Wein im Gerede

Bio-Mysterien

12. September 2009, 17:00
  • Artikelbild
    foto: apa/dpa/karl-josef hildenbrand

    Das Kuhhorn ist mit Abstand das beliebteste Beispiel, um zu belegen, wie absurd biodynamische Methoden sind.

Weshalb man Kuhhörner vergräbt, erzählt Luzia Schrampf

Winzer, die biodynamisch arbeiten, stopfen Kuhdung in Hörner von Kühen, die gekalbt haben, und vergraben diese mit der Öffnung nach unten im Weingarten. "Muss ich das ernst nehmen?", fragt da der Skeptiker.

Das Kuhhorn ist mit Abstand das beliebteste Beispiel, um zu belegen, wie absurd biodynamische Methoden sind. Zweifler fordern daher gern wissenschaftliche Aufklärung, die kürzlich bei einem Vortrag über Biodynamie im Weinbau auch geliefert wurde. An diesem Vormittag ging es weit weniger um kosmische Konstellationen und Kuhhörner, die als Antennen ins All wirken sollen, als um deutlich Bodenständigeres: zum Beispiel, dass eine Voraussetzung, um von einem Rebstock gesunde Trauben zu erhalten, ein mit Bedacht auswählter Standort ist.

Auch die Kuhhornsache ist im Grunde simpel: 1. Was nach dem Kompostieren hier herauskommt, ist ein Kalziumkonzentrat, das verdünnt werden muss und dann im Weingarten auf dem Boden verspritzt wird. Kalzium ist ein Stoff, den der Rebstock in der Wachstumsphase gut gebrauchen kann. 2. Es gab unzählige Kompostierversuche in Gefäßen aus anderen Materialien wie Metall oder mit Hörnern von Stieren. Die besten Ergebnisse, das stärkste Konzentrat, lieferten Hörner besagter Kühe: Sie funktionieren am besten, da sie einen anderen Kalkgehalt haben. 3. Zeigt die Öffnung nach unten, fließt das Wasser ab und verwässert das Kompostkonzentrat nicht.

Es handelt sich also um schlichte chemische Vorgänge, die in Stoffen ablaufen, die in der Natur ohnehin vorhanden sind. Das ist angesichts von Umweltbelastung und Klimadiskussionen positiv zu sehen, selbst wenn die Vorstellung, dass dabei mit Kuhfladen hantiert wird, nicht jeden entzückt. Beispiele à la Kuhhörner etc. gibt es übrigens viele. Manche mit wissenschaftlichem Unterbau, manche ohne. Für manche wird man vielleicht nie einen finden.

Wie schmecken nun Weine aus Rebstöcken, die mit dem Zeug aus dem vergrabenen Kuhhorn behandelt wurden? Ausgesprochen gut, wenn es ein Winzer macht, der seine Sache versteht und reife, gesunde Trauben verarbeitet. Weniger gut, wenn zum Beispiel von Wespen angefressene oder faulige Beeren nicht entfernt wurden (Essigstich!) oder unreife Trauben gepresst wurden. Egal, ob biologisch produziert wurde oder nicht. (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo/11/09/2009)

Michael Holzermayr2
11
16.9.2009, 17:48
Das darf man der Dame nicht übel nehmen.

Sie schreibt immer erst nach Verkostungen. Da geht der Überblick verloren.

videoopa
00
12.9.2009, 21:26
Volle Zustimmung zur Methode

zum Bericht und zu den Produkten....
Danke....
Demeterprodukte sind immer empfehlenswert...

wolfetone
 
34
12.9.2009, 20:14

Entschuldigen schon, aber was hier so einfach mit einem verdünnten Kalziumkonzentrat erklärt wird, das man eben im Weingarten verspritzt, sieht schon ein wenig anders aus - unter der "Verdünnung" wird in der Biodynamik nämlich eine Dynamisierung von Wasser mit dem Mist verstanden, ganz ähnlich wie bei homöopathischer Mitteln, sprich ein paar deka Mist werden mit hunderten Liter Wasser vermischt und auf ein paar Hektar verteilt.
Der schlichte chemische Vorgang ist also, daß nix passiert, weil von nix halt nix kommt.
Warum sich eine Autorin allerdings berufen fühlt für solcherlei Hokuspokus auch noch einen pseudo-wissenschaftlichen Background zu konstruieren wäre schon interessant.

jumpingjack flash
00
17.9.2009, 15:29

interessant wären die quellen - ich hab ja bisher auch gedacht es läuft sio wie sie es sagen - vielleicht werden ja hunderte hörndln vergraben um den notwendigen kalk "herzustellen" - auch würden mich dann die genauen ursachen interessieren waum es just jungkuhhörnderln besser können als die von stier, kalb ect.

neulichtsichel
01
17.9.2009, 17:36

Die Quellen liegen im menschlichen Drang,
unbedingt betrogen werden zu wollen!

lalle laller
21
12.9.2009, 18:40
danke

super artikel!
demeter meines erachtens auch.
viel mehr wie das standard industrie – bumping bio.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.