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Richtig hübsch musst du das machen, mein Kind, auf diese Weise sagst du dem Herrgott Danke.
+++Pro
Von Wojciech Czaja
Meine Oma, die hat gewusst, wie's geht. In Sachen Tagesdecken- und Zierkissen-Philosophie, da war sie eine Gesandte des Himmels. Wenn du in der Früh aufstehst, hat sie immer gesagt, dann musst du dich beim Herrgott erkenntlich zeigen. Wofür, hab ich dann gefragt. Na dafür, dass ein neuer Tag beginnt. Zieh mal an der Decke, mein Kind, hat sie dann gesagt. Und dann, wenn alles bis zur absoluten Faltenlosigkeit fertiggezupft war, hat sie die Kissen aus ihrer nächtlichen Quetschung im Bettzeugraum des Betts befreit und sorgfältig über die zur Schönheit erblühte Schlafstatt verteilt. Richtig hübsch musst du das machen, mein Kind, auf diese Weise sagst du dem Herrgott Danke. Zierkissen auf Tagesdecke also. Zugegeben, das hat genervt. Jeden sommerlichen Ferientag aufs Neue. Doch die Oma wäre nicht die Oma, wenn das alles nicht auch etwas Gutes gehabt hätte. Bei ihr, da hat man gewusst, wann der Tag beginnt und wann er aufhört. Das Kissen hat's gesagt. Und was ist heute? Strukturlosigkeit. Hackeln ohne Anfang und ohne Ende. Ach, Oma!
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Contra---
Von Karl Fluch
Das Zierkissen - eigentlich der Zierpolster, weil, bitte, wo samma denn? - kann gar nichts dafür. Das Problem ist der Mensch. Weil der mittlerweile alle einst zum Überleben notwendigen Zeitvertreibe outgesourct hat, bleibt ihm viel Zeit für Blödheiten. Eine der größten ist das vermeintliche Behübschen der Behausung mittels Zierrat. Ein diesbezüglicher Klassiker war vor der Welteroberung des Mobiltelefons das gehäkelte Deckerl, auf das der Festnetzapparat gestellt wurde - nur um damit die Haftfähigkeit seiner Gumminoppen aufzuheben, was den Apparat bei fast jedem Wählen und Gespräch in Absturzgefahr brachte.
Zierfisch? Für die Fisch. Zierleiste? Für die Lehrerin, also auch für die Fisch. Das Zierkissen ist da keine Ausnahme. Liegt rum, wo man sitzen möchte. In seiner Funktion als Polster ist es nicht zu gebrauchen, weil sich abgehender Speichel eher negativ auf seine dekorative Bestimmung auswirkt. Also ab damit in den Kübel. Den dort drüben. Den mit dem Mascherl und dem selbstgestrickten Mäntelchen. (Der Standard/rondo/28/08/2009)
Die Suche in Taschentiefen oder Zimmerfluchten ersparen oder Understatement mit einem einzigen Klingelton
So ein charakterstarker Sattelschutz gibt uns den allerschönsten Schliff im Meer des seriösen Gleichklangs - Oder: der Schoner steht dem Wesen des Radfahrens entgegen
Die dumme Augustine trug sie und wurde umjubelt, aber der Modetrend gilt als Gegenteil von Freiheit
Maunchmoi is scho vü gscheida, ma bleibt bei dem wos ma dalernt hot oder Hochsprache ist Facebook-Sprache
Die gedruckte Zeitung darf nicht sterben - oder: Wenn gedruckte Gedanken zu Wischdiensten abkommandiert werden, sterben sie einen feuchten Tod
Einen Goldfisch damit nach Hause transportieren oder Liebe geht durch den Magen
Ein Zeichen einer erwarteten Gemütlichkeit oder so graziös wie Bambi auf dem zugefrorenen Teich
Ein gerade unübertreffliches Glücksrezept oder logistischer Stress durch neumodisches Brauchtum?
Weshalb das viel gepriesene "Runner's High" in der Stadt mitunter auf sich warten lässt und das duch-die-Stadt-joggen eine Sightseeing-Tour ersparen kann
"Damit sich nicht wieder irgendein Armleuchter in den Luster hängt" oder "Fröhlichkeit ganz ohne Alkohol ist immer etwas gezwungen"
Seine Entscheidung - "eine oda auße?" - jederzeit staufrei revidieren oder es ist nicht der Mensch, der den Rhythmus vorgibt
Her mit der heißen Ware, oder sind erotische Geschenke einfach nur peinlich?
"Welcher Superstar wird dich heiraten?" oder Danke, wir wollten es echt nicht so genau wissen
Wer die Lure aus dem Stockwerksautomaten am Platz genießt, versäumt nichts Spannendes - oder die Sitten im Büro sind immer nur so rau wie das Leben auf der Straße
"Das WC ist nicht Rückzugsraum, sondern reine Bedürfnisanstalt" oder: "Undenkbar, dieses Elend den Blicken einer weiblichen Laufkundschaft preiszugeben"
Heißer Tee, Suppe oder auch Punsch oder die Eismischerzunft soll endlich auf den Klimawandel reagieren
Rockgott versus Gott der Allmächtige - zumindest wenn es um die Frage nach hell oder dunkel geht
"Mindestens haltbar bis ..." - "Best before" ist schlicht irreführend übersetzt oder ein farbenprächtiger Abdruck einer Fontäne an der Toilettenwand
Weshalb der Alltag der KollegInnen schon interessant ist und portionierte Grußbekanntschaften einem weißen Wal das Leben schwer machen
In der Leichtigkeit muss man das Üppige wählen oder der Schaum, ein Traum
Gluck, gluck, und runter damit oder rot steht für Wärme, Leidenschaft und große Gefühle
Wer nicht mit Kanonen auf Brösel schießt, greift zum Bartwisch und dessen Zwilling, dem Schauferl oder ihr Traditionsritter von der traurigen Gestalt
"Du, in meinem Zelt ist eh Platz für zwei!" oder eine Mischung aus Schweiß und Uringeruch
Man kann sich, muss sich aber nicht festlich kleiden oder das Wohnzimmer ist und bleibt eine pinguinfreie Zone!
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