Wie Wien riecht

20. August 2009, 17:00
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"Klubwasser" kommt als Gegenbewegung zu all den uniformen, globalisierten und synthetisch hergestellten Parfums - und ist von einem Wiener Werber entwickelt worden

Auf den ersten Blick scheint die Sache klar: dass ein Werber ein Label gründet. Schließlich kennen sich Werber mit Marken aus. Was dann unter diesem Namen verkauft wird, ist oft zweitrangig. Doch im Falle von Alexander Lauber (37) verhält es sich anders. Lauber schuf sein Label "Wiener Blut" und dazu ein neues Parfum namens "Klubwasser", weil er damit etwas bewegen will. "Wien tut sich so schwer mit seiner Identität", sagt er, "dabei hätte die Stadt so viel Potenzial, gerade ihres reichen historischen Kontextes wegen. Doch Wien schafft es nicht, den Bogen zum Zeitgenössischen zu schlagen."

Um das zu verstehen, muss man tiefer in die Gedankenwelt des Hobbyhistorikers einsteigen. Bevor "Klubwasser" entstand, das in Paris schon bei Colette steht, recherchierte Lauber in Bibliotheken - und stolperte über die Tradition der Wiener Taschentuchparfums aus dem 19. Jahrhundert. Deren Rezepte ließ er nachbauen, entwickelte in zwei Jahren eine adaptierte Version, die für heutige Nasen nicht zu schwer ist. Hauptingredienzien sind rein natürliche Substanzen: Kumin, Gras, Moos. Ein eher männlicher grüner Duft, zugleich aber blumig-lieblich - ein typisches Cologne.

Wien war einmal tonangebend in Stil und Mode, aber heute? Gerade einmal Knize ist übriggeblieben. "Dabei gibt es noch so viele Schätze, die auf Wiederbelebung warten." Nicht um Nostalgie geht es Lauber, vielmehr um eine Haltung, auf deren Identität Wien zurückgreifen könnte. Mit seinem Klubwasser, das in Wien produziert und abgefüllt wird (sowie als Sonderedition in einem Lobmeyr-Flakon erhältlich ist), überträgt Lauber den Slow-Food-Gedanken auf die Parfumwelt: Regional schlägt global, statt der großen Namen zählt die Geschichte hinter dem Produkt. "Manche Parfums sind reine Werbeschmähs." "Klubwasser" hingegen setzt auf Authentizität. Und: auf Nachhaltigkeit. Anders als viele Flakons entpuppt sich die schlichte Flasche nach dem Gebrauch nicht als Sondermüll.(Mareike Müller/Der Standard/rondo/21/08/200)

www.wienerblut.at, bei Jungmann & Neffe, Albertinaplatz 3, 1010 Wien und bei Lobmeyr, Kärntner Straße 26, 1010

  •  Als Sonderedition gibt's "Klubwasser" in diesem Lobmeyr-Flakon.
    foto: wiener blut

    Als Sonderedition gibt's "Klubwasser" in diesem Lobmeyr-Flakon.

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