Polen, mondän und rustikal

20. August 2009, 16:56
  • Artikelbild
    foto: chris_sunshine/pixelio.de

    Der 1987 Meter hohe Gipfel des Kasprowy Wierch muss nicht zu Fuß erklommen werden.

  • Artikelbild
    vergrößern 500x484
    grafik: der standard

Auf einen Besuch nach Zakopane begab sich Martin Grabner - und machte sich bei einer Floßfahrt die Füße nass

Die Einheimischen lachen über den seltsamen Journalisten aus Österreich. Vor allem über seine akribisch zusammengestellte Bergsteigerausrüstung und sein Vorhaben, den Kasprowy Wierch, den Hausberg von Zakopane, zu Fuß zu besteigen. Dabei wäre der 1987 Meter hohe Gipfel so leicht mit der einzigen Seilschwebebahn Polens zu erreichen!

Die paar Schritte bis zum höchsten Punkt kann man dann auch ohne schwere Ausrüstung bewältigen, und einen Rundumblick bekommt man von dort zur Genüge über die faszinierende Bergwelt der Hohen Tatra, des oft als kleinstes Hochgebirge der Welt bezeichneten Massivs zu beiden Seiten der polnisch-slowakischen Grenze.

Auf die nordwestlich von Zakopane gegenüber der Hohen Tatra gelegene Sonnenbergalm Gubalówka fährt auch eine Standseilbahn, von oben hat der Urlaubsgast ebenfalls eine feine Aussicht, diesmal auf das über 40.000 Einwohner zählende mondäne Sommer- und Wintersportzentrum Polens selbst. Apropos mondän. Beim Spaziergang durch die malerische Innenstadt in der ausgedehnten Fußgängerzone, der Krupówki-Straße, fühlt man sich immer wieder an die bekannten großen Fremdenverkehrsorte der Alpen erinnert. Nicht umsonst wird Zakopane oft als das St. Moritz Polens bezeichnet. Edle Boutiquen wechseln mit Sportgeschäften, dazwischen gibt es zahllose Cafés, Bars und Restaurants, alle mit schmucken Schanigärten versehen, wo der Besucher gemütlich in der Sonne sitzt. Vor allem nach einem langen, anstrengenden Ausflugstag in die Umgebung von Zakopane.

Meeresauge

Eine Tour führt beispielsweise zum berühmten Bergsee Morskie Oko, zu Deutsch "Meeresauge". Mit dem Auto oder dem Bus geht es in den Nationalpark bis Palenica Bialczañska und von dort entweder zu Fuß oder mit einer Pferdekutsche auf einem sieben Kilometer langen Weg zu dem malerischen See. Ein anderes lohnendes Ziel ist das nahe Dörfchen Chocholów. Über 30 aus Holz errichtete Bauernhäuser, zumeist aus dem frühen 19. Jahrhundert, säumen die Straße, verleihen dem Ort einen musealen Charakter und zeigen die typische, spitzgiebelige Holzarchitektur der Gegend. Eine ganz besondere Rundreise kann ebenfalls von Zakopane aus unternommen werden. Für 100 Zloty pro Person, das sind ungefähr 25 Euro, geht es zuerst zur knapp 40 Kilometer entfernten Burg von Niedzica, und anschließend wird eine zweistündige Floßfahrt durch die Dunajec-Schlucht angeboten.

Zwei Flößer in der typischen Góralentracht, der Kleidung der hier heimischen Bevölkerung, steuern das Gefährt durch Stromschnellen, links und rechts ragen bis zu 300 Meter hohe Kalksteinwände empor. Kinder und ängstliche Erwachsene werden mit Schwimmwesten versehen, die erfahrenen Flößer bringen das breite Gefährt aber immer sicher durch das manchmal reißende Wasser.

Mit dem Bus geht es dann wieder nach Zakopane, auf dem Weg gibt es noch einen Abstecher zur Holzkirche von Debno Podhalañskie aus dem 15. Jahrhundert. Sie ist die älteste Kirche Polens und wie durch ein Wunder nie zerstört worden.

Während der Busfahrt zurück macht übrigens die Geschichte über einen Wanderer die Runde, der zu Fuß auf den Kasprowy Wierch gegangen sein soll - und fast alle Ausflugsteilnehmer lachen über den seltsamen Journalisten aus Österreich.

Zwei Flößer in der typischen Góralen-tracht, der Kleidung der hier heimischen Bevölkerung, steuern das Gefährt durch die Stromschnellen, links und rechts ragen bis zu 300 Meter hohe Kalksteinwände empor. (Martin Grabner/DER STANDARD/Rondo/21.8.2009)

Anreise & Unterkunft:

Mit dem Auto: Von Wien nach Bratislava und weiter auf der Autobahn nach Zilina, Martin und Dolný Kubin durch die gesamte Slowakei bis knapp an die polnische Grenze. In Trstená rechts abbiegen, über die Grenze, durch Chocholów und Witów.

In Zakopane gibt es alles vom Fünf-Sterne-Wellness-Resort bis zum einfachen, sauberen Privatzimmer um 30 Euro in den typischen, urigen Holzhäusern im Góralenstil, und das auch oft nicht weit vom Zentrum entfernt.

Wichtig: An der Grenze in Kittsee muss man eine Autobahnvignette kaufen.

Informationen:
www.zakopane.reisepolen.de
www.zakopane.com

RZD-Provodnik
00
27.8.2009, 11:36
Überquerung Hohe Tatra

Was ich auch empfehlen kann: Eine grenzüberschreitende Wanderung von Zakopane/Kasprowy Wierch über den Rysy (2500m, höchster berg Polens) nach Strbske Pleso in der Slowakei.
Habe das mit ein paar Freunden im Juli gemacht, hier ein Bericht: http://gipfeltreffen.at/showthrea... hp?t=38066

Anreise Wien - Zakopane mit dem Zug über Krakau, Rückreise ab Strsbske Pleso ebenfalls mit dem Zug über Bratislava.

dedo1
00
21.8.2009, 14:49
schiurlaub

sehr schöne gegend, nur:
für schiurlaub ist der vergleich "st moritz" eher
ironisch zu verstehen...
da gibt es von oberösterreich bis vorarlberg wohl 100
schigbiete, die größer, schöner und vor allem auch billiger sind,
und wer in den bergen ruhige wege sucht, wird in
den ostalpen auch fündiger, das schöne liegt so nahe

hfvienna
00
21.8.2009, 09:39
Noch 100 mal schöner ...

.. ist es dort, als in diesem Schulaufsatz beschrieben. Wir waren gerade 2 Wochen in Krakau und Zakopane und sind begeistert zurückgekommen.

Der Wählerwille
 
01
21.8.2009, 08:34
polen

eines der landschaftlich meistunterschätzten länder europas.

hinfahrn. anschaun. staunen.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.