Weshalb man Kuhhörner vergräbt, erzählt Luzia Schrampf
Winzer, die biodynamisch arbeiten, stopfen Kuhdung in Hörner von Kühen, die gekalbt haben, und vergraben diese mit der Öffnung nach unten im Weingarten. "Muss ich das ernst nehmen?", fragt da der Skeptiker.
Das Kuhhorn ist mit Abstand das beliebteste Beispiel, um zu belegen, wie absurd biodynamische Methoden sind. Zweifler fordern daher gern wissenschaftliche Aufklärung, die kürzlich bei einem Vortrag über Biodynamie im Weinbau auch geliefert wurde. An diesem Vormittag ging es weit weniger um kosmische Konstellationen und Kuhhörner, die als Antennen ins All wirken sollen, als um deutlich Bodenständigeres: zum Beispiel, dass eine Voraussetzung, um von einem Rebstock gesunde Trauben zu erhalten, ein mit Bedacht auswählter Standort ist.
Auch die Kuhhornsache ist im Grunde simpel: 1. Was nach dem Kompostieren hier herauskommt, ist ein Kalziumkonzentrat, das verdünnt werden muss und dann im Weingarten auf dem Boden verspritzt wird. Kalzium ist ein Stoff, den der Rebstock in der Wachstumsphase gut gebrauchen kann. 2. Es gab unzählige Kompostierversuche in Gefäßen aus anderen Materialien wie Metall oder mit Hörnern von Stieren. Die besten Ergebnisse, das stärkste Konzentrat, lieferten Hörner besagter Kühe: Sie funktionieren am besten, da sie einen anderen Kalkgehalt haben. 3. Zeigt die Öffnung nach unten, fließt das Wasser ab und verwässert das Kompostkonzentrat nicht.
Es handelt sich also um schlichte chemische Vorgänge, die in Stoffen ablaufen, die in der Natur ohnehin vorhanden sind. Das ist angesichts von Umweltbelastung und Klimadiskussionen positiv zu sehen, selbst wenn die Vorstellung, dass dabei mit Kuhfladen hantiert wird, nicht jeden entzückt. Beispiele à la Kuhhörner etc. gibt es übrigens viele. Manche mit wissenschaftlichem Unterbau, manche ohne. Für manche wird man vielleicht nie einen finden.
Wie schmecken nun Weine aus Rebstöcken, die mit dem Zeug aus dem vergrabenen Kuhhorn behandelt wurden? Ausgesprochen gut, wenn es ein Winzer macht, der seine Sache versteht und reife, gesunde Trauben verarbeitet. Weniger gut, wenn zum Beispiel von Wespen angefressene oder faulige Beeren nicht entfernt wurden (Essigstich!) oder unreife Trauben gepresst wurden. Egal, ob biologisch produziert wurde oder nicht. (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo/11/09/2009)