. Tiefer ins Detail muss man wahrscheinlich an dieser Stelle nicht gehen, will man nicht die halbe Leserschaft verlieren.
Außerdem ist fast noch interessanter, warum etwa Essigbäume, die zu den unglaublichsten Farbspielen fähig sind, im Herbst innerhalb eines Blattes sowohl gelb als auch rosa bis hin zu fackellilienrot sein können.
Essigbaumnachwuchs
Eben wegen ihrer prächtigen Herbstfärbung pflanzt man diese Großsträucher. Und wir verraten Ihnen jetzt ein Geheimnis: Sobald Sie einen von ihnen haben, können Sie die gesamte Verwandtschaft, die Nachbarn, die Einwohner mehrerer Nebengemeinden und weitere verstreute Essigbaumliebhaber mit Essigbaumnachwuchs versorgen. Denn was die an Wurzelausläufern treiben, geht ins Aschgraue.
Einmal kurz umgedreht, und sieben neue kleine Essigbäume stehen stramm und hübsch auf der Wiese. Nie wieder wird kein Essigbaum sein, wo einmal einer war. Auch wenn man, von der Angst, von Essigbäumen völlig überwuchert zu werden, in einem Anfall der Panik alle niedermacht: Gleich sind wieder ein paar da. Aber schön schauen sie aus, im Herbst. Wollen Sie welche? (Ute Woltron/Der Standard/rondo/06/11/2009)
Tipp
Der berühmte "Indian Summer" der amerikanischen Ostküste ist nicht, wie
oft fälschlich angenommen wird, ein Farbspektakel von Ahornbäumen,
sondern hauptsächlich die Herbstshow des amerikanischen Amberbaums. Der
ähnelt in seinem Laub zwar dem Ahorn sehr stark, ist aber absolut nicht
verwandt mit ihm. Vorausschauende, die ihre Gärten natürlich auch
hinsichtlich der zu erwartenden Farbenspiele der Herbstsaison anlegen,
brauchen viel Platz, wenn sie so einen Rotschopf haben wollen. Der
Amberbaum wird hierzulande gerne bis zu 20 Meter hoch. Es gibt aber
jede Menge Zuchtformen, die es auch zierlicher tun.