Bei einem Seminar in Tettnang lernte Conrad Seidl, wie wenig besseres Bier kosten muss
Neulich, beim Erntedankfest des Bauernbunds auf dem Wiener Heldenplatz, sind wir darauf zu sprechen gekommen, wie wichtig eigentlich die bäuerliche Arbeit für die Brauereien ist. Klar: Ohne Braugerste (und in viel geringerem Maße: Brauweizen) gibt es kein Malz. Und gäbe es die aufwändig zu pflegenden Hopfenkulturen nicht, fehlte dem Bier der gewohnte herbe Geschmack.
Nun: Es ist von beidem ausreichend vorhanden, auch wenn die heimischen Ernten in diesem Jahr deutlich bescheidener ausfallen als zuletzt. Nach den Beteuerungen des Brauereiverbandspräsidenten Markus Liebl wird sich das aber auf den Preis des fertigen Bieres kaum auswirken. Er betont zwar, dass die Rohstoffkosten beim Brauvorgang (neben den Energiekosten) erheblich sind, aber beim Preis eines Krügerls schlagen Schwankungen nur wenig durch.
Wie wenig beispielsweise der Hopfenpreis ausmacht, konnte die Fachwelt im August auf dem Deutschen Hopfentag in Tettnang am Bodensee erfahren. Der deutsche Hopfenexperte Adrian Forster ließ die Teilnehmer fünf gleich gebraute Biere verkosten, die sich lediglich in der Art (aber nicht der Intensität) der Hopfung unterschieden. Es waren Biere, die dem internationalen Massengeschmack entsprechen - also schlank mit geringer wahrnehmbarer Bittere.
Aber diese wurde in jeder der Proben durch anderen Hopfen, der zu unterschiedlichen Zeitpunkten dem Sud zugegeben wurde, dargestellt. Die Ergebnisse waren deutlich zu unterscheiden: Während das "Nullbier" einfach mit Isoalphasäure (dem reinen Bitterstoff des Hopfens) gewürzt war, wurde ein vergleichbarer Bitterwert in den anderen Proben durch unterschiedliche Aromahopfen erzielt. Dabei zeigen sich eine Reihe von sonst verborgenen Tugenden des Hopfens: Die Vergleichsbiere zeigten nicht nur ein feines Hopfenaroma, das dem Nullbier abging, sie waren durchwegs auch vollmundiger und hatten eine deutlich angenehmere Bittere.
Und das zu einem durchaus vertretbaren Preis. Forster rechnete vor, dass das nur mit Isoalphasäure gehopfte Bier pro Hektoliter Hopfungskosten von 0,35 Euro aufwies, während das am verschwenderischsten (nämlich am spätesten mit teurem Aromahopfen) gehopfte Bier pro Hektoliter grünes Gold im Wert von 1,24 Euro aufnahm. Das sind 0,62 Cent pro Krügerl fertigen Bieres. Das sollte guter Geschmack doch wert sein. (Conrad Seidl/Der Standard/rondo/18/09/2009)