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Ordinär oder edel? Passend oder nicht? In oder out?
+++Pro
Von Mia Eidlhuber
Meine Damen, in der Mode ist es manchmal wie in der Physik. Und da geht es dann eben nicht um solch profan läppische Fragen wie: ordinär oder edel? Passend oder nicht? In oder out? Schon einmal etwas von kommunizierenden Gefäßen gehört? Also, wenn jetzt in der Welt der Rocklängen zum Beispiel immer mehr Stoff dazukommt, dann muss auch bei den Stiefeln mehr Stoff drankommen. Es wird ja auch schon wieder kälter. Genau. Herbst, Winter. Und da hat so ein Overknee-Stiefel ganz einfach seine Vorteile. Er hält uns nicht nur die Füße und die Wadln schön warm, sondern gleich auch noch die Oberschenkel mit dazu. Gewissermaßen Leggings als Schuhe, ein Korsett für müde Beine. Aber das ist noch längst nicht alles. Ich sage nur: Nie wieder aufgeschlagene Knie! Beim Wettlaufen um Schönheit, ewige Jugend und um den letzten Trend. Also, meine Damen, jetzt sag ich: Baba und fallt ruhig! Dafür darf man schon ein paar hundert Euro tief in die Tasche greifen. Aber das wiederum hat mehr mit Metaphysik zu tun.
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Contra---
Von Jutta Kroisleitner
Ich stelle meine Schuhsammlung gerade auf Herbstzeit. Die Anzahl des Schuhwerks bleibt geheim, ich stiefle im dreistelligen Bereich. Gerne erinnere ich mich an 2006, als ich Barcelona später verließ als die anderen. Ich wartete, bis das Geschäft mit den schrägsten Overknee-Stiefeln öffnete. Schön war's 2007 in Prag, als mir silberne Overknees quasi nachgeworfen wurden - ahoj Barbarella! Das nächste Paar erstand ich in Paris - mit Eiffelturmabsatz! Was wurde bloß aus den gummierten von Sergio Rossi, die ich 2008 verschämt in den Caritas-Container stopfte? Lisi hilft bei der Neuordnung des Fundus und meint: "Ohne Overnknee-Böck' braucht man in diesem Jahr eh gar nicht mehr vor die Haustür." Die Vorstellung, dass Heerscharen d'Artagnans durch die Stadt marschieren, produziert bei uns ordentlich Schwindel. Seit Juli in allen Magazinen und Auslagen, bald über jedem Knie? Overkill durch Overknees; ich lass meine lieber in ihren Schachteln, bette sie auf rosa Seidenpapier und packe sie zurück in den Kasten - heuer ganz nach hinten. (Der Standard/rondo/11/09/2009)
Die Suche in Taschentiefen oder Zimmerfluchten ersparen oder Understatement mit einem einzigen Klingelton
Am Ende eines gemütlichen Kaffeehaustages kann sich die Übersicht leicht eintrüben - Oder: Dies wäre eine Infragestellung der Integrität des sinnierenden Stadtmönchs
Die dumme Augustine trug sie und wurde umjubelt, aber der Modetrend gilt als Gegenteil von Freiheit
So ein charakterstarker Sattelschutz gibt uns den allerschönsten Schliff im Meer des seriösen Gleichklangs - Oder: der Schoner steht dem Wesen des Radfahrens entgegen
Die gedruckte Zeitung darf nicht sterben - oder: Wenn gedruckte Gedanken zu Wischdiensten abkommandiert werden, sterben sie einen feuchten Tod
Maunchmoi is scho vü gscheida, ma bleibt bei dem wos ma dalernt hot oder Hochsprache ist Facebook-Sprache
Ein Zeichen einer erwarteten Gemütlichkeit oder so graziös wie Bambi auf dem zugefrorenen Teich
Einen Goldfisch damit nach Hause transportieren oder Liebe geht durch den Magen
Weshalb das viel gepriesene "Runner's High" in der Stadt mitunter auf sich warten lässt und das duch-die-Stadt-joggen eine Sightseeing-Tour ersparen kann
Ein gerade unübertreffliches Glücksrezept oder logistischer Stress durch neumodisches Brauchtum?
Seine Entscheidung - "eine oda auße?" - jederzeit staufrei revidieren oder es ist nicht der Mensch, der den Rhythmus vorgibt
"Damit sich nicht wieder irgendein Armleuchter in den Luster hängt" oder "Fröhlichkeit ganz ohne Alkohol ist immer etwas gezwungen"
"Welcher Superstar wird dich heiraten?" oder Danke, wir wollten es echt nicht so genau wissen
Her mit der heißen Ware, oder sind erotische Geschenke einfach nur peinlich?
"Das WC ist nicht Rückzugsraum, sondern reine Bedürfnisanstalt" oder: "Undenkbar, dieses Elend den Blicken einer weiblichen Laufkundschaft preiszugeben"
Wer die Lure aus dem Stockwerksautomaten am Platz genießt, versäumt nichts Spannendes - oder die Sitten im Büro sind immer nur so rau wie das Leben auf der Straße
Rockgott versus Gott der Allmächtige - zumindest wenn es um die Frage nach hell oder dunkel geht
Heißer Tee, Suppe oder auch Punsch oder die Eismischerzunft soll endlich auf den Klimawandel reagieren
Weshalb der Alltag der KollegInnen schon interessant ist und portionierte Grußbekanntschaften einem weißen Wal das Leben schwer machen
"Mindestens haltbar bis ..." - "Best before" ist schlicht irreführend übersetzt oder ein farbenprächtiger Abdruck einer Fontäne an der Toilettenwand
In der Leichtigkeit muss man das Üppige wählen oder der Schaum, ein Traum
Wer nicht mit Kanonen auf Brösel schießt, greift zum Bartwisch und dessen Zwilling, dem Schauferl oder ihr Traditionsritter von der traurigen Gestalt
Gluck, gluck, und runter damit oder rot steht für Wärme, Leidenschaft und große Gefühle
Man kann sich, muss sich aber nicht festlich kleiden oder das Wohnzimmer ist und bleibt eine pinguinfreie Zone!
schaut gut aus
http://www.youtube.com/watch?v=bhI4FOJG59w
Ich glaube, es kommt auf die Kombination an. Ich hab mir letztens eine 7/8 Jeans gekauft und da braucht man einfach hohe Stiefel dazu. Hab mich zwar noch nicht getraut, Overknee Stiefel zu kaufen oder auch nur zu probieren, aber die Kombination könnte gut ausschauen. Wenn man natürlich einen ultrakurzen Minirock und ein Top mit tiefem Ausschnitt zu den Overknees anzieht, dann sieht es definitiv nuttig aus. :)
Über Geschmack läßt sich streiten :)) Über einen Begriff wiederum läßt sich oft durchaus 'verbindlich' reden: heute ist ja Hofer eine Art 'billiger Laden', das also, was früher Billa (Karl Wlaschek: 'billiger Laden' > Billa) war; im Duden Deutsches Universalwörterbuch findet sich das so: bi|llig <Adj.> mhd. billich, ahd. billih = recht, angemessen, gemäß, wohl zu > Bild u. urspr. = passend, angemessen ... Wenn also mehr eine ursprüngliche Bedeutung des Wortes 'billig' für die Verwendung dieses Begriffs zum Tragen kommt, ist 'nuttig' und 'billig' ja praktisch ein Gegensatz ... :))
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