Herber Charme

21. August 2009, 17:00
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In Leutschach erfuhr Conrad Seidl von den Nöten der Hopfenbauern im Jahr 2009

Der Regen, der uns in der Nacht vom vergangenen Donnerstag auf Freitag erwischt hat, ist halb so schlimm. Wir sind eben noch ein wenig in dem kleinen Ausschank der neuen Leutschacher Brauerei sitzen geblieben - und als es immer stärker geschüttet hat, hat uns Peter Musger mit seinem Taxi zurück in unser Quartier geführt. Unterwegs haben wir überquellende Kanäle und die Feuerwehr beim Kellerauspumpen gesehen - aber das trifft Herrn Musger nicht so wie die Unwetter vom Juni. Denn er ist neben dem Taxigeschäft Hopfenbauer und Obmann der steirischen Hopfenpflanzer - und diese haben heuer schwere Schäden durch Hagel erlitten.

Dazu muss man wissen, dass der Hopfen eine sehr sensible Kletterpflanze ist, die auf mechanische Beanspruchung rasch beleidigt reagiert. Wind und Starkregen im Frühjahr können dazu führen, dass sich die zarten Reben von den Drähten lösen, an denen sie bei guten Bedingungen in einem enormen Tempo - bis zu 30 Zentimeter in einer Nacht - auf eine Höhe von etwa sieben Meter wachsen. Dann müssen Musger und die 14 anderen Hopfenbauern in Leutschach die Triebe neuerlich von Hand anleiten. "Der Hopfen will jeden Tag seinen Herren sehen", sagt die Erfahrung - es ist keine leichte Arbeit, mit der das herbe Aroma des Bieres erzeugt wird.

Und diese Arbeit kann ganz vergeblich sein, wenn der Hagel (wie bei vielen Pflanzen im heurigen Juni) die Haupttriebe knickt - dann erreichen die Reben in diesem Jahr nicht die volle Höhe. Sind auch noch die Seitentriebe beschädigt, gibt es viel weniger Hopfendolden und damit weniger von dem darin enthaltenen Lupulin, das für Aroma und Bittere des Hopfens (und des daraus gebrauten Bieres) verantwortlich ist. Im Juni hatte man befürchtet, dass fast die gesamte steirische Hopfenernte vernichtet wäre - so schlimm ist es glücklicherweise nicht gekommen.

"Wir werden jedenfalls genug Aromahopfen für das Reininghaus-Jahrgangspils haben", versichert Braumeister Harald Raidl, der das Gourmet-Pils für die BrauUnion braut. Aber für die anderen steirischen BrauUnion-Biere (die auf Initiative von Peter Reininghaus seit 1950 vorwiegend mit steirischem Hopfen gebraut werden) könnte es knapp werden. Mehr darüber kann man am Samstag (22. 8.) um 10 Uhr bei einer geführten Hopfenwanderung erfahren. (Conrad Seidl/Der Standard/rondo/21/08/2009)

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