Snobs unter sich

10. Oktober 2009, 17:00
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Die Vorurteile gegenüber Übersee-Weinen sind zu groß, findet Luzia Schrampf

"Etwas, das man schon lange nicht mehr getrunken hat", lautete das Motto für die Weinrunde. Angesichts der Weinauswahl - österreichlastig, gefolgt von Frankreich, Italien und Spanien - und der Erinnerung an frühere Abende, an denen man sich oft mit Weinen aus Australien, Chile, Kalifornien oder Südafrika vergnügte, taucht die Frage auf: "Gibt's die eigentlich noch? Und brauchen wir sie überhaupt?"

Sie sind tatsächlich weniger präsent als in den 90ern, als sich Weinfans in ihrem Entdeckerdrang auf Weinweltreise begaben und Händler ein dementsprechend breites Angebot bereithielten. Seither ist der Rotweinboom verebbt, und üppige Weine mit viel Alkohol, egal welcher Farbe, werden in hiesigen Breiten weniger nachgefragt. Dass diese Eigenschaften bevorzugt Übersee-Weinen zugeschrieben werden, ist nur eines von mehreren Vorurteilen: So werden vor allem Australien und Kalifornien in Europa auch gern als Weintechnikparadiese dargestellt, in denen alle Betriebe zu großen Getränkekonzernen gehören und alles technisch Machbare auch eingesetzt wird, um Industrieweine im Einheitsgeschmack zu machen. Dagegen stellt man Good Old Europe mit seinen kleinteiligen Strukturen, den heimeligen Familienbetrieben und dem Handwerk, das ausschließlich hier fröhliche Urständ feiern soll.

Weinindustrie mit für eine Zielgruppe "gemachten", aber im Grunde uninteressanten Weinen findet man auf dem Alten Kontinent, wie es auch in der Neuen Welt das familiengeführte Zehn-Hektar-Weingut gibt: Dort werden Rebstöcke und Trauben wie Prinzen behandelt, es entsteht Wein, der auch hier königlich schmeckt und keinem Klischee zuordenbar ist. Da sich manche Betriebe Export aufgrund fehlender Strukturen à la großer internationaler Getränkekonzerne schlicht nicht leisten, sind sie hier seltener zu finden.

Faszinierend am Wein generell ist die Geschmacksvielfalt, die beim Vergären von Traubensaft hervorgebracht wird: dank der geografischen Gegebenheiten, der Sorten und dessen, was der jeweilige Weinmacher aus ihnen rausholt. Südafrika ist übrigens so ein Weinland, das heute aus der Wahrnehmung verschwunden ist. Durch die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 rückt es wieder in den Blickpunkt - eine gute Gelegenheit Snobismus aufzugeben. (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo/09/10/2009)

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    Erinnerung an frühere Abende, an denen man sich oft mit Weinen aus Australien, Chile, Kalifornien oder Südafrika vergnügte.

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