Entgiften

20. August 2009, 15:44
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Am sympathischsten ist Entgiftung als geröstete Leber - Oder: Leiden und stinken

+++Pro
Von Harald Fidler

Könnten wir uns auf zwei, drei kleine Punkte einigen? Zur verbalen Entgiftung? a) Fasten ist im August ein originelles Thema und b) auch in den übrigen elf Monaten kein wirklich guter Plan. Außer, man will nach dem Hungern erst so richtig Speck anlegen, zum Beispiel für eine Sumokarriere. Die letzten Muskeln runterhungern, Fett aufbauen, so liegen Sie (entkräftet) richtig. c) taucht Fasten blitzschnell auf, wenn's ums Entgiften geht, doch das ist definitiv kein zwingender Schluss. Für's Entgiften reicht Verzicht etwa auf Alkohol und/oder Kaffee völlig. Warum denn gleich nichts futtern? d) klingt auch Entgiften seltsam, ist aber e) seiner Idee nach gar nicht so blöd. Wenn wir uns vom unsympathischen Begriff des Gifts lösen (damit wir hier die zwingende Dosis Paracelsus auslassen können). Wie wäre es f) mit temporärer Askese? Betonung auf temporär. Denn wovon sollten sich unsere Organe sonst in diesen grundvernünftigen Phasen erholen?

PS: Am sympathischsten ist Entgiftung freilich als Organ vom Tier, Leber g) - geröstet mit Zwiebeln.

Contra---
Von Karin Pollack

Eines einmal gleich vorweg: Gift gibt es im Körper nicht, sagen die Schulmediziner, und insofern ist die Idee, dass sich durch ungesund exzessive Lebensweise irgendeine Art von Dreck ansammelt, grundlegend falsch. Meist ist es deshalb auch das schlechte Gewissen, das Läuterung für begangene Lifestyle-Sünden fordert, und das Nicht-Essen, denn das ist es ja, was Entgiften eigentlich heißt, eine sehr verkürzte Form der Selbstzüchtigung.

Wer entgiftet, verweigert also meist das Essen. Die Konsequenz: mitunter bestialischer Mundgeruch nach zwei bis drei Tagen, der beziehungstechnisch und auch im Alltag zu einer wahren, weil sozialen Belastung wird. Denn Nüchternheit stinkt einfach, und Kaugummi ist während der Kuren ja ebenfalls ein Tabu.

Leiden müssen also wieder einmal die anderen: auch unter den Launen, denn Entgiftende sind selten entspannte Typen. Vor allem aber: Was bringt denn Entgiften? Kurzfristig den Eindruck, man sei sauber und rein - und deshalb dann auch schon bereit für die nächsten Sünden. (Der Standard/rondo/21/08/200)

  • Entgiftende sind selten entspannt!
    foto: rondo

    Entgiftende sind selten entspannt!

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