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Das boudoireske Interieur ist durchaus heftig, an der exzentrisch hohen Qualität von Angebot und Service ändert das aber gar nichts.

Eines gleich vorweg: Ein Lokal wie das frisch eröffnete "Orlando di Castello" muss man sich erst einmal leisten. Als Betreiber wohlgemerkt - für Konsumenten fällt der Besuch durchaus kulant aus. Die Kombination aus erlesen puderigem Interieur und feiner Innenstadtadresse, aus gut frisiertem, herzerfrischend liebenswürdigem Personal und aufsehenerregender Karte, aus exklusiven Zutaten und leistbaren Preisen - die ganze ausgesuchte Exaltiertheit, die diesen Ort in hellem Licht erstrahlen lässt - das geht augenscheinlich ins Geld. Nun muss man sich um Karl Wlaschek jun. in dieser Hinsicht keine Sorgen machen. Der Sohn des Immobilien-Tycoons hat sich hier einen Ort erschaffen, der ganz offenbar den international geschärften Bedürfnissen eines wohlgepolsterten "man about town" entspricht.
Das beinhaltet eine Reihe von Angeboten und Eigenschaften, die Wien zu lange vermissen ließ, und zwar keineswegs nur für verwöhnte Millionäre. Schon gar in dieser geballten Ladung. Als Erstes sind wohl die Croissants, Brioches, Pains au chocolat und anderen Viennoiseries zu nennen, die es (auch zum Mitnehmen) immer nur bis 11 Uhr vormittag gibt. Sie kommen aus hauseigener Fertigung, sind von original französischer Köstlichkeit und machen gleich zum Morgenespresso (exzellent und am Tresen um einen Euro wohlfeil) deutlich, wie ausgesprochen gut es das Leben mit einem meint. Mehr kann man von Plunder nicht erwarten. Dabei sind sie kaum mehr als ein Vorgeschmack auf das, was sonst noch aus der Patisserie kommt.
Fein ziselierte Geschmackstorpedos
Da kann sich das Land von Sachertorte und Linzer Auge nämlich anschnallen. Chefpatissier Pierre Reboul ist nicht bloß Franzose, der sich in New Yorker Top-Küchen verdingt hat. Sondern einer von der Sorte, die Süßigkeiten wie Pretiosen behandeln, bis sie in ihrem ziselierten Raffinement an Haute-Couture-Accessoires erinnern: Filigrane Geschmackstorpedos, die mit hoher Kunstfertigkeit aus allerhand Mousses, Mandelcremes, Karamellkrokant und bester Valrhona-Schokolade aufgeschichtet und modelliert werden, mit prallfrischen Früchten ausdekoriert und so wunderhübsch anzusehen, dass man es kaum erwarten kann, bis sie den Weg von der Vitrine an den Tisch gefunden haben (Tipp: das Baiser-Wunder mit dem hübschen Namen "Juicy fruit"). Süße Schmuckstücke von solcher Design-Delikatesse gab es bislang nur in Weltmetropolen, bei Ladurée und Pierre Hermé, im Londoner Yauatcha oder bei Payard in New York, zu verinnerlichen.
Das ist aber noch lange nicht alles, schließlich gibt es auch richtig zu essen und zu trinken. In der Küche steht mit Martin Pirker der einstige Küchenchef von Kurt Gutenbrunners New Yorker Edelwirtshaus "Blaue Gans", ein Rückimport, der uns Daheimgebliebenen viel Gutes mitbringt: Die mit Abstand besten Fritten des Landes etwa, dazu hochklassige Sandwiches, sehr erwachsene Steaks und, hoppla, einstweilen noch gar winzige (wenngleich deliziöse) Gourmet-Burger. Weiters hochentwickelte Pastagerichte, einen aufwändig präsentierten Caesar's Salad, allerlei leichte Teller mit zart behandeltem Edelfisch - was Models und ähnlich schöne Menschen sich halt so reinschieben. Nur bei den hierorts so beliebten Sättigungsbeilagen heißt es: Fehlanzeige. Weit und breit kein Knödel oder Nockerl in Sicht, dafür allerhand köstliches Brot (auch glutenfreies!) vom hier schon oft gelobten Bäcker Erich Kasses. Ob die Wiener für diese Art von Pariser Flair bereit sind?
Bescheiden kalkulierte Weinliste
Kompromisslos ist auch die Getränkekarte: Es gibt zwei Biere vom Fass, sehr gut - bloß kommen beide aus Belgien, namentlich aus den international bestens etablierten, (für heimische Bierpatrioten aber höchst exotischen) Brauereien Leffe und Hoegaarden. Grandiose, obergärige Biertypen mit vielschichtig schillerndem Aroma - ja, sag du mir! Dasselbe gilt für die bescheiden kalkulierte Weinliste, von der sämtliche Positionen auch glasweise zu haben sind. Bis auf einen Veltliner von Zahel stammt nichts, gar nichts aus Österreich. Loire, Burgund, Friaul, Südtirol, Sizilien, Priorat: Alles mit prächtigen, leistbaren Flaschen vertreten. Nur unser aller bestes Weinland von allen hat ausnahmsweise Pause. So kompromisslos kann nur auswählen, wer nur sich selbst als Wirt genügen muss.
Angesichts dieser Fülle an Qualität ist es gar nicht so entscheidend, ob einem das vor Exaltiertheit schimmernde, mit allerhand weißem Leder, Samt und anderem Designer-Schnickschnack ausstaffierte Lokal geschmacklich zusagt oder nicht (vielen Frauen scheint es auf Anhieb zu gefallen). Ganz abgesehen davon, ob man einen Ort von so ausgesuchter Künstlichkeit jemals für sich entdecken wollte: Vieles von dem, was hier geboten wird, hat es in der Stadt bisher nicht gegeben - jetzt weiß man, dass es gefehlt hat. (Severin Corti/Der Standard/rondo/18/09/2009)
Orlando di Castello
Freyung 1
1010 Wien
Tel.: 01/533 7629
Mo-Sa 7.30-23 Uhr
VS EURO 3,80-12,40, HS EURO 10,40-24,20, Daily Special EURO 7,80-11,80 (variabel), Frühstück, Patisserie ab EURO 3,50
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Wir kamen um 11.27 an. Der Chef brachte uns zu einem freien Tisch mit der Frage, ob wir frühstücken wollten. Wir bestätigten. Er brachte die Karte und ging. 15!! Minuten später kam eine Kellnerin, bei der wir unser Frühstück bestellen wollten und die uns mitteilte, dass es Frühstück nur bis 11.30 gäbe. Auf meine Frage nach einem weichen Ei und einem Stück Baguette (laut Karte Frühstück "Soldier") war sie betrübt, aber das könne man nicht mehr zubereiten! Wenn man uns um 11.25 sagt, dass es nur noch 5 Minuten Frühstück gibt, bestellen wir schnell und kommen das nächste Mal früher. Doch uns freundlich zum Frühstück zu empfangen und dann nicht einmal mehr ein weiches Ei servieren zu können, das geht auch in Wien nicht.
warum schon um 07.30 Uhr geoeffnet wird. Fuer viele halt nicht mitten in der Nacht. Ist ja keine Saufhuette, daher die Sperrstunde um 23.00 einleuchtend. Leute die um 23.00 Uhr zum Abendessen gehen gibts in Wien wohl eher wenige und den nur halbgeleerten Dessertteller werdens einem wohl auch nicht um
Punkt 23.00 vom Tisch ziehen.
Zum "Französischen Frühstück": Ich glaube Wolfram Siebeck hat einmal gesagt oder geschrieben, es sei ein Naturgesetz, dass Länder mit einfachem, frugalen Frühstück eine ausgezeichnete Küche haben und Länder mit reichlichem Frühstück eine miserable. Da ist was dran. Auch wenn sich das global verschliffen hat. Nur, kulinarhistorisch gibts kein "Französisches Frühstück!
Noch was: es betrübt mich schon, dass STANDARD-Leser einen Namen mit 5 (fünf) Buchstaben am Keyboard nicht reproduzieren können! Der Mann heißt nicht Cort, wie unsere charmante Pariser Gastarbeiterin meint, sondern Corti, so ist auch der Artikel signiert. Für österreichische Menschen meiner Generation, hat der Name Corti einen beträchtlichen kulturhistorischen Wert!
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