Mehr Freiraum geben

10. Oktober 2009, 12:00
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Ein Prachtband illustriert die Geschichte der Modezeichnung seit 1900

Sie ist Anbeginn, Exposé und zugleich künstlerisches Endprodukt im kreativen Prozess des Modedesigns: die Modezeichnung. Der Schöpfungsakt vieler Couturiers ist bestimmt vom Initial des Bleistift- oder Pinselstrichs, um den im Kopf bereits fixierten, fantasievollen Ideen letztendlich Leben einzuhauchen.

Die Geschichte der Modezeichnungen reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Eine der berühmtesten Sammlungen, Cesare Vecellios De gli habiti antichi et moderni, enthält 420 Holzschnitte mit Darstellungen internationaler Trachten und Bekleidungen. Oft wurde die Modeillustration, als rein deskriptives Medium, als trivial apostrophiert. Bedeutung bekam die Modezeichnung als eigenständiges Genre zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit dem Aufkeimen von Modezeitschriften.

Die Kunsthistorikerin Cally Blackman versammelt in ihrer Historie mehr als 400 der schönsten Modeillustrationen von 1900 bis heute. Modeschöpfer wie Paul Poiret definierten, auch in Kooperation mit Varieté und Theater, neue künstlerische Ansätze, stilprägende Modebibeln wie Vogue und Harper's Bazaar engagierten Künstler wie Erté, René Gruau, Andy Warhol oder Steven Stipelman. Als Widerpart zur fotografischen Abbildung bieten handgefertigte Skizzen naturgemäß mehr Freiraum, den Kreationen subtil Eigenleben zu verleihen.

Zeichnungen von Größen wie Coco Chanel, Karl Lagerfeld, Gianni Versace et alii replizierten selbstverständlich stilistische Metamorphosen aus anderen Kunstgattungen - Stichwort: Art- déco, Jugendstil, Pop-Art -, wie auch vice versa deren Entwürfe symbiotisch zu Spiegelbildern der Modedesigner mutierten. (Gregor Auenhammer/Der Standard/rondo/09/10/2009)

  • Cally Blackman: "Modezeichnungen". 384 Seiten, EURO 41,10,-. Collection Rolf Heyne 2009
    foto: verlag

    Cally Blackman: "Modezeichnungen". 384 Seiten, EURO 41,10,-. Collection Rolf Heyne 2009

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