Rechner aus, Buch auf!

3. September 2009, 17:00
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    foto: verlag

    Frauen an die Rechner, Männer an den Herd: Vier neue Bücher dienen beiden Geschlechtern.

Vier Lesetipps für alle, die Computer lieben - oder mit ihnen arbeiten

Kochen für Nerds

Wir wollen hier niemandem etwas unterstellen: Aber sollte es technikaffine Leserinnen und Leser dieser Zeilen geben, die PC oder Bastelkeller schon einmal eingetauscht haben mit dem Versuchslabor Küche und dort an Eigenkreationen kläglich gescheitert sind: Es hat sicher nur an der Inspiration gefehlt.

Die liefert Patrick Buckley, Absolvent des renommierten Massachusetts Institute of Technology. Gemeinsam mit Lily Binns liefert er in The Hungry Scientist Handbook Ideen für Menschen mit wissenschaftlicher Experimentierfreude am Herd. Oder die, wie es im Untertitel heißt, Interesse haben an "Elektrischen Geburtstagskuchen, essbaren Origamis und anderen Do-it-yourself-Projekten".

Für die verrückten Rezepte braucht es keinen Abschluss in Mathematik, Physik oder Informatik - aber Ausdauer, Selbstvertrauen in die Bastelkünste und natürlich Zubehör wie Lötkolben oder LEDs.

Zu den anspruchvollsten Rezepten gehört der Nusskuchen. Nicht weil der Teig schwierig zuzubereiten wäre, sondern weil das Endprodukt dreidimensional ist: ein Ikosaeder, eines der fünf besonders gleichmäßigen Vielflächern, über die einst Platon schrieb. 20 Nusskuchen in Form gleichseitiger Dreiecke füge man mittels Magneten aneinander, auf dass ein Kunstwerk mit 12 Ecken und 30 Kanten entstehe. Wem das gelingt, der sollte einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde verdient haben.

Patrick Buckley, Lily Binns: "The Hungry Scientist Handbook". Verlag Collins Living 2008, 14,99 EURO

Computerbibel für Frauen

Nicht jede Frau kann einen Systemadministrator zum Mann haben. Und nicht jede kann ein Geek Girl sein, ja, so nennen sich smarte Frauen mit Web- &, Programmier- und sonstiger Rechner- affinität. In Wien treffen sich ebenjene regelmäßig zum Geek Girl Dinner, doch das nur nebenbei. Wer keine Geeks kennt, braucht nur noch How to be a Geek Goddess: ein großartiger Technologie-Ratgeber ohne den Hauch von Wichtigtuerei, die Männer bei dem Thema gerne an den Tag legen. Hier gibt es Antworten auf alle Fragen, die sich um Hard- oder Software, drahtlose Vernetzung, (Kinder-)Sicherheit, Gadgets oder soziale Netzwerke drehen. Durchaus anspruchsvoll, doch gut verständlich geschrieben - bloß Englisch muss frau können.

Christina Tynan-Wood: "How to Be a Geek Goddess". No Starch Press 2009, 21,55 EURO

Fibel für E-Mail-Jünger

Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf - gerade im Web. Ums höfliche Verhalten ist es dort nicht gut bestellt: Der E-MailVersand etwa verleitet oft zu einem Jargon, der mit salopper Kumpanei und unstandesgemäßer Albernheit noch freundlich umschrieben ist. Diesem Sittenverfall will das Büchlein Über den Umgang mit E-Mails entgegenwirken. Zehn Regeln präsentiert das Benimmbuch der Hamburger Werbeagentur Scholz & Friends. Wer sich an den Nachfolger von Adolph Knigge hält, erreicht nicht nur angemessene Verständigung via E-Mail: Zugleich ist der Band ein Appell, sich aus dem Würgegriff permanenter Mail-Korrespondenz zu befreien. Zwecks Reglerläuterung wird ein amüsanter Spaziergang durch die Geschichte menschlicher Mitteilung unternommen, mithilfe von Persönlichkeiten wie Cäsar, Thomas Mann oder Bud Spencer.

Gewiss, dieser schmaler Band wird keine digitale Kulturrevolution auslösen. Doch der Fibel Witz und nicht zuletzt die liebevoll gestalteten, gold-geprägten Illustrationen von Alfred Schüssler im groben Leinenband laden ein, sich für eine Weile vom Joch des "Sie haben Post!"-Signals zu lösen. Oder man sucht damit als Geschenk einen geschätzten Menschen auf - und befolgt Regel 7: "Mehr Reden, weniger E-Mails".

Scholz & Friends (Hrsg.): "Über den Umgang mit E-Mails". Verlag Hermann Schmidt Mainz 2009, 15 EURO

Online-Führer für (Neu-)Wiener

Schon eine seltsame Idee, rund 43.000 Seiten der URL www.wien.at zwischen zwei Buchdeckel pressen zu wollen. Wozu?, fragt sich der Websurfer, der Stadtpläne, Veranstaltungen oder Radrouten eh nur noch mit der Maus sucht.

Virtuelles Wien ist im Grunde ein überdimensionierter Werbeflyer der Stadt und seiner Onlineangebote. Er zeigt, wie Wiener vom Webangebot profitieren: vom virtuellen Amt - Hochzeiten oder Hunde anmelden - über visualisierte Geschichte bis zum 3-D-Stadtmodell oder zu Wiens eigenem Online-TV-Sender.

Das hat einen zentralistischen Beigeschmack, als bräuchte man nichts außer wien.at. Interessant wird das Buch allerdings, wenn es den ewig zappenden Surfer auf Nettigkeiten stößt wie die Online-Parkplatzbörse, die Baustellenvorankündigung, die virtuelle Grabstellensuche. Und fotografisch betrachtet: ein hübscher Schmöker für Wiener und alle, die es werden wollen.

Johannes Luxner: "Virtuelles Wien". Bohmann Verlag 2009, 79,50 EURO
(Peter Illetschko, Mareike Müller, Johannes Lau/Der Standard/rondo/04/09/2009)

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