Einmal Dorade incognito, bitte!

27. Oktober 2009, 16:51
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In der Nebensaison, wenn die Yachten aus St. Tropez längst abgelegt haben, ist die provençalische Insel Porquerolles am schönsten

Gérard Genta ist das eigentlich egal: Ihn interessiert, ob er morgens genügend Doraden im Netz hat und ob sein Koch den Fisch später im Restaurant gut würzt und genau richtig brät. Aber ob dann Bono hineinbeißt oder irgendwer anders, das ist ihm gleichgültig. Hauptsache, der Fisch ist fangfrisch und schmeckt. Den Sänger von U2 hätte Gérard Genta in seinem Restaurants auf Porquerolles ohnehin trotz der obligatorischen blau getönten Brille nicht erkannt, wenn ihn nicht Kellnerin Jasmin im Flüsterton darauf aufmerksam gemacht hätte. "Ja", sagt er zwar, "es kommen häufig Promis, vor allem aus St.Tropez, mit ihrer Yacht herüber, ankern in unseren Buchten, entspannen an unseren Stränden, tauchen zum Abendessen hier auf. Aber sie interessieren mich nicht mehr als jeder andere." Er nimmt einen Schluck Rosé und lehnt sich zurück. "Da sind wir hier auf Porquerolles ganz entspannt."

Wenn das letzte Linienschiff zurück zum Festland abends um halb acht von der Mole abgelegt hat, wird es still auf dem gerade mal zwölfeinhalb Quadratkilometer kleinen Eiland vor Hyères. Schon vierzig Minuten vorher schließt die Touristen-Information am kleinen Hafen, dreißig Minuten vor der Abfahrt auch der Croque-Laden am Ortseingang. Und kurz vorm Ablegen stapeln die Wirte der Bistros am Hafen bereits wieder die Stühle aufeinander: Feierabend.

Die meisten auf Porquerolles leben von den Tagesbesuchern, die zu Hunderten vom Festland herüberströmen. Nur bei Gérard Genta und ein paar anderen stehen die Möbel länger im Freien, denn dort hocken abends die Einheimischen, wenn Ruhe eingekehrt ist - und dort essen die vergleichsweise wenigen Übernachtungsgäste. Die beiden Leuchtturmwärter Eric und Emanuel sind dann dabei, Winzer Laurent, Eisverkäuferin Gisèle. Nur 340 Menschen leben ganzjährig auf Porquerolles - gut 1500 sind es im Sommer, wenn die Saisonkräfte in Cafés und Eisdielen, Hotels und Souvenirgeschäften, bei den Boots- und Fahrradverleihern hinzukommen.

Was Genta selber am liebsten isst? "Jeden Mittelmeerfisch, Hauptsache von hier." Er grinst. "Und immer mit Olivenöl zubereitet." Von St.Tropez ist Porquerolles gut zwei, drei Yacht-Fahrtstunden entfernt. Das Linienschiff von La Tour Fondue bei Hyères braucht nicht mehr als etwa eine halbe Stunde über die nur dreieinhalb Kilometer breite Meerenge. Die drei größeren der insgesamt zehn Iles de Hyères, allen voran Porquerolles, sind beliebtes Ferienziel vor allem französischer Urlauber, die nur eines wollen: absolut relaxtes Inselleben ohne allzu viel Stargetue und Paparazzi-Rummel. Unter Ausländern sind die Eilande, die auch als Iles d'Or ("Goldene Inseln") firmieren, kaum bekannt: ein südfranzösischer Geheimtipp.

Autos haben nur die wenigen Einheimischen. Weniger als 100 sind zugelassen, und die meisten davon sind kleine Transporter: um die Kisten mit Orangina und Cola, mit Bier, Apfel-Cidre und Champagner von der Hafenmole zu den Hotels und Restaurants zu transportieren, die neue Matratze fürs Hotel, den Karton Tischdecken fürs Monsieur Troia, die Kiste mit den bestellten Fischbestecken für Gérard Genta - und um umgekehrt die Eichenfässer vom Insel-Weingut Domaine de la Courtade zum Hafen zu schaffen.

1971 hat der französische Staat die Insel von der Grundbesitzerfamilie Fournier gekauft - um sie zu schützen. Porquerolles ist so etwas wie ein typisch südfranzösisches Dorf auf einem Stück Land, das vor der Küste Anker geworfen hat, von Pinienhainen und Olivenbäumen, von Weinreben und Sanddorn überzogen, von strahlend hellen Sandstränden und schroffen Klippen umgeben ist - ohne Hochhaus, ohne Bettenburg. Nicht eine Ampel gibt es, keine Fahrbahnmarkierungen.

Stephanie Le Ber Fournier findet das mit dem Verkauf gar nicht schlimm: Schließlich lebt ihre Familie noch immer auf der Insel und hat ein bisschen Land behalten - die Parzellen mit den besten Böden für Weinbau, die zwei schicksten Hotels. Und das Restaurant "Plage d'Argent" am gleichnamigen Puderzuckerstrand der Südküste, das sie führt. Es hat einen besonders großen Fahrradparkplatz unter Pinien: damit die Gäste ihre Leih-Drahtesel im Schatten festmachen können, ehe sie es sich auf ein Gläschen Weißwein und eine hausgemachte Bouillabaise oder einen Teller gegrillte Rotbarben gemütlich machen - gefangen von Gérard Genta. Den Meerblick von der großen Terrasse aus gibt es gratis dazu - auf die sichelförmige Bucht, den hellen Strand, die Badenixen, auf spielende Kinder im Sand. Die provençalischen Eilande sind klimabegünstigt - so sehr, dass in den vielen Eisdielen von Porquerolles die Sorten Mango, Aprikose und Banane die Renner sind. Wolken halten sich hier selten, und der Wind weht meist ein bisschen kräftiger als auf dem nahen Festland. Kite-Surfer lieben die Insel deswegen, tummeln sich vor der Plage de la Courtade und springen mit den Böen über die Wellen - und müssen aufpassen, nicht den Katamaranen und den Kajaks in die Quere zu kommen.

Ein Abend kurz nach 19 Uhr im Schatten der Platanen auf dem sandigen Place d'Armes im Zentrum von Porquerolles-Village: Ein paar Kinder spielen Fußball, und ein Golden Retriever, noch nass vom Bad im Mittelmeer, will unbedingt mitmachen. Irgendwann lassen sie ihn gewähren und haben fortan gemeinsam ihren Spaß. Ein paar Ältere trollern derweil Boule-Kugeln vor Gérard Gentas Restaurant "Le Porquerollais". Der Alltag hat die Insel wieder, der Tagesansturm ist vorüber. Irgendwer schmettert hinter einem zur Hälfte geöffneten Fensterladen im ersten Stock des Eckhauses französische Chansons, und kurzfristig mischt sich auch noch die Kirchenglocke ein.

Bald betritt Bono ganz unauffällig die Bühne, auf der ihn diesen Abend niemand ansprechen wird - und falls doch, dann nur, um zu fragen, ob die Dorade perfekt gegrillt war. (Helge Sobik/DER STANDARD/Printausgabe/24.10.2009)

Französische Zentrale für Tourismus, Lugeck 1/1/7 - A-1010 Wien, Tel.: 0043 15 03 28 92 18

  • Anreise: Flug nach Nizza oder Marseille mit Air France, zum Teil via Paris   
Das
Linienschiff von La Tour Fondue bei Hyères braucht nur etwa eine halbe
Stunde über die gerade einmal dreieinhalb Kilometer breite Meerenge.
Insgesamt gibt es zehn Iles de Hyères, die drei größten davon, darunter
Porquerolles, sind vor allem bei Franzosen ein beliebtes Ferienziel. 
Allgemeine
Informationen über Porquerolles bei der Touristeninformation: Bureau
d'Information Porquerollais, Tel.: 0033/4/ 94583376
    foto: atout france/franck charel

    Anreise: Flug nach Nizza oder Marseille mit Air France, zum Teil via Paris

    Das Linienschiff von La Tour Fondue bei Hyères braucht nur etwa eine halbe Stunde über die gerade einmal dreieinhalb Kilometer breite Meerenge. Insgesamt gibt es zehn Iles de Hyères, die drei größten davon, darunter Porquerolles, sind vor allem bei Franzosen ein beliebtes Ferienziel.

    Allgemeine Informationen über Porquerolles bei der Touristeninformation: Bureau d'Information Porquerollais, Tel.: 0033/4/ 94583376

  • Unterkunft: "Villa Sainte-Anne": 3 Sterne, Tel.: 0033/4/98046300,   
Le Porquerollais, Hotelrestaurant, Place du Village, Tel.: 0033/04 94 12 32 70, Fax : 0033/04 94 00 64 14, E-Mail: contact@leporquerollais.com  
Hotel L'Oustaou, Place d'Armes, Tel.: 0033/04 94 58 30 13, Fax: 0033/04 94 58 34 93, E-Mail: info@oustaou.com
    foto: atout france/franck charel

    Unterkunft: "Villa Sainte-Anne": 3 Sterne, Tel.: 0033/4/98046300,

    Le Porquerollais, Hotelrestaurant, Place du Village, Tel.: 0033/04 94 12 32 70, Fax : 0033/04 94 00 64 14, E-Mail: contact@leporquerollais.com

    Hotel L'Oustaou, Place d'Armes, Tel.: 0033/04 94 58 30 13, Fax: 0033/04 94 58 34 93, E-Mail: info@oustaou.com

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