Zifferblatt-Kunst am Handgelenk

14. August 2009, 17:00
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Masken-Miniaturen nach Vorbildern aus Afrika, Asien und Ozeanien sowie Zonenzeitenanzeigen mit Tag-Nacht-Indikation ziehen die Blicke an

Bildende Kunst besitzt viele Facetten. Sie lässt sich im Museum bewundern, in öffentlichen Räumen platzieren, in den eigenen vier Wänden stilvoll positionieren oder auch am Handgelenk demonstrativ zur Schau stellen. In letztgenannten Fall bietet das Zifferblatt, welches rund achtzig Prozent zum Gesamteindruck der dort befestigten Uhr beiträgt, ein ungemein mobiles Forum.

Das jedenfalls haben sich beispielsweise die Produktgestalter von Vacheron Constantin gedacht, als sie Masken-Miniaturen aus Afrika, Asien, Amerika und Ozeanien, also sogenannte Stammeskunst, die sonst im renommierten Genfer Musée Barbier-Mueller residiert, auf Zifferblattgröße miniaturisierte. Seit 2007 entstanden drei Uhren-Serien "Métiers d'Art - Les Masques". Zwei davon, insgesamt 200 Uhren, sind bereits ausverkauft. Die dritte debütierte vor gut einem Monat im New Yorker Metropolitan Museum. Eines der dortigen Exponate, die rund 350 Jahre alte Gesichtsmaske Zangs-'Bag aus der Region Tibet, diente versierten Graveuren als Vorbild für ein ungewöhnliches Zifferblatt. Das spezielle Metallisierungsverfahren bringt eine nahezu atemberaubende Wirkung mit sich: Die aus massivem Gold gearbeitete Miniaturskulptur scheint mit der Hand greifbar zu sein. Der französische Schriftsteller Michel Butor konnte diese und alle anderen Masken zwar nicht zum Leben erwecken. Aber er verlieh ihnen prosaische Worte, die Vacheron Constantin in spiralförmig verlaufenden Goldlettern auf dem Glas verewigt. Für die Zeitanzeige zeichnet selbstverständlich feinste Selbstaufzugs-Mechanik der Genfer Nobelmanufaktur verantwortlich.

"red dot: best of the best"

Bei der Verleihung des bekannten "red dot award" 2007 mussten die Experten des Design Zentrums Nordrhein-Westfalen nicht weniger als 2548 Kandidaten aus 43 Ländern begutachten. Zu den 666 Prämierten gehörte auch die "Pontos Decentrique GMT" von Maurice Lacroix. Speziell wegen ihres kunstvoll gestalteten Zifferblatts attestierte die Jury dieser Automatik-Armbanduhr ein besonders innovatives Design. Und das trug der Uhrenmanufaktur den "red dot: best of the best", also einen Spitzenplatz; ein. Dargestellt werden zwei verschiedene Zonenzeiten. Die rechte davon ist mit einer Tag-Nacht-Indikation unter teilweise geschwärztem Glas kombiniert. Das raffinierte Prinzip der Teil-Transparenz gilt auch für den Datumsring.

Eine ganz andere Art der Zifferblatt-Kunst pflegt Cartier. Das reliefartige Design des Gesichts des "Rotonde de Cartier Central Chronograph" macht Sinn. Normalerweise überlagern sich die Zeiger bei klassischen Zeitschreibern mehr oder minder lang, was dem einwandfreien Ablesen abträglich ist. Deshalb besitzt der Newcomer mit dem eigenen Manufaktur-Handaufzugskaliber 9907 MC keine Zeit-Zeiger, welche "Hände" des Chronografen überdecken können. Vielmehr spielt sich das Geschehen auf verschiedenen Ebenen einer aufwändigen Zifferblattlandschaft ab. Die unterste davon gehört den Spitzen der blauen Stahlzeiger für Stunden und Minuten. Die darüberliegende Fläche bleibt dem Chronografen vorbehalten. Ganz vorne rotiert der schlanke Chronografenzeiger. Ein ebenfalls mittig positionierter Zähler registriert jeden seiner Umläufe bis hin zu dreißig Minuten. Die beachtliche Größe der Totalisator-Scheibe und ein 180 Bogengrade breites Sichtfenster gestatten ungestörtes Ablesen. Das ist funktionale Kunst. (Gisbert L. Brunner/Der Standard/rondo/14/08/2009)

  • "Pontos Decentrique GMT"
    foto: hersteller

    "Pontos Decentrique GMT"

  • "Métiers d'Art - Les Masques" von Vacheron Constantin
    foto: hersteller

    "Métiers d'Art - Les Masques" von Vacheron Constantin

  • "Rotonde de Cartier Central Chronograph"
    foto: hersteller

    "Rotonde de Cartier Central Chronograph"

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