Schweden befreien

24. Oktober 2009, 17:00
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Du findest hier in Stockholm kaum jemanden, der sich noch traut, laut zu singen oder zu tanzen

Liebe Yvonne, die Schweden werden von einem Verein schwarzbekleideter Männer unterdrückt und davon abgehalten, glücklich zu sein. Du findest hier in Stockholm kaum jemanden, der sich noch traut, laut zu singen oder zu tanzen. Gestern ist trotzdem in einer Bar ein Mann mit einer wunderschönen Wikinger-Frisur auf einen Sessel gesprungen, er tanzte, bis der Sessel nach vorn kippte und er abspringen musste. Wir hatten eine große Freude mit ihm. Aber zehn Sekunden später war schon einer von dem Verein da, Ordningsvakt heißt das. Das sind Typen mit Abzeichen mit drei goldenen Kronen drauf. Sie haben den schönen Wikinger aus der Bar geworfen. Seine Freundin hat mir ins Ohr geflüstert: "Weißt du, die wollen nicht, dass wir Schweden Spaß haben."

Später habe ich zufällig eine richtige Disko gefunden, offiziell traut sich ja niemand zuzugeben, dass es in Stockholm überhaupt Diskotheken gibt, schließlich könnte es dort ja lustig sein. Ein Ordningsvakter stand mit verschränkten Armen vor dem Eingang, musterte mich und fragte: "Wie viel Alkohol haben Sie heute schon getrunken?" Ich habe ihn gefragt: "Wie vielen Leuten haben Sie heute schon den Spaß verdorben?"

Und ich verstand, warum hier Pippi Langstrumpf erfunden wurde, weil sie die Autorität der Ordningsvakter stellvertretend für alle Schweden untergräbt. Gefallen hat mir der eine vor der Disko aber schon. "Willst du nicht aus dem Verein austreten und mit mir tanzen gehen?", habe ich ihn gefragt. Und er hat mir später sein Abzeichen mit den drei goldenen Kronen geschenkt. Adjö, deine Leslie. (Adelheid Wölfl/Der Standard/rondo/23/10/2009)

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    "Wie vielen Leuten haben Sie heute schon den Spaß verdorben?"

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