Trappistenbier

8. August 2009, 17:00
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Conrad Seidl über den Plan, dass an der Donau eine Trappistenbrauerei entsteht

Trappistenmönche sind ja - als "Zisterzienser von der strengeren Observanz" - eher verschwiegene Menschen, auch wenn das Schweigegebot durch das Zweite Vatikanische Konzil etwas gelockert worden ist. Dennoch ist aus dem österreichischen Trappistenkloster Engelszell (bei Engelhartszell an der Donau) in den letzten Wochen der Plan durchgesickert, hier eine Brauerei zu errichten. Genau genommen: Wiederzuerrichten, denn bis 1929 gab es eine Brauerei in Engelszell, die dann von der Brau AG (Vorläuferin der BrauUnion) gekauft und stillgelegt wurde.

Das Stift selbst, 1293 gegründet und 1786 unter Joseph II. aufgehoben, ist seit 1925 der Sitz von Trappistenmönchen. Und es wäre nicht das erste, das eine Brauerei wiedereröffnet - wobei strenge Regeln zu beachten sind. Um nämlich Trappistenbier brauen (und auch als solches bezeichnen) zu dürfen, muss ein Brauerei vollständig im Eigentum des Ordens stehen und auch auf dessen eigenem Grund produzieren.

Das hat sich in der Vergangenheit als sehr profitabel erwiesen - in Florenville etwa haben fromme Bürger in den 1920er-Jahren eine Brauerei gegründet, deren Erträge den Wiederaufbau und die Wiederbesiedelung der 1793 zerstörten Klosteranlage Orval finanzieren sollten. Das ist tatsächlich gelungen - und das heute im Kloster gebraute herb-fruchtige Bier in der charakteristischen bauchigen Flasche ist ein weltweit gefragtes Produkt. Denn wegen der strengen Auflagen zur Herstellung des Trappistenbieres können die Brauereien nicht beliebig erweitert oder gar ausgelagert werden, sonst geht die prestigeträchtige Bezeichnung "Authentic Trappist Product" verloren: Jede der sieben Trappistenbrauereien stellt geschmacklich sehr eigenständige Biere in relativ geringen Mengen her (in Orval sind es etwa 40.000 Hektoliter im Jahr).

In Engelszell wären die Voraussetzungen gegeben - auch wenn es im Vorhinein wohl keine Garantie geben dürfte, dass das in der neu zu errichtenden Brauerei zu brauende Bier auch wirklich als authentisch anerkannt wird. Mindestens so spannend wird die Frage, was für ein Bier die neun Mönche dort brauen werden - denn ein Trappistenbier darf nicht im untergärigen Märzenbier-Einerlei untergehen, es muss stärker sein und mit obergäriger Hefe vergoren. Ohne belgische Starthilfe wird das wohl nicht funktionieren. (Conrad Seidl/Der Standard/rondo/07/08/2009)

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    Jede der sieben Trappistenbrauereien stellt geschmacklich sehr eigenständige Biere in relativ geringen Mengen her.

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