Pech nicht abstreiten

28. August 2009, 09:51
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Und was ist mit dem Pech, gegen das wir nichts tun können?

"Wie viel vom Glück ist nun verhindertes Unglück?", fragte Yvonne. "Sicher 70, wenn nicht 80 Prozent", sagte Leslie sehr bestimmt. Sie lag mit ihren Freundinnen am Strand und versuchte Melonenkerne punktgenau auf ihre Zehennägel zu spucken. "Und was ist mit dem Pech, gegen das wir nichts tun können?", fragte Zora. "In diesem Dorf zum Beispiel, da muss ein Mann die Wasserpumpe in der Nacht einschalten. Aber wenn er betrunken ist, dann vergisst er darauf. Und am nächsten Tag hat keiner Wasser. Die Leute hier haben einfach Pech mit diesem Kerl!"

Leslie zielte mit einem Melonenkern direkt in Zoras Bauchnabel: "Sie sind zu mindestens 30 Prozent selbst schuld an ihrem Unglück, weil sie ihm die Pumpe nicht wegnehmen", sagte sie. "Das ist genauso, wie wenn ich die Melone ins Meerwasser lege, und du isst sie und beschwerst dich danach, dass sie salzig schmeckt. Du musst sie ja nicht essen!"

Zora machten Leslies Worte zornig: "Ich bestehe darauf, dass ich nichts mit dem Verhalten dieses Pumpenkerls und mit deinem Verhalten gegenüber Wassermelonen zu tun habe! Alle die Leute, die auf euch hineinfallen, haben reines Pech! Und das muss man anerkennen. Denn das Unglück rührt auch daher, dass Menschen wie du, die glauben, man könne sich das Glück selbst richten, die Unglücklichen auch noch für deren Pech verantwortlich machen." Zora lehnte sich zufrieden zurück, weil ihre Freundinnen nun nichts mehr sagten. Und sie stellte sich vor, wie eine Ziege zu dem Pumpenverantwortlichen schlich und ihm die Feigen vom Baum stibitzte. (Adelheid Wölfl/Der Standard/rondo/28/08/2009)

  • Das ist genauso, wie wenn ich die Melone ins Meerwasser lege, und du
isst sie und beschwerst dich danach, dass sie salzig schmeckt.
    foto: photodisc

    Das ist genauso, wie wenn ich die Melone ins Meerwasser lege, und du isst sie und beschwerst dich danach, dass sie salzig schmeckt.

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